Vollmond im Widder am 26. September 2026: Was darf mit?
Erst wenn wir ein paar Schritte zurücktreten, erkennen wir plötzlich das ganze Bild, schreibt Astro-Fee Alexandra Kruse über den Vollmond im Widder am 26. September 2026. Was sonst noch wichtig wird.
- Von: Alexandra Kruse
- Bild: Unsplash
Die Business Lounge am Flughafen Zürich ist an diesem schon erstaunlich kühlen Morgen so unglaublich voll, dass das Wort Lounge irre unpassend wirkt. Klar, #firstworldproblem, aber es gibt keinen freien Tisch, kaum einen freien Stuhl; überall stehen Koffer, aufgeklappte Laptops mit allen Tabs offen, Kaffeetassen, Kinderwagen, Männer in Anzügen, Frauen mit Telefonen im und am Ohr und Menschen, die offensichtlich seit sehr vielen Stunden durch diverse Zeitzonen unterwegs sind. Inklusive mir.
Ich komme gerade aus Istanbul zurück, bin für einen kurzen Moment und eine weiche, gemütliche Nacht in Zürich und fliege gleich weiter nach Berlin. Zuhause bin ich nur theoretisch, praktisch befinde ich mich irgendwo zwischen Ankunft und Abflug. Im Transit. Genau wie die Sterne zwischen Sommer und Herbst.
Mein Blick fällt auf die neue Louis-Vuitton-Kampagne. Zu sehen sind fünf Frauen, natürlich sehr gut angezogen, mit sehr viel Gepäck. All dieses ganze wunderbare Zeug, von dem wir irgendwann einmal beschlossen haben, dass wir es unbedingt brauchen, wenn wir zwischen den Welten wandeln und die Apokalypse kommt!
Alle fünf wandern in dieselbe Richtung. Sehr konzentriert, fast so, als könnten sie bereits sehen, was als Nächstes kommt. Auf ihren Köpfen: Mützen, das Accessoire der Minute – immerhin regiert der Widder, über dessen Vollmond wir hier reden.
Der Weg ins Dunkel
Ich beschliesse: Sie schauen in den Herbst, weil genau dort sind wir gerade angekommen. Am 23. September hat die Sonne den Äquator überquert, Tag und Nacht begegnen sich gleich lang zum Äquinoktium – für diesen kurzen astronomischen Moment beinahe auf Augenhöhe.
Astrologisch wechselt die Sonne in die Waage. Und auf unserer Seite der Erde beginnt etwas, das wir in unserer elektrifizierten, digitalen, summenden und brummenden Welt so gerne vergessen: der Weg ins Dunkel.
Von nun an werden also die Nächte länger als die Tage. Das Licht zieht sich zurück. Die Natur beginnt auszusortieren. Blätter verlieren ihre Farbe, bevor sie fallen. Pflanzen ziehen ihre Kräfte zurück in Wurzeln und Erde. Nichts blüht aus Höflichkeit weiter, nur weil wir den Sommer gerne noch ein bisschen behalten würden.
Vielleicht ist das die erste Lektion des Herbsts 2026: Weder fragt der Wandel nach unserer Zustimmung, noch wartet er, bis wir ready sind. Der Wandel wandelt!
Wunder und Wandel
Das beschäftigt mich vielleicht auch, weil ich gerade aus einer Stadt komme, in der Wunder und Wandel zum Stadtbild gehörten. Das Märchen Istanbul. Noch ein paar Stunden zuvor stand ich am glitzernden Bosporus. Dieser unglaubliche Streifen Wasser, an dessen einem Ufer Europa liegt und am anderen Asien.
Fähren zogen weisse Linien durchs Blau, Möwen kreisten, irgendwo rief der Muezzin, irgendwo hupte es grundsätzlich immer. Istanbul scheint gleichzeitig Vergangenheit und Zukunft zu sein und weigert sich, sich für eins davon zu entscheiden.
Vielleicht ist das einer der Gründe, warum diese Stadt so viel mit mir macht. Sie erinnert daran, dass ein Standort nie die ganze Wahrheit sein kann und wir uns in alle Richtungen bewegen müssen. Wir müssen uns geistig, körperlich und auch seelisch bewegen, um die Welt zu entdecken, das funktioniert weder mit Google Maps noch mit einem Screen.
Und manchmal müssen wir ziemlich weit von zu Hause weg sein, um das eigene Zuhause überhaupt wieder sehen zu können. Wobei ich nach meiner Stippvisite in Berlin so wahnsinnig gern weiter nach Venedig möchte!
Jedenfalls war ich zur Contemporary Istanbul da, der grössten türkischen Messe für zeitgenössische Kunst. Ihr heutiger Schauplatz könnte kaum passender sein: Tersane Istanbul am Goldenen Horn ist ein historisches Werftgelände, auf dem jahrhundertelang Schiffe gebaut und repariert wurden, um dann in die Welt aufzubrechen.
Kunst als Form des Reisens
Heute trifft hier Kunst aus unterschiedlichen Ländern, Kulturen und Perspektiven zusammen. Auch das ist eigentlich ein ziemlich perfektes Bild für Veränderung: Ein Ort, der einst gebaut wurde, damit Menschen aufbrechen konnten, wird zu dem Ort, an den heute Ideen reisen.
Jedenfalls passender kann man die Zeit der Waage-Sonne, in der es um nicht mehr und nicht weniger als das Gleichgewicht durch Schönheit geht, wohl kaum beginnen.
Vielleicht ist Kunst sowieso eine der ältesten Formen des Reisens. Wir stehen vor einem Werk, betreten die Seele eines anderen Menschen, schauen durch seine Augen, reisen durch seine Erinnerungen, sehen eine Landschaft, ein Land, einen Körper, eine politische Wirklichkeit oder eine Kindheit, die nicht unsere war und kommen immer wieder ein kleines bisschen anders zurück.
Kunst hilft uns, nachzudenken über Entfernung, Zugehörigkeit, Sehnsucht. Über dieses merkwürdige Dazwischen, wenn man nicht mehr ganz dort ist, wo man herkommt, aber auch noch nicht vollständig dort angekommen ist, wo man hingehört.
Erweiterung der Perspektive
Solange wir mitten in einer Geschichte stehen, sehen wir ihre Form nicht. Eine Beziehung, eine Familie, ein Job, eine Freundschaft, eine Stadt. Erst wenn wir ein paar Schritte zurücktreten, erkennen wir plötzlich das ganze Bild.
Die Waage wird gern als das Zeichen der Harmonie und des Schöngeistes beschrieben. Alles richtig. Nur manchmal klingt die Waage, als würde sie ihr Leben damit verbringen, Sonnenblumen in Vasen zu arrangieren, Streit zu vermeiden und Gwyneth Paltrow zu sein!
Das ist etwas unfair, die Waage ist kardinale Luft. Und Luft muss sich bewegen. Sie bringt Stimmen, Gerüche, Gedanken und Informationen von einem Ort zum anderen, tritt in Kontakt, braucht den Austausch und die Fluktuation.
Waage bedeutet Beziehung
Sie beobachtet Austausch nicht nur, sie initiiert ihn. Waage bedeutet Beziehung. Und Beziehung entsteht nur da wo (mindestens) zwei Perspektiven existieren. Ich und Du. Mein Ufer und dein Ufer. Meine Wahrheit und deine.
Gegenüber der Waage liegt im Tierkreis ausgerechnet der Widder. Das erste Zeichen. Das ursprüngliche Ich. Instinkt, Wille, Anfang, Bewegung, Mut. Jetzt beim Vollmond stehen sich genau diese beiden Prinzipien gegenüber: die Sonne in der Waage und der Mond im Widder.
Es geht darum, wer wir selbst geworden sind, während wir miteinander waren. Um die Fragen: Wo endet das Wir und wo beginnt das Ich? Wo habe ich mich angepasst, weil Harmonie einfacher war als Wahrheit? Wo trage ich vielleicht weiter, was eigentlich jemand anderem gehört?
Und wer darf überhaupt mit in den nächsten Abschnitt meines Lebens? Vielleicht deshalb kriege ich dieses Bild mit den Koffern nicht mehr aus dem Kopf. Denn wir stehen nicht nur am Anfang des Herbstes, wir befinden uns inmitten dieses bemerkenswerten Jahres des Feuerpferdes, in der Halbzeit des Tierkreises.
Zeit für einen Blick zurück
Seit Februar galoppiert es wie wild und das eh schon Dramatische wurde noch dramatischer. Feuer und Pferd sind zwei Bilder, die beide nicht gerade für Stillstand stehen. Aufbruch, Geschwindigkeit, Freiheit, Eigenwillen, Bewegung.
Und jetzt, ein halbes Jahr später, lohnt sich der Blick zurück mit der Frage, was seitdem geschah, ein bisschen eine Inventur. Halbzeit! Was war gut, was nicht? Wer kam, wer ging? Was fühlte sich im März noch wie eine Katastrophe an und sieht aus der Entfernung plötzlich wie eine Kurskorrektur aus?
Das Äquinoktium markiert dafür einen wunderbaren Moment. So oder so gehen wir ins Dunkle, nur ist Dunkelheit nicht automatisch gefährlich. Wir brauchen Dunkelheit zum Schlafen, zum Träumen, zum Regenerieren für die eine weiche Nacht im eigenen Bett.
Samen keimen in der Erde, Kinder wachsen im Mutterleib, Ideen entstehen oft lange, bevor irgendjemand sie sehen kann. Die dunkle Jahreshälfte erinnert uns daran, dass nicht alles permanent sichtbar, produktiv und instagramtauglich sein muss.
Was wir jetzt bewusst wählen, ist das, was wir wirklich wollen. Unsere Aufgabe für diesen Herbst ist, nicht noch grössere Koffer zu kaufen, uns zu beschweren und noch mehr zu schleppen. Den Sommer 2026 bekommen wir sowieso nie wieder zurück. Und vieles andere vermutlich auch nicht. Der Wandel lässt sich nicht mehr vermeiden. Es ist unsere Aufgabe, herauszufinden, wie wir damit umgehen. Happy Full Moon!
Magic Tipps für den Weg ins Dunkel
1.
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Was schleppen wir seit dem Frühling mit uns herum?
Eine alte Geschichte, eine Verpflichtung, eine Kränkung, eine Vorstellung davon, wie unser Leben eigentlich aussehen sollte? Stellen wir uns vor, wir dürften für die kommenden sechs Monate nur Handgepäck mitnehmen: Was ist wirklich wichtig genug? Und vor allem, welche Tasche?!
2.
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Widder ist das Ich. Waage ist das Wir.
Der Vollmond fragt: Mit wem wollen wir weitergehen? Wer macht unsere Welt grösser? Wer darf neben uns sitzen? Und bei wem ist es vielleicht Zeit für einen sehr freundlichen, aber bestimmten Abschied am Gate?
3.
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Die Waage wird von der liebreizenden Venus regiert.
Schönheit ist jetzt die beste Medizin! Frische Blumen, Kunst, Kerzen, gutes Essen, Musik, ein wunderschöner Mantel, ein tolles Kleid, Lippenstift an einem vollkommen normalen Dienstag. Und genug Wasser trinken, an Widder-Mond-Tagen haben wir sonst schnell Kopfweh.
4.
4.
Wechseln wir die Perspektive.
Reisen wir. Gehen wir in eine Ausstellung. Nehmen wir einen anderen Weg nach Hause. Essen wir irgendwo, wo wir noch nie waren. Reden wir mit einem Menschen, dessen Leben so ganz anders aussieht als unser eigenes. Wir müssen nicht immer unsere Meinung ändern, sollten aber gelegentlich den Standort wechseln, von dem aus wir sie betrachten.
5.
5.
Schauen wir auf die letzten sechs Monate.
Was hat dieses (verdammte!) Feuerpferd schon bewegt? Schreiben wir fünf Dinge auf, die heute anders sind als im Frühling. Und würdigen wir sie. Auch die schwierigen. Wir schauen zurück, um zu verstehen, wie weit wir gekommen sind und sicher nicht, um wieder dorthin zurückzugehen. Und dann? Nehmen wir die Fackel und gucken wir nach vorne.