Pre-Fall-Kampagne

Gucci zeigt ausschliesslich dunkelhäutige Models

Text: Daniel Haller; Fotos: Gucci

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Das Model Nicole Atieno im typischen Gucci-Look

Die aktuelle Pre-Fall-Kollektion ist ab Mai erhältlich 

Gucci / Pre-Fall

Gucci / Pre-Fall

Gucci / Pre-Fall

In der aktuellen Pre-Fall-Kampagne verbindet Gucci westafrikanische Kunst mit italienischer Mode. Doch nicht die Kollektion, sondern die Hautfarbe der Models wird in den Medien thematisiert.

Auf eindrücklichen Bildern präsentiert Gucci die für das Modehaus typischen Kreationen – ein wilder Mix in Material und Farbe, etwas für Modemutige. In Szene gesetzt in einem von westafrikanischer Kunst inspirierten Setting. Doch nicht nur die Anlehnung an die Arbeit von Malick Sidibé ist ein Novum, sondern auch die Auswahl der Models. Für die Präsentation der Kollektion wurden ausschliesslich dunkelhäutige Models engagiert, was nach Lancierung der Kampagnenbilder weitaus stärker thematisiert wurde als die Kollektion oder ihre Inszenierung.

Das Model Nicole Atieno, das in der annabelle-Ausgabe 9 vom 7. Juni zu sehen sein wird, war Teil der Kampagne. Auf die Frage, was die Besetzung für sie bedeutet hat, antwortet das 20-jährige Model mit kenianischen Wurzeln: «Ich habe bis jetzt nur einmal erlebt, dass ein solch wichtiger und grosser Kunde wie Gucci ausschliesslich dunkelhäutige Models buchte. Es erinnerte mich sehr an die Black Issue der italienischen Vogue im Jahr 2008, als Franca Sozzani eine Ausgabe dunkelhäutigen Menschen widmete. Das war legendär! Es bedeutet mir sehr viel, dass Alessandro Michele sich für dunkelhäutige Models einsetzt. Naomi Campbell, Iman, Edward Enninful und viele andere kämpfen seit Langem dafür, dass die Modebranche mehr dunkelhäutige Models zeigt. Seit das Thema mehr Medienpräsenz erhält, ändert sich etwas in der Branche.»

Auch wenn sich die Situation für dunkelhäutige Models verbessert hat, ist Diskriminierung noch immer präsent. Auch am Set der Gucci-Kampagne war dies Thema: «Vor Ort wurde viel über Diversität gesprochen und darüber, dass es für dunkelhäutige Models nach wie vor schwieriger ist, engagiert zu werden. Jede Person hat eine eigene Meinung und Vorstellung von Schönheit. Deswegen wird die Frage der Hautfarbe immer eine Rolle spielen. Designer wollen jeweils eine bestimmte Gruppe von Menschen ansprechen, und das widerspiegelt sich bei der Wahl der Models – und auch bei der Hautfarbe», so Nicole Atieno. Für sie steht jedoch fest: «Beauty has no colour!»

Als Inspiration für die Kampagne diente unter anderem die 2016 in London gezeigte Ausstellung «Made You Look», welche den dunkelhäutigen Dandy zum Thema hatte – diese Inszenierung griff Alessandro Michele auf und verwandelte sie in eine bunte, fröhliche und laute Kampagne. In Anlehnung an die englische Northern-Soul-Undergroundbewegung der späten sechziger Jahre zeigen 25 Tänzerinnen und Tänzer sowie 4 Models eine lebendige Tanzkultur in Gucci-Garderobe. 

Fotografiert wurde die Kampagne von Glen Luchford in Tanzsälen und -studios, der zusammen mit Alessandro Michele bewusst an die Bilder des Künstlers Malick Sidibé erinnern wollte. Sidibé dokumentierte in seiner Heimat Bamako, Mali, das Nachtleben der sechziger Jahre.

Daniel Haller

Online-Praktikant Daniel Haller beschäftigt sich gern mit Beauty und Mode, interessiert sich aber auch für aktuelle Geschehnisse und das Thema Gleichstellung.

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