Monika Hauser: «Für Frauen hört der Krieg nicht auf, wenn Frieden geschlossen ist»
In der neusten Folge des annabelle-Podcasts "Queens" spricht Chefredaktorin Barbara Loop mit der Gynäkologin Monika Hauser.
- Von: Barbara Loop
annabelle-Podcast abonnieren Schließen
1993 reist die junge Gynäkologin Monika Hauser nach Bosnien – mitten in den Krieg. Sie weiss nicht genau, was sie erwartet, aber sie weiss, dass wegschauen für sie keine Option ist. Im zentralbosnischen Zenica baut sie das weltweit erste Zentrum für kriegstraumatisierte Frauen auf. Daraus entsteht Medica Mondiale, eine Frauenrechtsorganisation, die sich seit über dreissig Jahren weltweit für Überlebende sexualisierter Gewalt einsetzt.
In dieser Folge des annabelle-Podcast «Queens» spricht die Trägerin des Alternativen Nobelpreises mit annabelle-Chefredakatorin Barbara Loop darüber, was sie immer wieder antreibt, sich dem Schrecken zu stellen. Monika Hauser erzählt, wie die Erlebnisse ihrer Grossmutter ihren eigenen Weg geprägt haben, warum Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, häufig ein zweites Mal verletzt werden – durch Stigmatisierung und Ausgrenzung – und weshalb Gewalt gegen Frauen nicht mit dem Krieg endet.
Es geht um die Kraft von Solidarität, um Selbstwirksamkeit und Mut – und um die Frage, warum die Schweiz viel Geld in den Schutz vor Cyberkriminalität und Drohnenangriffe investiert, beim Schutz von Frauen aber um jede Million ringt.
Monika Hauser wurde als Tochter von Südtiroler Eltern 1959 in Thal bei St. Gallen geboren. Sie ist italienische Staatsbürgerin und lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Köln. Monika Hauser wurde als Europäerin des Jahres ausgezeichnet und erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität St. Gallen. 1996 lehnte sie das Bundesverdienstkreuz ab, aus Protest gegen die Asylpolitik der deutschen Regierung.
Medica Mondiale beschäftigt rund neunzig Mitarbeiter:innen. Die Organisation arbeitet mit lokalen Frauenrechtsorganisationen in 13 Ländern auf drei Kontinenten zusammen, unter anderem in Afghanistan, im Irak, in West- und Zentralafrika sowie mit der Medica Mondiale Foundation Switzerland auch in der Schweiz. Finanziert wird die Arbeit durch private Spenden sowie öffentliche und institutionelle Fördergelder.
Zum Weiterlesen und Weiterschauen:
«Monika Hauser. Ein Porträt»: Film von Evi Oberkofler und Edith Eisenstecken, Barnsteiner Film 2018
«Monika Hauser. Nicht aufhören anzufangen»: Buch von Chantal Louis, Verlag Rüffer und Rub, Zürich 2008, 250 Seiten.
Wir freuen uns über Lob, Kritik und Gästewünsche an [email protected].
Falls du uns nicht nur hören, sondern auch lesen möchtest, teste jetzt annabelle im Vorteilsabo: annabelle.ch/vorteilsabo
Dieser Podcast wird unterstützt von PostFinance. Das Schweizer Finanzinstitut macht sich für Gleichstellung stark und gibt Vorbildern eine Plattform.