Städtetrip

Sommer-Ausflug: Luzern ist nicht nur für Touristen

Redaktion: Frank Heer; Text: Helene Aecherli; Fotos: Yves Bachmann

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    Näher an der Reuss geht nicht: «La Barca» mit Sicht auf Kapellbrücke und Jesuitenkirche

Luzern kann auch anders – nämlich ohne Touristenbusse und ganz gemütlich. Ideal für einen Sommerausflug in der Schweiz.

Es gibt in der Stadt Luzern einen Platz, den man unbedingt meiden sollte – es sei denn, man steht auf Reisecars: den Schwanenplatz. Hier nämlich steigen unzählige Touristen ein, aus oder um, strömen von den Bussen in die Schmuck- und Uhrengeschäfte und zurück. Längst gilt der Platz als Symbol für den Erfolg der Stadt im Tourismusbusiness. 1 218 169 Übernachtungen von in- und ausländischen Gästen wurden im letzten Jahr registriert, was ein neuer Rekord ist – und manche Luzerner bereits dazu verleitet, sich über Dichtestress zu beklagen.

Stippvisitlern aber, die sich eher der entspannt-mondänen Seite Luzerns zugeneigt fühlen, sei zur Beruhigung gesagt: Sie existieren, die Plätze off the beaten tracks. Man muss dafür nur eine kleine Extrameile gehen. So lässt es sich nach ebendieser Meile kaum stilvoller – und abgeschirmter – einkehren als auf der Terrasse des Hotel Palace am Nationalquai. Man sitzt in Lounge-Sesseln hinter halbhohen Hecken, die vor Blicken schützen, ohne die Sicht auf Berge, See und Jachten zu verdecken. Die Kellner verlieren selbst wegen herumrennender Kleinkinder nicht ihre Contenance, bringen Sirup mit Röhrchen ebenso galant wie den teuren Champagner. Und wagt man sich danach hinter dem «Palace» über die Strasse, gelangt man direkt zur Zahnradbahn.

Sie rattert in zwei Minuten zum Hotel Montana hinauf, von dessen Terrasse sich die schönsten Bilder vom Luzerner Seebecken schiessen lassen. Wer lieber unten in der Altstadt bleibt, macht, vom See her kommend, am besten in den Beizen und Bars jenseits des Rathauses halt. In diesen Gefilden schlägt der Puls der Stadt ein bisschen gemächlicher. Hier versammeln sich Luzernerinnen und Luzerner nach Ladenschluss besonders gern zum Apéro. Wochenendausflügler tun daher gut daran, die Ladenöffnungszeiten im Auge zu behalten – sei es, um sich einen Apéroplatz zu sichern oder die Einkäufe zu planen: Die Geschäfte in der Leuchtenstadt schliessen samstags bereits um 16 Uhr – ausser natürlich jene am Schwanenplatz.

Hotel Montana

Hoch über Luzern nächtigts sich bei grandioser Aussicht auf den See und den Pilatus, die Zimmer sind im Art-déco-Stil eingerichtet. Tipp: Unbedingt im hoteleigenen Restaurant Scala dinieren und im Kitchen Club, der ersten begehbaren Hotelküche der Welt, die via Rolltreppe mit dem Restaurant verbunden ist, den Apéro oder die Vorspeise einnehmen.
— Adligenswilerstrasse 22, Tel. 041 419 00 00, www.hotel-montana.ch, DZ mit Frühstück ab 195 Franken

Terrasse des Hotel des Balances

Einer der romantischsten Orte Luzerns, unmittelbar über der Reuss. Weckt Assoziationen mit dem Canal Grande in Venedig.
— Weinmarkt

Brasserie Bodu

Hier ist man gleichzeitig mittendrin und ausserhalb: Im Sommer tischt die Brasserie Bodu auf dem Kornmarktplatz auf, direkt neben dem Luzerner Rathaus. Man kann gemütlich französisch angehauchte Speisen schlemmen und Paaren beim Heiraten zusehen.
— Kornmarkt 5

La Barca

Man sitzt ganzjährig draussen an der Reuss, lehnt sich in gediegenen Sesseln zurück, auf den Tischen üppige Kerzenständer, eine Mischung aus Belle Époque und Bohème. Trinken tut man Wein oder Kaffee aus einheimischer Rösterei, dazu isst man mediterrane Häppchen.
— Unter der Egg 8

Rotsee-Badi

Weg vom Trubel, aber dafür fast schon ein bisschen magisch: baden im Rotsee bei Ebikon. Das Wasser schimmert grün und ist samtweich, für die Kleinen gibts ein separates Kinderbecken. Mit Buslinie 1 nur zehn Minuten vom Bahnhof Luzern entfernt.
— Rotsee, Ebikon

Seebad Luzern

Tagsüber geht man hier baden, abends zum Apéro. Das Seebad aus dem 19. Jahrhundert ist zwar renoviert worden, strahlt aber noch immer eine wunderbar mondäne Atmosphäre aus.
— Nationalquai

Kuscheln

Direkt an der Reuss, vor der Galerie im Zöpfli zwischen Rathaussteg und Reussbrücke: Das Plätzchen eignet sich für einen ersten Kuss oder ein spontanes Picknick. Es ist so versteckt, dass man es nur findet, wenn man es finden will.

Auf dem See

Wer in Luzern weilt, sollte mindestens für zwei Stunden aufs Wasser. Betörend ist die Fahrt auf dem Feierabend-Dampfer. Man gleitet von Luzern nach Vitznau und zurück und geniesst das Alpenpanorama. Montag bis Samstag, noch bis 12. September.
www.lakelucerne.ch

Stadtgeschichten

Yves Bachmann arbeitet als freier Fotograf und reist als Dokumentarfotograf für die Bundesverwaltung durch die Schweiz. Er lässt Inszeniertes spontan wirken und fühlt sich am wohlsten unter Menschen. Für annabelle war er eine Woche unterwegs, um mehrere Schweizer Städte zu porträtieren. Er liess sich von Künstler David Hockney inspirieren, wobei ihm seine frühere Tätigkeit als Graphic Designer zugute kam – entstanden sind neuartige Stadtcollagen.
www.yvesbachmann.ch

Helene Aecherli

Die Redaktorin will Menschen sicht- und hörbar machen, deren Stimme kaum wahrgenommen wird. Sie ist getrieben von einer fast pathologischen Neugier. Ihre bevorzugten Themen: Naher Osten, Gender, Medizin und Sexualität.

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