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Pro und Contra: Sind Crocs cool?

Fashion

Pro und Contra: Sind Crocs cool?

  • Text: Alica Wenger und Vanja Kadic; Bild: Instagram

Crocs kämpfen sich in den Fashionalltag zurück. Doch können die Gummischuhe wirklich cool sein? Ein Pro und Contra von Alica Wenger und Vanja Kadic.

Contra – von Redaktorin Vanja Kadic

Es gibt Dinge, die ich nicht verstehe. Algebraische Geometrie. Blockchains. Leute, die Lowcut-Jeans lieben. Und Crocs. «Ich glaube, ich würde lieber sterben. Aber danke trotzdem», schrieb Victoria Beckham vor einigen Tagen in ihrer Instagram-Story, nachdem ihr Justin Bieber ein fliederfarbenes Paar Crocs seines Labels Drew House schickte. Na ja, sterben würde ich jetzt nicht gerade, aber ich bin da ganz bei Beckham. Mit Besorgnis beobachte ich, wie sich die Gummilatschen einmal mehr als cool etablieren: Justin Biebers Kollaboration mit Crocs geht, zumindest in den USA, weg wie warme Brötli. Questlove erschien vor Kurzem in einem goldfarbenen Paar Crocs zu den Oscars, und Stars wie Ariana Grande sind längst Fans des Gummischuhs.

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Warum der erneute Hype? Ich gebe der Pandemie die Schuld. Crocs gehören für viele offenbar zum Homeoffice-Look: Das Label vermeldet für das erste Quartal dieses Jahres eine Umsatzsteigerung von 64 Prozent. Wie kann es sein, dass die Dinger alle Jahre wieder plötzlich trendy sind? Wir erinnern uns an 2017, als Balenciaga an der Paris Fashion Week die Plattform-Crocs für 850 Dollar präsentierte – die im Nu ausverkauft waren.

Warum der Schuh so beliebt ist, bleibt mir so schleierhaft wie der Reiz von Rolf-Knie-Bildern: Crocs sind nicht «ugly, aber irgendwie so ugly, dass sie wieder cool sind»-ugly, sondern einfach nur unschön. «Aber sie sind so bequem!», dürften hartgesottene Crocs-Fans nun trotzig rufen. Mag sein. Aber besser sehen sie deshalb nicht aus.

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Pro – von Reportagen-Praktikantin Alica Wenger

Zugegeben, der klobige Gummischuh, der irgendwie an ein Alligatoren-Maul – daher wohl auch der Name – erinnert, ist alles andere als elegant. Und ja, auch ich assoziiere die bunten Treter vorwiegend mit Gartenarbeit und Türmchen-Bauen im Sandkasten. Doch beim Gespräch über das Für und das Wider muss ich mir wohl oder übel eingestehen: So abwegig finde ich den Schuh an mir gar nicht. Auch wenn sich über das Erscheinungsbild und den orthopädischen Nutzen des Schuhs streiten lässt, Fakt ist: Crocs sind unschlagbar leicht, rutschfest, verhindern lästige Schweissfüsse und gleichen optisch eindeutig den klassischen (aktuell sehr trendigen) Holz-Clogs,  nur eben in bequem.

Als zu schrill, zu bunt, zu auffällig würde wohl so mancher den Gummischuh beschreiben. Dass sich der Croc deswegen nicht genauso gut zum Sommerkleid, Midi-Skirt oder zu Schlaghosen kombinieren lässt wie sein hölzerner Cousin? Und ob! Natürlich kommt auch hier – wie bei so manchem Schuhwerk – erst mit dem richtigen Modell (Croc Clog) und der richtigen Farbe (Orange, Flieder oder Neongrün. Bitte keine Muster!) die ultimative Coolness.

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Egal ob im Bücher- oder Schuhregal, klar ist, dass viele Klassiker einen holprigen Anfang hatten. So wurde nicht nur J. K. Rowlings Fantasie-Roman vom mutigen Zauberschüler Harry dut­zend­fach abgelehnt, bevor daraus ein millionenschwerer Welthit wurde. Auch der Birkenstock – einstiger Alternativ- und Hippie-Schuh – eignet sich heute nicht mehr ausschliesslich fürs Velofahren und Protestschild-Halten, sondern auch fürs Dinner-Date. Vielleicht ist es also schlichtweg an der Zeit, diese hartnäckige «Crocs-sind-hässlich»-Haltung abzulegen und sich einzulassen auf eine farbenfrohe Welt des schwerelosen Schaumharzschuhs.

Und so beginne ich, in meinen Vorstellungen zu schwelgen: Ich in weiten Jeans-Shorts, weissem Oversize-T-Shirt, einer schicken Sonnenbrille, mit Baguette-Bag unter dem Arm entlang der Aare schlendernd. An den Füssen orange Gummischuhe. Meine Crocs. Und anders als bei Ballerinas, Riemchensandalen und Co. reibt mir hier nichts zwischen den Zehen, meine Füsse geniessen den nötigen Freiraum und beim gelegentlichen Rausschlüpfen gibts keine Spur von übelriechenden Schweissfüssen.

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