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Designerin Stephanie Nina Yoon: «Bei uns bleibt kein Abfall zurück»

Fashion

Designerin Stephanie Nina Yoon: «Bei uns bleibt kein Abfall zurück»

  • Text: Leandra Nef
  • Bilder: ZVG

Am Wochenende findet die 19. Edition der «Mode Suisse» statt. Wir stellen vorab ausgewählte Designerinnen und Designer vor. Heute: Stephanie Nina Yoon von Nina Yuun über digitale Schnittmuster, umfunktionierte Business-Hemden und ein erfolgreiches Corona-Jahr.

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Wann haben Sie Nina Yuun gegründet?
Im September 2018.

Ihr Atelier?
Befindet sich in der Winterthurer Altstadt.

Werdegang?
Geboren bin ich in den Vereinigten Staaten, aufgewachsen im südkoreanischen Seoul. Dort habe ich nach meinem Bachelor-Studium in Kunst mehrere Jahre als Designerin gearbeitet. Eine sehr lehrreiche, aber auch harte Zeit. Nach meinem Umzug in die Schweiz habe ich in Basel einen Master in Modedesign angehängt, nun lebe und arbeite ich in Winterthur und entwerfe für mein eigenes Label.

Was hat Sie zur aktuellen Kollektion inspiriert?
Während des Lockdowns scheint die Zeit stillzustehen. Die Welt wird ruhiger, unsere Sinne schärfer, die Gefühle akuter. Die Zeit, die man allein verbringt, bietet Gelegenheit, vermeintlich Selbstverständliches wie den Sonnenschein wieder schätzen zu lernen, Schönheit in den kleinsten Dingen zu finden, aus Abfall Neues zu erschaffen – oder, um es metaphorisch auszudrücken: eine Blume wird aus Rost geboren. Darum der Titel unserer Kapselkollektion: Rust and Flower.

Lieblingspiece der Kollektion?
Eine Quilt-Weste – gefertigt mittels traditioneller koreanischer Nubi-Technik –, auf die ich Reste von Spitze appliziert habe. Der Prototyp ist noch in Bearbeitung, aber ich bin mir sicher, dass dieses Stück mein absoluter Favorit sein wird.

Wen würden Sie gern in Ihren Entwürfen sehen?
Menschen, die Freundlichkeit, Sanftmut, Stärke und Unabhängigkeit verkörpern. An solche Menschen denke ich, wenn ich entwerfe.

Wie wichtig ist Ihnen Nachhaltigkeit?
Für uns ist Nachhaltigkeit eine ganzheitliche Überzeugung, sie spielt von der ersten Idee für ein Stück bis zu seinem Vertrieb eine elementare Rolle. Wir konnten beispielsweise den Designprozess inklusive der Muster digitalisieren. Zusätzlich sind die Muster so gestaltet, dass der gesamte Stoff verwendet wird und kein Abfall zurückbleibt. Wir upcyceln alte Nina-Yuun-Stücke. Und wir haben beschlossen, nur noch eine Kollektion pro Jahr zu entwerfen. Sie besteht mehrheitlich aus ganzjährig tragbaren Stücken.

Wo produzieren Sie?
Neben den Familienbetrieben in Korea haben wir mit dem Nähwerk IDM in Thun auch einen lokalen Produktionspartner gefunden. Mit ihm arbeiten wir an den hochwertigen Einzelstücken der Studio-Kollektionen und an Upcycling-Projekten. Etwa am Projekt Re-Shirt: Wir verwandeln alte Business-Hemden – davon gibt es auf dem Finanzplatz Schweiz genug – in völlig neue Kleidungsstücke und verlängern so ihre Lebensdauer.

Wie haben Sie das vergangene Jahr erlebt?
Privat war es herausfordernd – mit einem Baby und der Tatsache, dass ich meine Familie in Korea seit zwei Jahren nicht mehr gesehen habe. Beruflich war es erfolgreich. Wir konnten mit lokalen Geschäften Partnerschaften aufbauen und unsere Verkaufsstellen in der Schweiz verdoppeln. Unsere Kollektionen gibt es bald in allen Landesteilen zu kaufen. Es scheint, als ob der Retail nun vermehrt lokalen Labels eine Chance geben möchte. Eines unserer Ziele haben wir also erreicht: Wir müssen das Label nicht mehr querfinanzieren.

Und das nächste Ziel?
Wir möchten die Gewinnschwelle überschreiten und unsere Präsenz auf weitere Märkte in Europa und Asien ausweiten.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Modebranche?
Ich wünsche mir eine bewusstere Einstellung der Konsumentinnen und Konsumenten. Oder anders gesagt: Ich erhoffe mir mehr Appetit auf lokales Design, kreiert von Menschen, die mit ihrem ganzen Herzen authentische, hochwertige Stücke in Kleinstmengen herstellen.

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Special Media Collaboration

annabelle spannt für die 19. Edition der «Mode Suisse» mit der Branchenplattform zusammen, begleitet das Happening vom Fitting der Models über die Laufstegpräsentationen bis zu den Expert*innen-Panels – und ist vor Ort, um sich die Kollektionen der Designerinnen und Designern zeigen zu lassen.

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