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Massgeschneidert, bitte!

Fashion

Massgeschneidert, bitte!

  • Text: Leandra Nef; Bild: Pexels, Genevieve Naylor/Corbis via Getty Images

Redaktorin Leandra Nef ist auf den Geschmack gekommen: Neuerdings lässt sie sich Kleidung immer öfter massschneidern.

Lang dachte ich bei Frauen, die sich Kleidung von der Schneiderin anfertigen lassen, an vornehme Damen, die Siegelringe mit Familienwappen an frisch manikürten Fingern tragen und mindestens einen Chagall im weiss marmorierten Entrée hängen haben. An Mehrbessere. Bis ich Anfang Jahr selbst in ihre Riege aufstieg – ohne Siegelring und Chagall zwar, aber mit Schneiderin, die ich inzwischen oft genug besuche, um sie meine Schneiderin zu nennen.

Es begann mit einem Leinenkleid, das ich zu Beginn des Lockdowns ohne Möglichkeit auf Umtausch in einem Onlineshop gekauft hatte. Ich bekam viel für mein Geld, zu viel. Zu viel Stoff, Länge, Weite, zu viel Nachthemd. Der Name des Labels (Sleeper) und sein Slogan («World’s First Walking Sleepwear») hätten mich warnen sollen. Ich entschied mich, es ändern zu lassen: Die Schneiderin kürzte Saum und Ärmel, nahm die Seiten ein, entfernte spiessige Bündchen – für nicht einmal fünfzig Franken.

Nach diesem Erfolgserlebnis gönnte ich mir schliesslich, was in meinem Kopf bis dahin der Hautevolée vorbehalten war. Ich liess mir eine Leinenhose und ein Oberteil massschneidern. Natürlich muss man sich das leisten können, und dann muss man es sich auch leisten wollen. Ich jedenfalls verzichte gern auf einen Wellnesstag und investiere das Geld in eine Hose. Die Vergegenwärtigung des Handwerks und der Zeit, die nötig ist, Kleidung zu fertigen, inklusive – von der ersten Anprobe bis zur letzten Anpassung.

Gratis dazu gibt es die Geschichte, die ich nun mit diesen Stücken verbinde. In der Antwort auf die Frage «Woher hast du denn die Hose?» («Von der Schneiderin») schwingt immer auch mit: handmade in Zürich. Genau der Look, den ich mir gewünscht habe, entsprechend lang wird mich das Unikat begleiten. Gefertigt auf Bestellung, keine Fastfashion, die im Übermass produziert und am Ende einer Saison unverkauft im Abfall landet. Nicht mehrbesser – nachhaltig.

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