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Unsere besten Reisetipps für Lappland – mit Reda Laâfif

Unsere besten Reisetipps für Lappland – mit Reda Laâfif

Wo müsst ihr schlafen, damit ihr kein Nordlicht verpasst – und was ist eher Insta-Mythos als Aurora-Magie? In unserer Rubrik "Travel Notes" geben wir euch Tipps für die nächste Reise. Heute: Eine Woche Lappland mit Reda Laâfif.

  • Bilder: Reda Laâfif

Ich muss ehrlich gestehen, derart arktische Kälte suche ich mir normalerweise nicht freiwillig als Reiseziel aus. Und trotzdem stand ich da: in Finnisch-Lappland, in Äkäslompolo, bei bis zu −37 Grad. Der Grund? Eine Mischung aus Romantik, Selbstüberschätzung – und dem Wunsch, einmal im Leben unter Nordlichtern zu stehen und so zu tun, als wäre ich «eins mit der Natur» (Spoiler: Ich bin eher «eins mit dem Hotelbademantel»).

Mein erster Eindruck:
Hier ist die Welt noch in Ordnung. Schneelandschaften wie aus einem Märchenbuch. Wälder, die aussehen wie mit Puderzucker gepimpt. Und eine Stille, die einem so direkt ins System fährt, dass man plötzlich merkt: Entschleunigung ist hier nicht nur ein Wellnesswort, sondern ein Zustand, der einfach passiert.

Eine unbeliebte Meinung, aber: 
Nordlichter sind nicht das Highlight – sie sind eher der Endgegner. Und genau deshalb so eindrücklich. Denn sie sind nicht da, wenn man sie will, sondern wenn sie es wollen. Man wartet, man friert, wird kurz philosophisch – und dann beginnt plötzlich der Himmel zu tanzen.

Nordlichter: Meine Top-5-Tipps: 
Ich sage es direkt: Es hat wahnsinnig viel mit Glück zu tun. Aber man kann sein Glück sehr gut vorbereiten.

1.

1.

Aurora-App mit Alerts installieren

Wir hatten die Aurora-App, die stets Alerts für den aktuellen Standort sendet. Das funktioniert wirklich gut. Der einzige Struggle: Wenn der Alarm kommt, muss man in 90 Sekunden sechs Schichten anziehen. Aber dazu später mehr.

2.

2.

Wolken sind der wahre Spielverderber

Man kann die krasseste Aktivität haben – wenn der Himmel zu ist, sieht man genau nichts. Checkt also immer die Wolkendichte ab. Wenn es in einem Dorf bewölkt ist, kann es 20 Minuten weiter plötzlich klar sein.

3.

3.

Lichtverschmutzung reduzieren

Je dunkler, desto dramatischer. Fahrt raus, weg von Laternen, weg von Häusern, weg von allem. Nordlichter sind schüchtern. Man muss ihnen das perfekte Date-Setting bieten.

4.

4.

Den Augen Zeit geben

Wenn man direkt aus einem hellen Raum rausgeht, sieht man oft weniger. Gebt euren Augen ein paar Minuten. Und schaut nicht permanent aufs Handy. Das killt die Nachtsicht.

5.

5.

Weniger Settings, mehr im Moment

Macht ein paar Fotos, klar. Aber versucht nicht, das perfekte Bild zu erzwingen. Am Ende zählt der Moment. Und ehrlich: Das beste Foto ist sowieso das, das man in Erinnerung behält.

 

Kurzer Nerdpart, weil man’s danach mit noch mehr Ehrfurcht betrachtet:

Schon lange, bevor irgendjemand «Polarlicht-Alarm» aufs Handy bekam, haben Menschen die tanzenden Schleier am Himmel beobachtet, gedeutet, gefürchtet und gefeiert – nur hiess es noch nicht so. Den Namen «Aurora borealis» prägte erst Galileo Galilei 1619 (Aurora, Göttin der Morgenröte, plus Boreas, Nordwind). Und ihre Entstehung ist eigentlich pure Physik mit Drama-Charakter: Geladene Teilchen aus dem Sonnenwind treffen auf das Magnetfeld der Erde, werden Richtung Pole geleitet und kollidieren dort in der oberen Atmosphäre mit Sauerstoff und Stickstoff. Man steht also eigentlich einfach frierend im Schnee und schaut dabei einem kosmischen Kurzschluss zu. Wunderbar.

Unbedingt einpacken:
Damit man sich nicht wie ein mumifizierter Schneemann fühlt, lohnt sich effizientes Layering:

  • Thermo-Unterwäsche, die unsichtbare Lebensversicherung.
  • Balaclava, weil das Gesicht bei −37 Grad keine Verhandlungen führt.
  • Beheizbare Weste als Cheatcode: wie ein kleines Lagerfeuer zum Anziehen.
  • Körperwärmer, klein und unscheinbar, retten sie die Zehen.
  • Low Boots als Lifehack: nicht nur, weil es sich anfühlt, wie auf warmen Wolken zu laufen – sondern weil man in einer Sekunde drin und wieder draussen ist. Und das ist Gold wert, wenn die Aurora-App wieder Alarm schlägt.

Was am Ende aber wirklich zählt, ist nicht noch eine Schicht mehr, sondern die richtige. Auf der Haut funktionieren Merinowolle oder andere Funktionsstoffe am besten, weil sie Feuchtigkeit wegbringen und warm halten. Darüber ist Fleece als Zwischenlage wunderbar unkompliziert. Es isoliert, trocknet schnell und hält das Ganze leicht.

Den Hype wert: 
Alles mit grossen Glasfronten. Lappland ist Licht. Dieses magische, diffuse, pastellige Leuchten, das sich über Stunden hält, selbst mitten im Winter. Wenn man das durch ein Mini-Fenster anschaut, ist es wie ein Konzert über Insta-Live zu schauen: technisch möglich, emotional aber ein Fehler.

Ich haben mich deshalb durch zwei Unterkünfte getestet – und von der dritten einfach nur geträumt.

Cabin mit Finnland-Flair und eigener Sauna
Die Kabinen im Borealis Village (ab ca. 270 Franken pro Nacht) stehen exemplarisch für das, was in der Region richtig Sinn macht. Holz, Wärme, eigene Küche – plus private Sauna, in der auch die Dusche integriert ist. Erst etwas ungewohnt, entpuppte sich das später als überraschend praktisch.

Lodge-Upgrade für ein bisschen Luxus
Für noch mehr Himmelsicht habe ich als zweite Unterkunft die Arctic Skylight Lodge (ab ca. 440 Franken pro Nacht) gewählt. Das Glasdach ist hier das eigentliche Argument: Man liegt im warmen Bett, schaut direkt nach oben – und spart sich den Halsmuskelkater vom Aurora-Beobachten. Perfekt.

Die schönste Versuchung
Hier war ich leider nur am Nachmittag auf einen Tee – und sofort begeistert. Die Villen des Jänkä Resorts (ab ca. 820 Franken pro Nacht) sind Teil einer Farm im Design-Mode: Pferde, Rentiere, Huskys. Die Architektur wirkt nordisch-reduziert, mit viel Holz und grossen Glasflächen. So sehr «quiet luxury», dass man automatisch leiser spricht.

Food, den ihr nicht auslassen dürft:
Wenn Fine Dining ein Setting braucht, dann dieses: Glasdecke, Wald, direkt unterm Himmelszelt. Im Restaurant Utsu fühlt es sich nicht wie ein Casual Dinner an, sondern eher wie ein maximaler Gourmetfiebertraum. Erst recht, wenn draussen auch noch Nordlichter auftauchen. Das Menü ist eine Fusion aus Finnland und Asien, ganz nach dem Prinzip «local ingredients first», und trotzdem verspielt. Ich hatte ein Degustationsmenü mit Weinbegleitung – und war ehrlich beeindruckt.

Der Vibe des Nordens:
Cozy Survival. Alles ist auf Gemütlichkeit getrimmt – nur halt im Modus: draussen kann’s einen theoretisch einfrieren, also machen wir drinnen alles maximal schön. Und dazu kommen die Menschen: unglaublich freundlich, hilfsbereit, unaufgeregt – als wäre Nettsein hier einfach Teil der Grundausstattung.

Passender Soundtrack:
Etwas, das nicht konkurriert: Neo-Klassik oder ganz banal: gar nichts. Lappland hat eh die bessere Dramaturgie.

Was man in Lappland tun sollte (wenn einem −37 Grad nicht alles absagt):
Bei mir wurden (ohne Witz) fast alle Aktivitäten gestrichen. Wer hätte es gedacht? Auch Lappländer:innen haben eine Frostgrenze. Rückblickend war das aber ein Glück, weil plötzlich das übrig blieb, was Lappland am besten kann: Tempo rausnehmen.

Spazieren
Klingt banal, ist es hier aber nicht. Spaziergänge durch Waldabschnitte und entlang von Huskyschlittenrouten sind in Lappland absolut magisch. So viel Weite, so wenig Lärm. Selten so wenig gemacht und doch so viel wahrgenommen.

Ausflüge, die sich lohnen
Auf meiner Liste standen zwei Klassiker, Snowmobile-Safari und Huskyschlitten-Fahrt. Da bei mir jedoch beide Ausflüge kältebedingt abgesagt wurden, zeige ich sie hier durch die Linse meiner Freundin Nadine, die kurz vorher dort war (ihr Travel-Account @jetlaggednae ist übrigens ein Herzenstipp für alle mit notorischem Fernweh). Planen würde ich beides trotzdem wieder – mit Anbieter:innen wie Lapland Safaris, die respektvoll mit Tieren und Natur umgehen.

Skifahren 
Als Alternativprogramm war ich dann skifahren – in Levi und Ylläs. Weite Pisten, wenig Gedränge und Farben wie auf Pinterest. Und oben am Berg fühlt sich die Kälte oft weniger bissig an als im Tal. Drei Stunden reichen aber völlig aus, glaubt mir.

Kann man sich sparen:
Online stolpert man ständig über Angebote wie «Northern Lights Coach Tour with Guaranteed Sightings». Ich kann euch beruhigen: Dafür müsst ihr euch nicht mit einer grossen Gruppe in einen Bus setzen und euch von Stopp zu Stopp schaukeln lassen. Der ganze Zauber hängt nämlich nicht an einem Fahrplan, sondern an Himmel, Wolken und ein bisschen Glück.

Mein liebster Ort:
Die Sauna. Danach ein Cold Plunge: kurz rein, kurz sterben, kurz wiedergeboren werden – und dann wieder raus. Der Schnee knirscht, der Himmel ist gross, man atmet und merkt: Man kann wirklich sehr glücklich sein, ohne viel zu tun.

Bestes Souvenir:
Alles mit Cloudberry. Cloudberrys (auf Finnisch «hilla» oder «lakka») sind wie das goldene Lappland-Emoji in echt: leicht mystisch, sehr besonders und unglaublich lecker. Gibt’s bei Mailan Putiikki als Konfitüre, Likör und Schokolade.

Das bereue ich:
Anfangs geglaubt zu haben, dass ich «alles» machen müsse. Lappland ist am schönsten, wenn man Lücken lässt. 

Und wenn man mich fragt, ob ich wieder hinfahren würde: Ja. Aber nächstes Mal vielleicht bei «nur» −15 Grad. Ich bin ja schliesslich auch nur ein Mensch.

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