"Wie schmeckt Erfolg, Elif Oskan?"
Die Zürcher Köchin und Unternehmerin über Glück, Führungsqualitäten und Theatralik: Teil vier der Interview-Serie über Vorbilder, die Gleichstellung vorantreiben.
Wie schmeckt Erfolg?
Elif Oskan: Bin ich denn erfolgreich? Wer entscheidet das? Ich habe viele Möglichkeiten und darf so viel erleben. Aber berufliche Ziele allein treiben mich nicht an. Mich interessieren Gefühle. Momente der Freude. Wenn ich Gäste in meinem Restaurant Gül glücklich machen kann.
Okay: Wonach schmecken diese Glücksmomente?
Nach Erdbeerrahm. Man erwartet so viel vom Glück. Dabei ist es oft unaufgeregter. Für mich sind es bewusst gelebte Momente wie die Zeit mit meinem Vater. Und die andere Art von Glück: Wenn ich spät dran bin und den Zug noch kriege – das schmeckt schärfer.
Sie haben Ihren Partner in der Küche kennengelernt. Wird er dort als Mann anders wahrgenommen?
Nein. Dennoch wird das Können von Frauen definitiv öfter hinterfragt. Das Problem ist strukturell. Einflussreiche Köchinnen sind noch immer nicht alltäglich. Aber am Ende zählt nur: Schmeckt es oder nicht?
Wie steht es um Frauen in der Gastro?
Da bewegt sich etwas. Küchen sind historisch gewachsene Machtstrukturen. Aber wir können entscheiden, wie wir führen. Für mich geht es weniger um Hierarchie als um Klarheit. Wie ein Orchester: Es braucht eine Dirigentin, aber alle sind wichtig.
Elif Oskan (36), Mit-Inhaberin des mit 15 Gault- Millau-Punkten ausgezeichneten Restaurants Gül im Zürcher Kreis 4"Das Können von Frauen wird definitiv öfter hinterfragt"
Ist der hohe Frauenanteil in Ihrem Team bewusst gewählt?
Ich ziehe einen gewissen Typ Mensch an. Auch die Männer in meinem Team sind äusserst empathisch. Das Gefühl selektiert.
Wie haben die Frauen in Ihrem Umfeld Sie geprägt?
Meine Mutter und meine Schwester haben mir ein Ur-Vertrauen mitgegeben - in mich und in andere Frauen.
Wie viel Theater braucht ein Teller?
Für mich privat kaum. Aber mein Restaurant macht Lärm wie eine Grossfamilie. Hier ist immer Weihnachten, da fliegt das Konfetti. Wir kochen auf Holzkohle – wenn Brot gegrillt wird, sind die Aromen lauter als beim leisen Backen. Die Stille kommt im Abspann: im harmonischen Baklava.
Was ist ein privates Gericht für Sie?
Ein gekochtes Ei mit Salz. Eine Kartoffel mit einem halb geschmolzenen Stück Butter.
Ihre früheste Erinnerung ans Kochen?
Mein erster selbst gebackener Marmorkuchen. Das Beste: Mein Vater dachte, er sei gekauft. Ich weiss nicht mehr, wie er geschmeckt hat, aber ich erinnere mich genau an dieses Gefühl. Das ist dann wohl wahrer Erfolg.
Als nächstes: Seglerin Justine Mettraux
Diese Interview-Serie wird unterstützt von PostFinance, einem Unternehmen, das sich für Gleichstellung stark macht. Gemeinsam lassen wir Persönlichkeiten zu Wort kommen, die mutig vorausgehen – und damit Wege für viele eröffnen. Weil Veränderung beginnt, wenn eine:r beginnt.
Created by annabelle Content Studio Bild: Julia Ishac