Postkarte

Postkarte aus Düsseldorf: Bautenbummel und Brückenzauber

Text: Anette Frisch; Fotos: Dominik Asbach

 

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Visionen im und am Fluss: Düsseldorf

Das mit dem Architektur-Oscar prämierte gläserne Stadttor

Die schiefen Türme von Frank O. Gehry

Das neue Prestigeobjekt Düsseldorfs: Der Kö-Bogen des Architekten Daniel Libeskind

Das «Pebbles»: Die Champagnerbar des Hyatt Regency, welche man auch für ein Ufo halten könnte

Natur-Kunst-Areal des japanischen Architekten Tadao Ando in Neuss, 20 km ausserhalb von Düsseldorf

Zu Düsseldorf fällt uns Schweizern wenig ein. Erstaunlich! Denn die Stadt am Rhein hat viel zu bieten – vor allem unglaublich grosse Architektur.

Er hat schräg verlaufende, metertiefe Furchen in die Glas-Travertin- Fassade kerben lassen. Aus den Einschnitten wachsen jetzt Gräser und Farne. Der New Yorker Architekt Daniel Libeskind hat ausserdem dafür gesorgt, dass der nah gelegene Weiher erweitert wird und sich jetzt sanft an die Promenade des Gebäudes schmiegt. Wer hier einen Moment auf den Stufen verweilt, dem blitzt und blinkt im Sonnenlicht die ungewöhnliche Form des Gebäudes entgegen, das Kurven schlägt und eigene Wege und Brücken besitzt.

Der Kö-Bogen von Libeskind ist das neue Düsseldorfer Prestigeprojekt. Es verbindet den mit Kastanien gesäumten Mode- Boulevard Königsallee mit dem Hofgarten, Deutschlands ältestem Volksgarten. Die Eröffnung des ersten Bauabschnitts ist für Oktober geplant. Der Kö-Bogen darf sich in bester architektonischer Gesellschaft wähnen.

Ob es die schiefen Türme von Frank O. Gehry  sind, das mit dem Architektur-Oscar prämierte gläserne Stadttor oder das hölzerne Atelier des Fotografen Thomas Ruff, entworfen von den Basler Architekten Herzog & de Meuron: Wer in Düsseldorf ungewöhnliche Formen, Materialien und Blickachsen sucht, wird fündig. Zum Beispiel, wenn man auf der Living Bridge im Medienhafen steht.

Ufo oder Champagnerbar

Die Brücke aus nachhaltigem Tropenholz führt auf die Landzunge zum «Hyatt Regency». Dort funkelt das «Pebbles», ein eiförmiges, silbernes Gebäude, das ein Ufo sein könnte, doch in Wahrheit die Champagnerbar des Nobelhotels ist. Fünf Gehminuten entfernt, direkt an der Rheinpromenade, liegt das KIT – ein unterirdischer Raum für zeitgenössische Kunst.

Ebenfalls unterirdisch sind die Räume des Museums (www.langenfoundation.de), das der japanische Architekt Tadao Ando auf einer ehemaligen Raketenstation im 20 Kilometer entfernten Neuss erbauen liess und das meditativer nicht sein könnte: das Entree, ein Betonbogen, den Ando als «Stätte der inneren Sammlung» versteht. Dahinter ein Weg, der durch eine Kirschbaumallee, vorbei an einem Spiegelteich, zu drei Gebäudeteilen führt.

Auf dem riesigen Natur-Kunst-Architektur- Areal gibt es im übrigen noch ein Grundstück, das Daniel Libeskind vorbehalten ist. Der Entwurf schlummert zwar noch in seiner Schublade, doch das ist nur eine Frage der Zeit. Bald wird Düsseldorf um eine Vision reicher.

Brücklein deck dich

Die hölzerne Brücke ist abends mild-romantisch beleuchtet. Im gläsernen Brückenhaus befindet sich das exquisite Restaurant Lido. Wer nicht grad ein ganzes Menü essen möchte, für den gibts in der Lounge Cocktails oder frischen Pfefferminztee.

— Restaurant Lido, Am Handelshafen 15, Tel. 0049 211 15 76 87 30
www.lido1960.de

Szene-Salon

Direkt an der Kunsthalle, deren brutalistischer Bau in krassem Gegensatz zu der weichen Rundung der gegenüberliegenden Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen steht, befindet sich der Salon des Amateurs. Mittags Café, abends Bar und Club, ist der Salon Szene-Treffpunkt junger Kunstakademie-Studenten.

— Salon des Amateurs, Grabbeplatz 4, Mo geschlossen
www.salondesamateurs.de

Einzigartig farbig

Feine Merinowolle kombiniert mit farbenfrohen Seidenstoffen japanischer Kimonos: Die Modedesignerin Tina Miyake bringt zusammen, was zusammengehört, und entwirft zeitlose Unikate. Und alle drei Monate taucht ein Künstler ihre Boutique in eine andere Welt.

— Tina Miyake, Ackerstrasse 39
www.tinamiyake.de

Törtchen-Örtchen

Den ältesten und schönsten Wochenmarkt in Düsseldorf gibt es am Carlsplatz. Klar, dass es hier auch die leckersten Petit fours gibt: die von Törtchen Törtchen.

— Törtchen Törtchen, Carlsplatz, Stand 18a
www.toertchentoertchen.de

Art Schlaf

Das «Hütte91» ist ein kleines Cityhotel im Stadtteil Bilk. Die vier Zimmer wurden von Düsseldorfer Künstlern individuell gestaltet.

— Hütte91, Hüttenstrasse 91, Tel. 0049 211 56 62 19 42,
www.huette91.de, DZ ab ca. 75 Franken

1970

Was die Beatles für Liverpool, sind die Elektropop-Pioniere Kraftwerk für Düsseldorf. Im vergangenen Januar gab die Band mit Gründungsjahr 1970 ihr erstes Heimspiel seit 22 Jahren.

Collection und Action

Julia Stoschek zählt zu Deutschlands bedeutendsten Sammlerinnen von Video- und Medienkunst. Mit «Venus & Apoll» eröffnete sie 2012 einen Projektraum. Hier finden Performances, Konzerte, Lesungen sowie Film- und Videoscreenings statt.

— Julia Stoschek Collection,
Schanzenstrasse 54; Venus & Apoll, Worringer Platz 8
www.julia-stoschek-collection.net

Halleluja

Acrylglas, darüber eine orange-rot leuchtende Lampe: In der Berger Kirche finden nicht nur Gottesdienste statt, sondern auch Konzerte mit elektronischer Musik und Kunstausstellungen.

— Berger Kirche, Berger Strasse 18b (Hinterhof)

Drunter und drüber

Im KIT (Kunst im Tunnel) muss man hinabsteigen, um zeitgenössische Kunst zu sehen – und hinauf, um im Café zu frühstücken und die überirdische Aussicht zu geniessen.

— Kunst im Tunnel (KIT), Mannesmannufer 1b,
www.kunst-im-tunnel.de

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