Ein verträumter Ausflug

Nostalgische Stadt: Biel im Sommer

Redaktion: Frank Heer; Text: Claudia Senn; Fotos: Yves Bachmann

  • Nostalgisch

    Verträumtes Pflaster: Die Bieler Altstadt mit der reformierten Stadtkirche

Biel hat Stil und entführt Sie in eine vergangene Zeit.

Die Uhrenindustrie in Biel ist nicht mehr, was sie mal war, doch viele schöne Jugendstilbauten zeugen noch immer von der glorreichen Epoche. Lassen Sie uns deshalb für einen Tag in diese Welt eintauchen, in der das Leben noch leichtfüssig und sorglos war – vorausgesetzt, man hatte nicht das Pech, in der Unterschicht geboren zu sein.

Sie beginnen den Tag mit Lustwandeln im idyllischen Elfenaupark. Alte Bäume spenden Schatten, fette Karpfen schnappen in grün-samtenen Teichen nach Libellen, Pfauenschreie gellen aus dem Garten der verzauberten Fabrikantenvilla, zu der der Park gehört. Dieses Haus könnte Ihres sein. Stellen Sie sich vor, Sie gäben hier exquisite Teegesellschaften für die Bieler Bohémiens, während Ihr Gatte in der Uhrenfabrik nebenan Geld scheffelt. Einige libertinäre junge Männer wären bitteschön auch mit von der Partie und natürlich die Künstler der Stunde. In der kleinen Uhrenmanufaktur ist heute das Café Restaurant de l’Écluse – drinnen Fabrikloft-Charme, draussen romantischer Platanengarten, ideal für den Vormittags-Cappuccino oder ein kulinarisches Rendezvous. Es wirkt so aus der Zeit gefallen, als wäre die Stadt mit ihrem Verkehrslärm meilenweit weg.

Einquartiert haben Sie sich in einem der acht Zimmer der Villa Lindenegg, eines Stadtpalais aus dem 19. Jahrhundert am Rand der Altstadt, wo Sie nun auch zu Mittag speisen – natürlich auf der lauschigen Terrasse. Die Küche ist frisch und bio, der liebevoll gehegte Garten ein Bijou. Insekten surren, die Sonne brennt. Nach einer Siesta im Liegestuhl packen Sie ein Körbchen mit gekühltem Champagner und ein paar leichten Köstlichkeiten – wäre ja noch schöner, wenn Sie nachmittags verhungern! – und fahren mit dem Schiff auf die St. Petersinsel, um dort den Rest des Tages in einer einsamen Badebucht zu verdösen. Eine echte Fabrikantengattin hätte natürlich einen jungen Mann zur Hand, der sie mit dem eigenen Boot übers Wasser rudert. Aber zur Not tuts auch das Kursschiff. 

Villa Lindenegg

Die acht Zimmer sind unterschiedlich gross und stilvoll eingerichtet. Das Restaurant mit Garten hat 14 «Gault Millau»-Punkte.
— Lindenegg 5, Tel. 032 322 94 66, www.lindenegg.ch, DZ mit Frühstück ab 150 Franken

Café Restaurant de l’Écluse

Liegt in einer stillgelegten Uhrenfabrik, umgeben von lauschigen Platanen.
— Schüsspromenade 14D

Baden

Das Strampi (so nennen die Bieler liebevoll ihre Bauhaus-Badi mit Sandstrand) ist ein klassisches Familienbad. Wer es romantischer und ruhiger mag, fährt mit dem Kursschiff zur St. Petersinsel und sucht sich dort seine eigene kleine Badebucht.

Velofahren

Wie in Paris gibt es auch in Biel ein Velosharingsystem, mit 40 Leihstationen und 250 Velos, betrieben von Langzeitarbeitslosen. 24-Stunden-Karte: 10 Franken.
www.velospot.ch

Stadtgeschichten

Yves Bachmann arbeitet als freier Fotograf und reist als Dokumentarfotograf für die Bundesverwaltung durch die Schweiz. Er lässt Inszeniertes spontan wirken und fühlt sich am wohlsten unter Menschen. Für annabelle war er eine Woche unterwegs, um mehrere Schweizer Städte zu porträtieren. Er liess sich von Künstler David Hockney inspirieren, wobei ihm seine frühere Tätigkeit als Graphic Designer zugute kam – entstanden sind neuartige Stadtcollagen.
www.yvesbachmann.ch

Claudia Senn

Die Autorin ist Kultur-Redaktorin und Reporterin bei annabelle. claudia.senn@annabelle.ch

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