Oscars 2026 Red Carpet: Die besten und schlechtesten Looks
Bei den 98. Oscars in Los Angeles versammelten sich die wichtigsten Hollywood-Stars auf dem roten Teppich. Welche Looks bei den Academy Awards besonders auffielen und welche Red-Carpet-Momente für Gesprächsstoff sorgten, zeigt unsere Redaktion in ihren Tops und Flops.
- Von: annabelle
- Bild: Dukas
Chefredaktorin Barbara Loop
Top: Jessie Buckley
Sie war gekommen, um zu siegen – und wählte das richtige Kleid für diese Angelegenheit. Dass Jessie Buckley den Oscar für ihre Rolle der Agnes Shakespeare in «Hamnet» gewinnen würde, war absehbar. Nicht weniger gross war der Druck, gut dabei auszusehen: nicht nur auf dem roten Teppich, sondern auch auf der Bühne. Genau das gelang der Irin mühelos – und mühelos ist zwischen Schleppen und Schleifen das Zauberwort der Red Carpet Season.
Das lange, fliessende Kleid in Zartrosa von new Chanel, das eine rote schulterfreie Stola als Oberteil kombiniert, sah einfach fabelhaft aus, und die Silhouette weckte Erinnerungen an Grace Kellys Oscar-Auftritt 1956. Alles richtig gemacht, Jessie Buckley. Von der Oscar-Rede will ich hier gar nicht erst anfangen: Mühelos, elegant, on point!
Flop: Arden Cho
Es ist möglich, dass meine Meinung ein wenig vorgefärbt ist - von der «Kpop Demon Hunters»-Manie, die mir aus den Kinderzimmern tagtäglich entgegendröhnt. Angesichts der Begeisterung, welche die singenden Dämonenjäger:innen weltweit ausgelöst haben, ist der breitschultrige Auftritt von Arden Cho, welche Kpop-Star Rumi im Animationsfilms ihre Stimme leiht, verständlich. Aber abgesehen davon, dass ich mich die ganze Zeit fragte, ob ihre Sitznachbarn wohl auch etwas von der Show mitgekriegt haben, sind die Seiten-Airbags vor allem eines: too much.
Stv. Chefredaktorin Leandra Nef
Top: Jihoon Kim
Gut, vielleicht bin ich ein wenig biased. Aber wenn eine Bekannte, die im Flugzeug neben mir sitzend Mikados (diese in Schoggi getünchten Weizenmehlstängeli) und im Ausgang Cocktails mit mir teilt, es zu den Oscars schafft, hat sie meine Aufmerksamkeit.
Die südkoreanisch-deutsche Internetpersönlichkeit Jihoon Kim hat mit ihrem allerersten Oscars-Dress alles richtig – sprich: sicher nichts falsch – gemacht: architektonisch ausgestellte Hüfte, beeindruckendes Dekolleté, noch beeindruckendere Rückansicht, zurückhaltendes Bulgari-Collier sowie die genau richtige Menge Pailletten-Gefunkel und Body-Bronzer. Auf einer Flop-Liste landet sie damit sicher nicht. Während ich mich gestern beim Zubettgehen noch gefragt habe, wer sie mit diesem Kleid ausgestattet hat, stellt sich heute beim Aufstehen raus: H&M Studio.
Jihoons Mami, die sie begleitete, trug derweil Hanbok, eine traditionelle südkoreanische Tracht (im Hintergrund).
Der Oscar für die strahlendste Farbe des Abends geht übrigens an «Bridgerton»-Schauspielerin Charithra Chandran, die in einer smaragdgrünen Robe über den roten Teppich schritt.
Flop: Chloé Zhao
Geht sie zu einer Beerdigung? Fragte nicht nur ich mich, sondern auch Roter-Teppich-Reporterin Amelia Dimoldenberg sehr direkt die chinesische Regisseurin Chloé Zhao, die mit schwarzem Schleier vor dem Gesicht auftauchte.
Es sei das alchemistische Bild der Krähe, mit dem sie arbeite, antwortete Zhao – «es steht für die Kraft, Dinge sterben zu lassen. Dafür, dass wenn man etwas zerlegt, etwas Neues entstehen kann.» Andere fanden, sie sehe aus wie die «Wicked Witch of the West» in «The Wizard of Oz».
Eine Anspielung Chloé Zhaos darauf, dass sie in ihrem Heimatland weitgehend boykottiert wird? Dass in den staatlich kontrollierten Medien Chinas nicht berichtet wurde, als sie 2021 den Oscar für «Nomadland» gewann, und darauf, dass ihre Filme nicht in chinesischen Kinos laufen? (Grund ist ein Interview, in dem sie sich kritisch zum politischen Klima in ihrem Heimatland geäussert hatte.) Fänd ich ja schon wieder top.
Head of Digital Publishing Jacqueline Krause-Blouin
Top: Odessa D'Azion
Wie man hier in Hollywood sagt: «Odessa D’Azion is having a moment.» Ich liebe die Schauspielerin aus «Marty Supreme» und «I Love L.A.» in diesem Valentino-Couture-Look. Irgendwie fühlt es sich fast ein bisschen nach altem Gucci an – was vielleicht kein Zufall ist, seit Alessandro Michele bei Valentino die kreative Leitung übernommen hat.
Ein ungewöhnlicher Look, weit entfernt von den üblichen Prinzessinnenkleidern oder Naked Dresses, weit weg von Taft und Pailletten. Stattdessen: «Almost Famous» meets «The White Lotus» meets Stevie Nicks. Atemberaubend, mutig und gleichzeitig herrlich lässig.
Besonders schön ist, wie sehr der Look ihre Persönlichkeit widerspiegelt – und genau das macht ein wirklich gutes Outfit doch aus, oder?
Der fliessende Kaftan bekommt durch die Hose darunter eine entspannte, fast nonchalante Silhouette. Und bei welchen Schmuckbrand ist die Schauspielerin unter Vertrag? Fehlanzeige: Sie hat sich ein schlichtes, überlanges Samtband umgebunden und «spontan ein Paar Pandora-Ketten übergeworfen», sagte D’Azion im Interview. Solche Details nehmen jedem Couture-Look die Steifheit.
Und was vielleicht das Beste ist: Odessa – übrigens, what a name! – hat keine Armada an Stylist:innen engagiert, sondern stylt sich selbst, was in Hollywood eine absolute Seltenheit ist. Und wer ist für Haare und Make-up verantwortlich? Ihr habt es erraten: ebenfalls sie selbst. Angesicht knapper Budgets erstaunlich zeitgemäss.
Flop: Mckenna Grace
Legendäre rosa Oscar-Kleider gab es viele: Gwyneth Paltrow 1999, Saoirse Ronan 2018, Ariana Grande 2024. Aber diese Robe von Mckenna Grace wird ziemlich sicher nicht in diese Modegeschichte eingehen.
Man versteht den Impuls. Wenn man zu den Oscars eingeladen ist, möchte man vielleicht einmal im Leben wie eine Prinzessin aussehen. Aber: Don’t do it.
Diese Art von Kleid ist derselbe Fehler, den auch viele Bräute machen: mehr Tüll, mehr Volumen, mehr Märchen – in der Hoffnung, dass daraus automatisch Glamour entsteht. Kein Zufall also, dass das Outfit von Mckenna Grace von Brautmodendesignerin Vera Wang ist. Leider sieht Grace aus, als hätte ich meiner siebenjährigen Tochter einen Stift gegeben mit der Aufgabe: «Mal mir dein absolutes Traumkleid!» Und dann noch diese «Schöne-und-Das-Biest»-Basque-Taille, das tiefe Dekolleté und die Schleppe!
Auf dem roten Teppich erinnert der Look nun leider an eine Brautjungfer, die entschlossen ist, der Braut die Show zu stehlen. Ein sehr amerikanischer Albtraum.
Aber gut – der Prinzessinnenmoment sei ihr vergeben. Auch wenn man es unter den Tonnen Make-up kaum erkennt: Sie ist schliesslich erst 19.
Redaktorin Sarah Lau
Top: Misty Copeland
Ich hätte Star-Ballerina Misty Copeland für ihr Outfit von David Koma gern ein ganzes Dutzend Rosen auf die Bühne geworfen: Der präzise geschnittene Blazer mit tiefem V-Ausschnitt und schmalem weissen Jupe ist genau meins, dazu Tüllrüschen im Tutu-Stil als markiges Detail in der Mitte. Der ballerina-codierte Auftritt kommt nur wenige Tage, nachdem Copeland auf einem Panel die Aussage von Timothée Chalamet kritisierte, für Ballett interessiere sich niemand mehr. Die Frau zeigt Haltung. Dazu setzt sie selbstbewusst ein Traum-Dekolleté in Szene, das der eigentliche Schmuck ist und den 27-Karäter von Jared Jewelers zu kostbarem Beiwerk macht.
Flop: Chase Infiniti
Zugegeben, Flieder und ich stehen ausserhalb seines natürlichen Lebensraums auf Kriegsfuss. Mit der Farbe hatte es Chase Infiniti in Custom Louis Vuitton bei mir also von Anfang an nicht leicht. Dazu noch der Wasserfallausschnitt und die seitlich gestufte Schleppe? Für mich eher angekitschtes Abschlussballkleid als Oscars.
Fashion Editor Noëmi Leonhardt
Top: Pedro Pascal
Ohne Schnauz und ohne Jacket – man könnte meinen, Pedro Pascal erscheint auf dem roten Teppich im Minimalismus-Look. Nicht ganz: Denn sein Chanel-Look mit hübscher Seidenbrosche ist alles andere als zurückhaltend, überzeugt aber auf jeden Fall positiv.
Nachdem seine Schwester Lux Pascal für das Chanel-Debüt von Matthieu Blazy lief, scheint es fast so, als wäre nun die ganze Familie Pascal Teil der neuen Chanel-Clique. We like!
Den Schnauz hat er an Leonardo DiCaprio weitergereicht, der überraschend mit Oberlippenbart auftauchte. Zufall? Wir stellen nur Fragen. Vielleicht dachte sich Pascal, wenn die Brosche schon so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, darf es bei der Gesichtsbehaarung ruhig etwas weniger sein.
Flop: Demi Moore
Egal wo Demi Moore gerade auftaucht, sie zieht die Aufmerksamkeit auf sich! Bereits in Mailand, als sie für Demna Gvasalias erste Gucci-Show an der Fashion Week erschien, sorgte ihr Auftritt für einen Aufschrei. Diesmal verzichtet sie auf eng anliegendes Leder und griff stattdessen zur eher dramatischen Abendgarderobe, die an einen Pfau erinnert. Der Designer? Derselbe wie beim Leder-Look in Mailand: Demna Gvasalia, Kreativdirektor von Gucci.
Beautychef Niklaus Müller
Top: Emma Stone
Schon letztes Jahr überzeugte Emma Stone mit einem schlichten, aber edlen Abendkleid von Louis Vuitton und doppelt dieses Jahr nach: Das silberne Kleid sitzt perfekt und schmiegt sich ihrem Körper an, ohne zu eng oder zu knapp zu wirken. Wie letztes Jahr trägt sie praktisch keine Accessoires und lässt bloss das elegante Kleid sprechen. Tolles Detail: Der Lidschatten nimmt die Farbe der Robe auf.
Flop: Lea Myren
Das Kleid sieht aus, als hätte die norwegische Schauspielerin es kurz vor der Veranstaltung selber genäht. Viel Flohmarkt und ein wenig Fasnacht ergeben ein Monster aus weissem Tüll mit beigen und weissen Stoffbahnen und einem unförmigen Kragen aus Federn. Das Kleid sitzt nicht und die Smokey Eyes der Schauspielerin passen besser zu einem Panda als zur Oscar-Verleihung.
Modepraktikantin Alina Pohl
Top: Rose Byrne
Rose Byrne, die in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin nominiert war, hat für mich ganz klar den inoffiziellen Titel Best Dressed des Abends gewonnen.
Für ihren Auftritt bei den 98. Academy Awards wählte die Schauspielerin eine Dior-Robe von Jonathan Anderson. Das Design basiert auf Look 35 seiner Debüt-Haute-Couture-Kollektion für das Haus.
Die Neuinterpretation des Kleides mit Meerjungfrauen-Schnitt und aufgesticktem Blumenmuster sitzt wie angegossen. Dazu kombinierte Stylistin Kate Young eine asymmetrische Taffin-Kette von James de Givenchy mit gelben Diamanten. Auch Haar- und Make-up-technisch stimmt jedes Detail: Der Sleek Bun und die roten Lippen passen perfekt und ergeben von oben bis unten ein gelungenes Gesamtbild.
Flop: Timothée Chalamet
Zugegebenermassen ist der Look gar nicht so verkehrt – vielleicht bin ich auch ein wenig voreingenommen nach Timothées jüngstem Kommentar zu Oper und Ballett. Einen Witz über diese Bemerkung konnte sich auch Moderator Conan O’Brien bei der Verleihung nicht verkneifen.
Trotzdem hätte ich von dem inzwischen zum dritten Mal für den Oscar nominierten Schauspieler in der Kategorie Bester Hauptdarsteller etwas mehr erwartet. Chalamet erschien in einem All-White-Ensemble von Givenchy. Eine Neuinterpretation seines Berluti-Auftritts bei den Oscars 2018? Damals hat mir sein Look deutlich besser gefallen. Vor allem beim Schnitt hätte ich mir eine bessere Anpassung gewünscht. In Kombination mit der Sonnenbrille und den weissen Ledersneakers wirkt der Auftritt eher unaufgeregt als cool.
Da haben mich die Red-Carpet-Momente seiner männlichen Kollegen Shaboozey oder Michael B. Jordan deutlich mehr überzeugt – sie zeigen, wie gutes Tailoring geht.