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Liebeserklärung: Warum Glitzer alles ein bisschen besser macht

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Liebeserklärung: Warum Glitzer alles ein bisschen besser macht

Glitzer macht unsere Autorin Sandra Huwiler so glücklich wie kaum etwas anderes. Warum dem so ist, was Glitzer mit Sexismus zu tun hat und wieso wir alle ein bisschen mehr funkeln sollten.

Ich gestehe hier ein für alle Mal, dass ich funkelnde Dinge wahnsinnig gerne mag. Aber ich spreche nicht von teuren Luxusuhren, stapelweise Goldbarren oder Diamanten in rauen Mengen. Ich will auch ganz bestimmt keinen Glastisch mit Chromstahlbeinen und noch weniger einen Sportwagen in Metallic-Lack.

Nein, ich spreche von ganz normalem Glitzer. Glänzende Dinge mögen gerade zur Weihnachtszeit ja eigentlich alle. Überall leuchtet, glitzert und glänzt es. Weihnachtsbeleuchtung, Schaufenster, Christbäume. Doch mir reicht auch in der Adventszeit die normale Portion Glitzer nicht: Ich hänge mir zusätzlich täglich meine Funkelbrosche an den Pulli, trage noch mehr Glitzeroberteile als sonst schon, dekoriere mein Wohnzimmer mit Lamettavorhang und haue auch noch auf die Weihnachtsguetzli essbaren Glitzer.

Glitzer gegen die Strapazen

Und Ende Jahr ist meine Glitzer-Saison nicht vorbei. Sie dauert bei mir das ganze Jahr über. Ganz besonders – aber nicht ausschliesslich – dann, wenn meine Stimmung im Eimer ist. Wenn es draussen grau-neblig ist, trage ich Glitzer-Eyeliner auf und schon ist mein Gemüt ein wenig sonniger. Wenn ich gestresst bin und mir die Arbeit über den Kopf wächst, gelingt mit Glitzerpulli alles ein bisschen leichter. Und in hässigen Lebenslagen macht Glitzernagellack das Leben ein bisschen besser. Dieses Jahr hat mich echt überstrapaziert – umso dankbarer bin ich der ganzen Glitzerei für die Prise Leichtigkeit, die sie mir zuverlässig verleiht.

Glitzer macht mich also glücklich(er). Doch warum eigentlich? Es ist sogar wissenschaftlich erwiesen, dass Funkelndes Menschen magisch anzieht. Eine Theorie lautet, dass wir Glanz mit Geld ergo Reichtum verbinden und darum automatisch nach mehr davon streben. Eine andere Theorie besagt, dass wir Dinge, die glitzern, unterbewusst mit dem lebensnotwendigen Gut Wasser verbinden. Für unsere Vorfahr:innen bedeutete also, in der Ferne etwas Spiegelndes zu sehen, endlich Wasser zum Überleben gefunden zu haben.

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Null Notwendigkeit

Nun mag ich an Glitzer aber genau, dass er absolut keine Notwendigkeit innehat. Glitzer existiert ganz einfach, um uns eine Freude zu bereiten. Und in rationalen Zeiten ist Glitzer ein schimmernder kleiner Stinkefinger an die Vernunft, Zurückhaltung und Sparsamkeit. Und eine funkelnde Erinnerung daran, das Leben auch mal wieder zu feiern.

Denn wahrscheinlich mag ich Funkelndes eben auch deshalb, weil es mich an leichte Momente erinnert, die sich tief bei mir eingebrannt haben: Im Pailletten-Mini durch New Yorker Nächte tanzen, im Club allen in der Toilettenschlange Glitzer auf die Gesichter tupfen, funkelnd auf Dachterrassen Sommernächte zelebrieren.

Ihr dürft auch glitzern!

Doch wie kommt es, dass Glitzer heutzutage eine fette Schicht Sexismus anhaftet? Schauen wir uns in Spielwarenabteilungen und Kindermode um, wird sehr früh signalisiert, dass Glitzer ein Mädchending ist. Bei Mädchensachen (und ich spreche hier von Klamotten über Schreibwaren bis zu Hörbüchern) aber so heftig, dass es sogar bei mir als Glitzer-Addict eher Brechreiz als Begeisterung auslöst. Überall – und ich meine wirklich überall – geht da scheinbar jemand mit dem Glitzerspray drüber. Und merkwürdigerweise wird Glitzer immer mit Püppchenhaftigkeit assoziiert. Nicht mit Coolness. Dieses Vorurteil bleibt übers Kindesalter hinaus bestehen.

Vor allem aus der Ecke erwachsener (Hetero-)Männer. Die in der Regel tunlichst wenig mit Funkeldingen am Hut haben wollen. Abgesehen vielleicht von der einen Christbaumkugel am Baum. Und selbst da enervieren sie sich dann gerne über Glitzerüberreste auf Kleidern oder Fussböden (ich spreche aus Erfahrung). Glitzer scheint bei männlich sozialisierten Personen also eher Gift als Glück. Wer tough sein will, komme bitte ja nicht in die Nähe von Funkelndem. Glitzer scheint für sie tendenziell mit einer übertriebenen Weiblichkeit verbunden zu sein, mit der sie ja nicht identifiziert werden wollen. Was nicht überrascht, angesichts der absoluten Nichtexistenz von Glitzer bei Jungssachen. In dem Sinne, wenigstens danke ans Universum für die Existenz von Pailletten-Dino-Pullis. Immerhin. Ich hoffe sehr, dass dieser kleine Schritt in Richtung Funkeln auch den Jungs klar signalisiert: Ihr dürft auch glitzern!

Ich versuche also dringlichst, im eigenen Haushalt (und darüber hinaus) eine coole Glitzeroffensive zu starten. Unabhängig des Geschlechts, der Tageszeit, der eigenen Verfassung. Einfach als Ansage: Leben, lass dich glitzernd feiern.

 

Und wer jetzt seit Textanfang innerlich «Mikroplastik!» und «Umweltverschmutzung!» schrie: Ja. Herkömmlicher Glitzer ist problematisch, dessen bin ich mir bewusst. Deshalb bitte möglichst Bio-Glitzer. Und für herkömmlichen Glitzer die folgenden Punkte beachten, damit Glitzerpartikel nicht in Gewässern landen: Glitzerschminke mit Wattepads abschminken und ab in den Abfalleimer, Waschen von beglitzerter Kleidung im Wäschesäckchen und abgelöste Glitzerpartikel in den Abfalleimer. Dasselbe gilt natürlich für Glitzerüberreste auf Fussböden oder wo immer sie auftauchen.

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