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Postkarte aus Paris: Quartier Belleville

Text: Annette Keller; Fotos: Ornella Cacace

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Hier pulsiert das Leben! Das Quartier Belleville im Nordosten von Paris

Zieht Feinschmecker an: Das Restaurant Le Baratin

Exklusive Scheiben: L’International

Zum Anbeissen

Das findet man in der Boulangerie: Eine Tarte au citron meringué oder Macarons mit Brombeeren. 
— Ha (Les Délices de Parmentier), 142, avenue Parmentier

Edith Piaf war die berühmteste Bewohnerin des Pariser Quartiers Belleville. Ein Ort kosmopolitischer Lebensfreude.

An Belleville ist der Blick auf den Eiffelturm schön, der Rest ist Geschmackssache. Und wer es chic will, flaniert besser im Marais oder an der Rue St-Honoré, wo hinter geputzten Fassaden globalisierte Ladenketten eingemietet sind. Doch hier in Belleville, wenige Metrostationen entfernt vom schicken Paris, entdeckt man ein rohes, ungeschliffenes Quartier, das auf keiner Ansichtskarte zu finden ist. Das einstige Winzerdorf, 1860 eingemeindet, liegt auf einem Hügel, und deshalb hat man diesen fantastischen Ausblick auf den Eiffelturm oder die Basilique du Sacré-Coeur.

Seit den Zwanzigerjahren ist Belleville ein Einwandererviertel. Griechen, Juden, Armenier, Nordafrikaner und Chinesen zogen her und prägen mit ihrer Kultur das Strassenbild. So wähnt man sich rund um die Station Belleville in Chinatown, findet gleich um die Ecke das beste Couscous der Stadt oder stolpert als Nächstes in eine versteckte Boutique, wo man die schrägsten Souvenirs aus Afrika entdeckt.

Um das, was Paris gemeinhin ausmacht, braucht man sich deswegen keine Sorgen zu machen: An der einen Ecke duftet die Boulangerie, an der nächsten die Fromagerie, und weder Charcuterie noch Fleuriste fehlen im kleinkrämerischen Angebot. Starbucks? Mais non! Den Café au lait gönnt man sich hier noch immer im Bistro mit Blick auf die Passanten und einem Ohr für den Klatsch und Tratsch im Quartier. Die niedrigen Mieten haben Kunst- und Kulturschaffende angezogen, und aufmerksame Besucher begegnen immer wieder grösseren und kleineren Kunstwerken – nicht in Galerien, sondern an Fassaden oder auf Randsteinen.

Restaurants, Bars und Clubs drängen sich hier besonders dicht, aber auch Plattenläden und Konzertlokale. Das Nachtleben bebt,
Musik liegt in der Luft, und es wundert nicht, dass die berühmteste Bellevilloise eine Sängerin war: Edith Piaf. Angeblich wurde sie 1915 auf dem Trottoir an der 72, rue de Belleville geboren. Besuchen kann man sie auf dem legendären Friedhof Père Lachaise, am südlichen Ende von Belleville. Mit seinen 70 000 Gräbern ist er eine kleine Stadt und Edith Piaf in guter Gesellschaft: Hier ruhen auch Honoré de Balzac, Molière, Oscar Wilde und Jim Morrison – während vor den Friedhofsmauern die Lebensfreude pulsiert. 

Auf der nächsten Seite finden Sie Tipps für den Trip nach Belleville

Tipps zum Trip

SCHLAFEN
Das Mama Shelter ist hip und cool und von Philippe Starck designt. Mit gutem Restaurant. Abends oft Partys.
— Mama Shelter, 109, rue de Bagnolet, Tel. 0033 1 43 48 48 48, www.mamashelter.com, DZ ab 110 Fr. ohne Frühstück

Auf www.airbnb.ch gibt es in und um Belleville viele tolle Wohnungen zu mieten. Früh suchen lohnt sich!

LESEN
Die Bücher von Daniel Pennac spielen in Belleville. Seine Romanfigur Benjamin Malaussène lebt hier ein buntes, sehr lesenswertes Leben.
— Daniel Pennac: Monsieur Malaussène. Kiepenheuer & Witsch, 607 S., ca. 16 Fr.

ESSEN & TRINKEN
Kleines, sehr feines französisches Restaurant, das Gourmets aus ganz Paris anzieht. Unscheinbar von aussen, fantastisch von innen. Reservieren.
— Le Baratin, 3, rue Jouye-Rouve, Tel. 0033 1 43 49 39 70 

Lebhaftes Café für jede Tageszeit: Mittags Lunch (z. B. ein feiner, unfranzösischer Burger), abends Bar und gelegentlich Konzerte.
— Le Cannibale, 93, rue Jean-Pierre Timbaud, Tel. 0033 1 49 29 95 59

Konzertlokal, Ausstellungsstätte, Bar und Restaurant unter einem Dach. Am Wochenende leckerer Brunch in der Halle aux Oliviers, die abends zur Disco wird.
— La Bellevilloise, 19/21, rue Boyer, Tel. 0033 1 46 36 07 07, www.labellevilloise.com 

Versteckt in der Nähe des Parc des Buttes Chaumont, serviert das «Que du Bon» saisongerechte französische Küche, begleitet
von grossen Weinen aus kleiner Produktion.
— Que du Bon, 22, rue du Plateau, Tel. 0033 1 42 38 18 65 

Der Parc des Buttes Chaumont ist ein in Terrassen angelegter Park mit tollem Ausblick über die Stadt. Picknick einpacken und
die Aussicht auf den Montmartre geniessen. Oder bei Rosa Bonheur etwas essen gehen – ein familienfreundliches Café mitten im Park.
— Rosa Bonheur, Parc des Buttes Chaumont, 2, avenue de la Cascade, Tel. 0033 1 42 00 00 45

SHOPPEN
Während nachts im Club L’International junge Bands die Verstärker aufdrehen, findet man tagsüber im Plattenladen gegenüber exklusive Scheiben von heute und gestern.
— L’International Vinyl & CD, 12, rue Moret, www.linternationalrecords.com
— L’International Club, 5/7, rue Moret,
 www.linternational.fr

Dem bunten, üppigen und duftenden Blumenangebot des Fleuriste L’arrosoir ist kaum zu widerstehen – und einen Grund,
Blumen zu kaufen, gibt es immer. Auch wenn sie nur das Nachttischli im Hotelzimmer zieren.
— Fleuriste L’arrosoir, 80, rue Oberkampf, 75011 Paris

Besuch im Buch

Annette Keller

Vor zwei Jahren landete unsere stellvertretende Bildchefin Annette Keller mehr aus Zufall in Paris-Belleville. Ohne je dort gewesen zu sein, kam es ihr bekannt vor – wegen der Bücher von Daniel Pennac, dessen Protagonist dort lebt, umgeben von seinen Freunden aus aller Herren Länder. Gelesen hat sie die Bücher vor zwanzig Jahren, und doch scheint immer noch alles so bunt, laut und authentisch, wie sie sich das damals vorgestellt hat: «Die Gentrifizierung hält nur langsam Einzug und sorgt hier und da für eine neue Bar, ein spezielles Restaurant und ein bisschen schicken Multikult.» Die Tipps, die sie von ihrer aktuellen Reise mitgebracht hat lesen Sie in diesem Artikel.

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