Reise-Reportage

Postkarte aus dem Berner Bärenpark: Spektakelfreie Zone

Redaktion: Frank Heer; Text: Daniele Muscionico; Fotos: Fabian Unternährer

Postkarte aus dem Berner Bärenpark: Spektakelfreie Zone
  • Berner Bärenpark

Die Tiere im Berner Bärenpark tun, was Bären eben tun müssen.

Öfter sieht man nichts. Oder ein paar Knochen, die im Wasser treiben. Und Jogger am Uferweg der Aare. Doch meistens sieht man noch weniger. Bloss Natur zeigt sich oder das, was wir dafür halten. Eine leicht liederliche Grünanlage. Wenn dem so ist, bei Regen zum Beispiel, dann ist es hier am schönsten: eine steile Böschung, einheimisches Buschwerk, nachlässig zivilisiert, hier ein paar Bäume und dort, weit unterhalb ein faulenzender Fluss. Eine Sensation ist das nicht – und das ist das Sensationelle.

Der Bärenpark in Bern will weniger sein, als er ist. Und das muss sich eine Hauptstadt erst einmal leisten wollen. Und können. Man kann am Bärenpark, so heisst der Bärengraben heute, leicht auch vorbeifahren. Es kostet keine Mühe. Wenn man zum Beispiel im Bus sitzt, der einen auch ins Klee-Zentrum bringt. Da holpert man über die Nydeggbrücke, wähnt sich mit Blick in den Abgrund in einer Berggondel, beruhigt das schwache Herz mit einem kleinen Seufzer – und schwups hat man den Bärenpark schon hinter sich. Die Bären? Ach ja, die Bären. Wer sie sehen will, postiert sich am besten auf der Höhe der Aare. Aug in Aug mit dem Rindskadaver zwar, der im Schwimmbecken der Tiere dümpelt, doch die Stellung ist lohnend. Die leichte Untersicht erlaubt es, die Tiere in fast jeder Position ihres Geheges auszumachen.

Wo ist der Bär?

Doch es soll Besucher geben, die derart mit ihrer Handycam verwachsen sind, dass sie mit «Ah» und «Oh» die Altstadt fotografieren, später genauso den Weg zurück in den Reisecar – und, nun ja, erst in China, Japan, Russland erfahren, dass hier Bären ihr Wesen treiben. Denn ein Unwesen treibt so ein Bärenpark-Bär natürlich nicht. Er ist diskret, kein Verkaufsschlager. Höchstens steigt er im Sommer einmal auf Bäume, Extravaganzen erwarte man von ihm nicht. Vier Bären wohnen hier. Man weiss nicht, was sie von uns halten. Doch wir scheinen eine Nebensächlichkeit zu sein, die sie nicht davon abbringt zu tun, was getan sein muss während eines Bärentags. Und das heisst vor allem fressen.

In dieser Hinsicht stehen uns Bären mindestens so nahe wie die Affen. Was ein echter Bär ist, frisst oder sucht nach Fressbarem. Dem Menschen steht dafür das «Alte Tramdepot» zur Verfügung, wo Tram-Bier mitten im Restaurant gebraut wird. Die Tiere haben keinen Zutritt, sie müssen sich ihr Futter im Gehege verstreut selber suchen. Wer über die Essgewohnheiten oder die Biologie von Vater Finn, Mutter Björk und ihren Zwillingstöchtern Ursina und Berna mehr wissen will, der fragt einen Bären-Ranger, der sich auf dem Areal zur Verfügung hält. Er ist der Mann, der jedes Missverständnis ausräumt. Auch jenes, dass die mit Namen versehenen Pflastersteine, die den Eingangsbereich säumen, Gedenksteine für Bärenopfer seien. Die richtige Antwort ist unspektakulär. Wie alles hier, zum Glück.

La Vie Est Berne

Die Brasserie Bärengraben im ehemaligen Zollhaus nordöstlich der Nydeggbrücke ist ein geschichtsträchtiges Haus und ein Lokal für Liebhaber der französischen Küche. Offen 365 Tage im Jahr. www.brasseriebaerengraben.ch

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