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So lebe ich: Designer David Glättli über sein Haus in Männedorf

So lebe ich: Designer David Glättli über sein Haus in Männedorf

Der Designer David Glättli hat 14 Jahre in Japan verbracht – sein Zen findet er im Mix aus Spiel und Funktionalität

annabelle: David Glättli, wie haben Sie dieses Haus gefunden?
David Glättli: Ich kannte die Besitzer:innen. Mit dem Garten und der Natur habe ich hier den maximalen Kontrast zu einer japanischen Grossstadt. Mein Studio befindet sich in Zürich, aber den Grossteil meiner Arbeit mache ich immer noch in Japan. Mit dem Kopf bin ich dort.

Was am Haus haben Sie verändert?
Nicht viel. Weil wir zu wenig Zimmer hatten, haben wir im Wohnzimmer eine Wand eingezogen und im Keller ein Gästezimmer eingerichtet. Dann kamen unsere Möbel rein. Ich bin 2008 mit einem Koffer nach Japan aufgebrochen und mit einem Schiffscontainer voller Dinge und zwei Kindern zurückgekommen.

Was lieben Sie am meisten an Ihrem Zuhause?
Die unmittelbare Nähe zum See. Ich springe im Sommer vor oder nach der Arbeit rein, wir picknicken dort. Ich mag ausserdem den wilden Garten. Letztes Jahr hat sich das Gemüse dermassen ausgebreitet, dass ein riesiger Kürbis oben im Baum hing. Er ist einfach raufgeklettert.

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Ihr Einrichtungsstil in wenigen Worten?
Ich liebe die 1980er und 90er und mag die Kombination aus minimalem, sachlichem Design und farbigem, verspieltem, zeitgenössischem Handwerk. Dabei lege ich mich ungern auf einen Stil fest und mag es, wenn die Dinge ganz organisch zu einem stossen. Nach ein paar Jahren muss etwas raus, dafür etwas Neues rein. Nichts ist fix. Ich schätze gutes Design aus verschiedenen Epochen, das der Zeit standhält – und funktioniert.

Wo finden Sie Inspiration?
Während meiner Arbeit, weil ich mit vielen Designer: innen, Handwerker:innen und Hersteller: innen zu tun habe. Ich entdecke immer wieder etwas, das mir gefällt oder ich auf eine ansprechende Weise seltsam finde.

Welches Haus geht Ihnen nicht mehr aus dem Kopf?
Ich war gerade in der Le-Corbusier-Kapelle Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp. Während sie auf Fotos eher seltsam aussieht, ist sie in Realität wahnsinnig schön und inspirierend.

Welchen Einfluss hat Ihr Zuhause auf Ihre Arbeit?
Einen sehr grossen. Wenn man den Alltag genau beobachtet, versteht man erst, wie die Dinge eigentlich sein sollten. Ich frage mich oft: Wie wäre es, wenn ich dieses Objekt in meiner eigenen Küche hätte? Wie würden die Kinder damit umgehen?

Ihr Lieblingskunstwerk?
Fast alle Bilder sind von meinem Vater gemalt. Sie bedeuten mir viel. Er hat sie fast nie in Ausstellungen gezeigt und wollte seine Sachen nicht verkaufen.

Haben Sie etwas geerbt?
Meine Mutter macht Keramik, davon besitze ich einiges. Und ich habe meinen Eltern eine Lehni-Leuchte geklaut, weil sie so verloren herumstand.

Was wird man bei Ihnen niemals finden?
Frische Blumen, leider. Obwohl sie mir sehr gefallen, macht es mich irgendwie traurig, wenn sie so schnell verwelken.

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Zur Person

Der Designer David Glättli (48) ging 2008 nach Japan, lebte in Osaka, Kyoto und Tokio und machte sich dort selbstständig. 2021 kehrte er mit seiner Familie zurück in die Schweiz. Seit zwei Jahren lebt er mit seiner Frau Rie (45) und den beiden Kindern (9) und (4) in Männedorf. Das Studio David Glättli im Zürcher Kreis 6 hat sich auf Creative Direction, Design Management und Designberatung spezialisiert.

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