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Die Zukunft der Kindermode ist genderneutral

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John Lewis wird genderneutral

Ab sofort wird die Kindermode von John Lewis nicht mehr in «Mädchen» und «Jungen» unterteilt. Doch was John Lewis kann, können internationale Labels wie Whistle and Flute, Tootsa MacGinty, Nofred, Little Sapling Toys und Lot801 schon lange.

Hungrig nach Mode

Hinter Whistle and Flute steht eine fünfköpfige Familie aus Kanada, deren genderneutrale Kindermode absolut Spass macht. Mama Miranda ist Modedesignerin, Papa Ryan Grafikdesigner, und zusammen kreieren sie witzige Shirts und Pullis, mit Pizza-, Bretzel-, Tacos- oder Sushi-Prints. https://www.whistleandflute.com/

Farbenspiel

Kate Pietrasik hatte es satt, sich in den Warenhäusern ständig durch violette Miniröckchen und Prinzessinnenkostüme zu kämpfen. Deshalb gründete die Designerin aus Grossbritannien 2011 das genderneutrale Label Tootsa MacGinty, das bunt und verspielt ist wie kein anderes. https://www.tootsa.com/

 

Neuanstrich

Skandinavisches Handwerk fürs Kinderzimmer: Die Bettbezüge, Spielhäuser und Schlafzimmermöbel des dänischen Labels Nofred sind absolut herzerwärmend. Die genderneutralen Tapeten haben es uns besonders angetan. Sie sind in den Versionen «Safari», «Kakadu» und «Marienkäfer» erhältlich und passen in jedes, wirklich jedes Kinderzimmer. https://nofred.com/collections/all

Natur pur

Dass auch Mädchen mit Autos spielen können, war für Nick und Kimber – ein Paar aus den Vereinigten Staaten und Eltern dreier Kinder – selbstverständlich, als die beiden Little Sapling Toys gründeten. Das Label produziert Holzspielzeug, das nicht nur mit stereotypen Rollenbildern bricht, sondern auch die Kreativität der Kleinen fördert und unserer Umwelt Gutes tut. So wird das gesamte Sortiment von Hand verarbeitet und anschliessend mit Bienenwachs und Jojobaöl überzogen. Und für jedes verkaufte Stück wird irgendwo auf der Welt ein Baum gepflanzt. https://www.littlesaplingtoys.com

Aus der Wildnis

Im Jahr 2014, auf einem Küchentisch in Salt Lake City, sei das Label Lot801 gegründet worden, wie Inhaberin Lindsay Isakson White erzählt. Erst als Mutter sei ihr bewusst geworden, wie schwierig es ist, genderneutrale Kleidung – «ohne Fussbälle, ohne Schmetterlinge» – zu finden. Das Sortiment von Lot801 umfasst Strampler, Beanies und Hosen, deren Prints, etwa Palmenblätter, Ananas oder Kakteen, an Tropenexkursionen erinnern. http://www.lot801.com/

Das britische Warenhaus John Lewis verabschiedet sich bei der Kindermode von den Kategorien «Mädchen» und «Junge» und verbannt damit stereotypes Denken aus seinem Sortiment. John Lewis ist nicht der einzige Brand, der sich gegen binäre Geschlechterrollen sträubt.

Das Geschlecht lässt sich nicht für alle Menschen in einem schwarz-weissen Schema denken, es geht über die Kategorien «weiblich» und «männlich» hinaus, ist, etwa mit Geschlechtertypen wie Transgender, Crossgender, Genderfluid oder Genderless, weitaus differenzierter als nur binär codiert. Namhafte Modelabels haben dies bereits erkannt: Mit Boyfriendjeans, kastig geschnittenen Sweatshirts, Hoodies und Oversize-Trenchcoats werden in der Modebranche Gendercodes ausgehebelt. Haute-Couture-Designer Rad Hourani plädiert mit seinen Entwürfen für neutrale Schnitte, Toni Garrn und ihr Bruder Niklas lancierten für Closed eine genderneutrale Kollektion, Zara tat es ihnen mit einer «Ungendered»-Kollektion gleich, und Chanel hat mit einem «gender-fluid»-Duft den Postgender-Diskurs in die Parfumabteilung gebracht. Doch eigentlich beginnt das Denken in binären Geschlechterrollen schon Jahre bevor man in der Damenabteilung eine rosa Bluse anprobiert. Bereits Kleinkinder werden in das vorgefertigte Konstrukt von Männlichkeit und Weiblichkeit hineinsozialisiert, Mädchen etwa tragen Kleidchen und pinke Schleifen im Haar, Jungen hingegen lehnen Glitzer und Pailletten ab, spielen lieber im hellblau gestrichenen Kinderzimmer mit Traktoren und Plastikdinosauriern.

Weil John Lewis nicht mehr länger Stereotype befeuern will, wird beim Kleidersortiment für Neugeborene, Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre künftig nicht mehr zwischen «Girl» und «Boy» unterschieden. So werden die Kinderkleider nicht mehr nach Geschlecht getrennt, sämtliche Stücke tragen Labels wie «Girls and Boys» oder «Boys and Girls» – selbst bei Blumenkleidchen und Pullis mit Saurier- und Raketenmotiven. In der Reihe namhafter Modelabels hat John Lewis damit Pionierarbeit geleistet. Es gibt allerdings noch weitere Indie-Labels, die sich der gleichen Mission verschrieben haben.

Larissa Haas

Geschichten gibt es viele. Sehr viele. Egal ob real oder fiktiv, im Alltag oder auf der Leinwand – die Reportage Praktikantin wird immer neugierig. Besonders dann, wenn sich die Geschichten um Nachhaltigkeit, gutes Essen und den afrikanischen Kontinent drehen.

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