Paris Fashion Week 2026: 4 Dinge, die uns aufgefallen sind
Zwischen Blitzlichtern und einem «Vogue»-Diebstahl passierte so einiges während der Pariser Modewoche. Fashion Editor Noëmi Leonhardt war live dabei.
- Von: Noëmi Leonhardt
- Bilder: Launchmetrics Spotlight; Collage: annabelle
Pieter Mulier verabschiedet sich von Alaïa
Es war die letzte Kollektion des belgischen Designers für Alaïa – ein sehr emotionaler Abschied nach fünf Jahren als gefeierter Kreativdirektor des Hauses. Ein neues Abenteuer wartet ab dem 1. Juli auf ihn, wenn er die Rolle des Kreativdirektors bei Versace übernimmt. Für seine letzte Alaïa-Kollektion entschied er sich, anstelle eines dramatischen Abgangs auf die Essenz der Marke zu setzen: skulpturale, körpernahe Silhouetten, präzises Tailoring und exquisite Materialien.
Es fühlte sich an wie ein elegantes Resümee seiner Zeit bei Alaïa. In der Front Row sassen unter anderem Anna Wintour, Matthieu Blazy und Raf Simons, Muliers langjähriger Weggefährte und Freund. Die Show endete mit einer langen Standingovation – und Raf Simons stieg sogar auf eine der Sitzbänke, um seine Anerkennung besonders deutlich zu machen. Wie süss!
Nach den Debüts: Wer überzeugt mit Kollektion Nr. 2?
Während es letzte Saison einige Debüts neuer Kreativdirektor:innen gab, mussten sich diese in dieser Saison mit ihrer zweiten Kollektion beweisen. Oft zeigt sich nämlich erst mit der zweiten Kollektion, ob eine klare Richtung erkennbar ist. Bei manchen funktionierte das unserer Meinung nach überzeugend gut, bei anderen leider weniger.
Jonathan Anderson beispielsweise zeigte mit seiner zweiten Ready-to-Wear-Frauenkollektion für Dior, dass er seine anfängliche Vision weiterentwickeln und festigen möchte. Seine charakteristischen Schnitte sowie die Neuinterpretation der Bar Jacket schreien ganz nach Anderson, bleiben dabei aber eindeutig Dior – genau das Spannungsfeld, das wir uns wünschen. Rüschen, Blumen und eine gewisse romantische Opulenz liefern genau das, wonach sich die Dior-Kundin doch sehnt.
Bei Balenciaga hingegen blieb die Richtung, die Pierpaolo Piccioli einschlagen möchte, noch etwas unklar. Er scheint das Erbe von Demna respektieren zu wollen – vielleicht sogar etwas zu sehr. In der Kollektion fehlte eine deutlich erkennbare eigene Sprache oder der Mut, das Haus wieder stärker in eine Richtung zu lenken, die sowohl Cristóbal Balenciaga ehrt als auch Picciolis eigene Handschrift klar spürbar macht. Momentan wirkt die Kollektion deshalb noch etwas richtungslos.
«Vogue» klaut Lyas’ Idee
Letzte Saison gingen sie viral: die Watchpartys des Influencers Lyas. Die Nachfrage, bei den Liveübertragungen der Modeschauen dabei zu sein, war gerade bei jungen Menschen, die sich für Mode interessieren, aber keinen Zugang zu den Shows haben, besonders hoch. Genau das machte sein Konzept so erfolgreich – so erfolgreich, dass sich «Vogue» offenbar inspiriert fühlte und die Idee übernahm. Allerdings nicht eins zu eins, sondern nur auf Einladung.
Damit verkehrt sich Lyas’ ursprüngliche Idee, Mode zu demokratisieren, ins Gegenteil. Bei den «Vogue»-Watchpartys muss man nämlich eingeladen werden – nur Models, Influencer:innen und Co. erhielten diese Einladungen. Sehr fragwürdig, wenn ein Konzern wie Condé Nast Ideen von unabhängigen Kreativen übernimmt. Das wirft nicht nur ethische Fragen auf, sondern untergräbt auch die Glaubwürdigkeit der Marke, die sich sonst gerne mal als Trendsetterin und Förderin von Kreativität inszeniert.
K-Pop-Stars an den den Modeschauen
Bei den grossen Modeschauen sind es oft K-Pop-Stars wie Anna von Meovv bei Chloé oder Hyunjin bei Dior, bei denen die Blitzlichter der Kameras besonders häufig aufblitzen. Vor den Show-Venues versammeln sich riesige Fanmengen, viele halten selbst gebastelte Plakate hoch und hoffen auf ein Selfie mit ihren Idolen. Das zeigt, wie wichtig der asiatische Markt für Luxus- und Modebrands geworden ist.
Die Modehäuser setzen gezielt auf diese Influencer:innen, denn K-Pop-Stars haben eine riesige, weltweit aktive Fanbase. Ihre Modeentscheidungen setzen Trends und beeinflussen die Kaufentscheidungen von Menschen auf der ganzen Welt.