Wenn die Psyche schwankt: Mentale Gesundheit in der Perimeno- und Menopause
Die Wechseljahre verbinden viele mit Hitzewallungen. Dass sie auch die mentale Gesundheit tiefgreifend beeinflussen können, bleibt oft unerwähnt. Dabei beginnt der Umbruch im Kopf meist Jahre vor der letzten Regel.
Für viele Frauen ist die Menopause ein Begriff, dass sich jedoch bereits während der Perimenopause, also in den Jahren vor der letzten Regel, die mentale Gesundheit verändern kann, wissen oft nur wenige. Dabei ist gerade auch diese Phase für die mentale Gesundheit entscheidend und kann sich stark auf Alltag, Stimmung und Lebensqualität auswirken.
Mehr als nur Hitzewallungen
Die Menopause bedeutet vor allem eines: hormonelle Achterbahnfahrten. Sinkende Östrogen- und Progesteronwerte beeinflussen nicht nur den Körper, sondern auch das Gehirn – mit Folgen für Stimmung, Konzentration, Schlaf und Stressresilienz. Häufige psychische und kognitive Symptome sind:
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Traurigkeit oder Angstzustände
- Schlafprobleme und Erschöpfung
- Konzentrationsstörungen und «Brain Fog» (Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsprobleme)
- Verlust von Motivation oder Selbstvertrauen
Diese Beschwerden können stark variieren und treten nicht bei allen Frauen gleich auf. Bei einigen äussern sie sich vor allem als Stress oder fühlen sich wie Burn-out an, während andere Frauen regelrechte depressive Episoden erleben.
Risiko für Angst und Depressionen
Studien zeigen: Frauen in der Menopause haben ein deutlich höheres Risiko, depressive Symptome zu entwickeln, selbst wenn sie vorher nie darunter gelitten haben. Eine grosse internationale Analyse fand ein um rund 40 Prozent erhöhtes Depressionsrisiko in dieser Phase, die bereits ab vierzig Jahren beginnen kann und durchschnittlich bis Mitte fünfzig geht. Das liegt weitgehend an hormonellen Schwankungen, die Botenstoffe im Gehirn beeinflussen – und damit Emotionen, Stressreaktionen und Schlaf.
Komplex und herausfordernd
Psychische Beschwerden haben verschiedenste Faktoren. Neben hormonellen Ursachen spielen auch Lebensumstände eine Rolle, etwa ein belastender Job, familiäre Verantwortung, Leistungsdruck oder schon bestehende psychische Belastungen. Dazu kommt: Viele Frauen erkennen die Symptome nicht als Teil der Menopause und schätzen sie als persönliches Versagen ein, was die Belastung weiter verstärkt.
Was hilft wirklich? Konkrete Strategien für den Alltag
1. Darüber sprechen
Mentale Gesundheit in den Wechseljahren ist kein Luxus, sondern Teil des Wohlbefindens.
Offene Gespräche mit Partner:innen, Freund:innen oder Kolleg:innen können entlasten und entstigmatisieren.
Erfahrungen auszutauschen und sich verstanden zu fühlen, wirkt positiv auf die psychische Gesundheit.
2. Professionelle Unterstützung
Psychotherapie, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie (CBT), hat sich als wirksam erwiesen, um Stress, Angst und depressive Stimmungen zu reduzieren. Dabei werden negative Gedankenmuster durch praktische Strategien ersetzt.
Auch Beratungsgespräche zur Frauengesundheit oder der Austausch und die Begleitung durch spezialisierte Gesundheitscoaches können unterstützen.
Bei schweren oder anhaltenden Symptomen sollte eine Abklärung durch Fachpersonen selbstverständlicher Teil der Selbstfürsorge sein.
CSS-Beratung für Frauengesundheit
Die CSS-Gesundheitscoaches bieten eine persönliche Beratung an rund um das Thema Frauengesundheit. Dazu gehört eine fachliche Einschätzung der Wechseljahrsymptome, Informationen zu den Auswirkungen und Herausforderungen der hormonellen Veränderung sowie Tipps und Strategien für den Umgang damit. Die erste Beratung ist für CSS-Versicherte kostenlos und richtet sich an Frauen und ihre Angehörigen. css.ch/wechseljahre
3. Bewegung, Entspannung, Schlaf
Regelmässige körperliche Aktivität setzt Endorphine frei, verbessert die Stimmung und den Schlaf.
Schlafhygiene ist besonders wichtig. Sie kann zum Beispiel durch regelmässige Schlafzeiten, eine bildschirmfreie Phase vor dem Zubettgehen sowie eine kühle und dunkle Schlafumgebung unterstützt werden.
Atemtechniken und -übungen, Meditation oder Yoga können dabei helfen, Stressreaktionen zu reduzieren und die innere Balance wiederzufinden.
4. Alltag organisieren und entlasten
Struktur schaffen: To-do-Listen, Kalender und kleine Routinen können helfen, geistigen Druck zu reduzieren.
Soziale Netzwerke nutzen: Austausch in Selbsthilfe- oder Unterstützungsgruppen bringt neue Perspektiven und stärkt das Gefühl, nicht allein zu sein.
5. Medizinische Optionen
Wenn mentale Beschwerden in der Peri- und Menopause stark ausgeprägt sind oder sich verschlechtern, ist eine ärztliche Abklärung ratsam.
Je nach Situation können Hormontherapien oder andere medizinische Ansätze in Kombination mit psychologischer Unterstützung sinnvoll sein.
Bei klinischer Depression oder Angststörungen können auch Medikamente helfen – dies sollte jedoch immer gemeinsam mit einer Fachperson entschieden werden.
Wandel annehmen – und gestalten
Die Perimeno- und Menopause sind keine Krankheit, sondern ein biologischer Übergang, der – wie jede grosse Lebensphase – Herausforderungen und Chancen mit sich bringen. Indem wir mentale Gesundheit ernst nehmen, die richtigen Unterstützungsformen nutzen und offen darüber sprechen, können wir diese Lebensphase nicht nur überstehen, sondern aktiv gestalten und dabei wertvolle Ressourcen für die Zukunft aufbauen.
Podcast «Hallo Gesundheit»
Mit dem Podcast «Hallo Gesundheit» bietet die CSS eine niedrigschwellige und unkomplizierte Möglichkeit, sich dem Thema mentale Gesundheit anzunähern. Expert:innen und Betroffene teilen dort ihre Erfahrungen und vermitteln Wissenswertes– unter anderem zu Emotionen, Stress und Lebensphasen wie den Wechseljahren.
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