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Milano Fashion Week 2026: 5 Dinge, die uns aufgefallen sind

Milano Fashion Week 2026: 5 Dinge, die uns aufgefallen sind

Bei der Mailänder Modewoche gaben ein "Talahon", eine trans Tochter und ein Tech-Milliardär zu reden. Unserer stv. Chefredaktorin Leandra Nef weiss mehr.

  • Von: Leandra Nef
  • Bilder: Launchmetrics Spotlight; Collage: annabelle

Der Talahon und die Trans-Tochter bei Gucci

Sogar Style Not Com, der die Modewelt normalerweise in Echtzeit mit seinen Beobachtungen unterhält, musste eine Nacht über Demnas erste Show für Gucci schlafen, bevor er sein Verdikt fällte.

Aufgepumpte Bodybuilder-Typen trugen enganliegende Muscle Shirts, die jederzeit zu platzen drohten, und damit die Gym-Kultur auf den Laufsteg. Darunter der American-Football-Hulk Gavin Weiss, der wie eine Karikatur seiner selbst wirkte, und das Schweizer Model Noah Luis Brown.

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Spätere Looks waren weniger provokant, aber nur geringfügig weniger figurbetont. So lief die trans Frau und Elon Musks Tochter Vivian Jenna Wilson, die mit ihrem Vater gebrochen hat – unter anderem, weil dieser öffentlich gegen trans Menschen hetzt –, in einem abzeichnenden weissen Kleid über den Laufsteg. Bereits im vergangenen September hatte sie ihr Runway-Debüt an der New York Fashion Week gegeben. Zuvor war sie auf dem Cover der «Teen Vogue» zu sehen gewesen. Woke Popkultur, würde ihr Vater wohl schimpfen.

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Davor schlurfte noch der britische Rapper Fakemink über den Runway und inszenierte sich in der Ästhetik eines sogenannten «Talahon». Mitten auf dem Laufsteg blieb er stehen, fischte sein Handy aus der Bauchtasche und checkte seine Textnachrichten.

Demna erzählte «Vogue» backstage vom Moment, in dem seine 16-jährige Cousine erfuhr, dass er zu Gucci wechseln würde. Sie habe ihn gefragt, ob er wisse, was «Gucci» sei, und ihm daraufhin einen Crashkurs in Jugendkultur gegeben: «Gucci ist nicht nur eine Marke. Es ist ein Wort, mit dem wir einen Gemütszustand beschreiben. Wenn du dich Gucci fühlst, bedeutet das, dass du Dinge unternehmen, verrückt sein, Leute treffen und dich der Welt präsentieren willst.»

Also wollte Demna, «dass sich die Leute Gucci fühlen». Und das italienische Modehaus «wieder ins kulturelle Rampenlicht rücken». Das hat er geschafft.

Und Style Not Com? Er veröffentlichte am nächsten Tag eine chaotische Ansammlung seiner mal wohlwollenden, mal kritischen Gedanken zur Show – die er inzwischen wieder gelöscht hat. Was auch immer das heissen mag.

Big Tech und small dogs in der Front Row

Anders als Demna, der kein Problem damit zu haben scheint, Tech-Milliardäre zu verärgern, sind andere Modemogule in letzter Zeit auffällig oft mit ebendiesen zu sehen. Anna Wintour, Global Editorial Director von «Vogue», und Lauren Sánchez, die zusammen mit ihrem Gatten und Amazon-Gründer Jeff Bezos das Hauptsponsoring der diesjährigen Met-Gala übernimmt, wurden etwa gemeinsam in Paris gesichtet.

Und nun sass bei Prada doch tatsächlich Meta-Chef Mark Zuckerberg mit seiner Frau Priscilla Chan in der Front Row – zwischen Prada-CEO Andrea Guerra und Lorenzo Bertelli, dem Sohn von Miuccia Prada. Gerüchten zufolge sollen Meta und Prada gemeinsam an einer KI-Brille tüfteln. Die Fashion Crowd hätte eine gebraucht, um ihre rollenden Augen dahinter zu verstecken.

Entzückt war sie derweil vom Mikro-Chihuahua Pilaf der kaum wiederzuerkennenden Demi Moore, der bei der Gucci-Show in der ersten Reihe sass – aber ob er an der lauten Musik wohl Freude hatte?

Friedenshymnen bei Boss

Apropos: Zumindest das deutschsprachige Publikum horchte auf, als die Models bei Boss nicht zu einem Song, sondern zu Friedrich Schillers humanistischer Ode «An die Freude» einliefen («Freude, schöner Götterfunken …»). Deutsch hört man bei den internationalen Modewochen selbst bei deutschen Marken wie Boss selten. Als die Models im Finale dann zu einer Coverversion von Nenas Antikriegshymne «99 Luftballons» defilierten, wurde die Message klar.

Der virale «Vogue»-Dude

Luke Leitch von der italienischen «Vogue» sass bei Fendi neben Anna Wintour in der Front Row – mit halb geschlossenem, von den Augen der Konkurrenz abgeschirmtem Laptop auf den Knien, in den er quasi blind seine Beobachtungen tippte und damit viral ging. Zu Recht, der Typ ist ein einziger Vibe.

Die blitzschnelle Bella bei Prada

Gleich viermal lief Topmodel Bella Hadid für Prada über den Laufsteg – genau wie die restlichen 14 Models, die das Designduo Miuccia Prada und Raf Simons für die Show gebucht hatte. Sie zogen sich backstage dreimal um und hatten dafür wohl nur wenige Sekunden Zeit.

Was wie der Albtraum jeder Anziehhelferin klingt, war vermutlich nur ein halber: Beim Entwerfen der Kollektion hätten Prada und Simons an die realen Entscheidungen gedacht, die Frauen tagtäglich vor ihren Kleiderschränken träfen, erklärte Simons gegenüber «Vogue Runway»: «Was ziehe ich zu was an? […] Kann ich es auch anders kombinieren?» Entsprechend trugen die Models Lagenlooks und präsentierten bei jedem Durchlauf eine neue Schicht ihrer Outfits.

Bella Hadid etwa legte zwischen ihrem ersten und zweiten Lauf lediglich die Jacke ab und enthüllte im dritten Durchgang das Kleid, das sich beim ersten noch als Jupe getarnt hatte. Der vierte Durchgang dürfte gezeigt haben, was das Model die ganze Zeit darunter trug. Well noted, Miuccia und Raf – so machen wir das bei der nächsten Fashion Week auch. Damit für einmal ein Handgepäckskoffer reicht.

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