Sun Facts: Das müsst ihr über Sonnenschutzfilter wissen
Sonnenschutz muss sein, klar. Aber was steckt genau drin, worauf gilt es zu achten? Eine Kosmetikchemikerin gibt Auskunft.
- Von: Sandra Brun
- Bild: Death to Stock
annabelle: Judite Weyermann, als Kosmetikchemikerin erforschen und entwickeln Sie seit über dreissig Jahren Pflege- und Sonnenschutzprodukte für internationale Kosmetikhersteller. Wie funktionieren UV-Filter genau?
Judite Weyermann: Es gibt mineralische und chemische Filter. Erstere bestehen aus winzigen Schutzpartikeln aus Zinkoxid oder Titanoxid, die auf der Hautoberfläche einen unsichtbaren Film bilden, der die UV-Strahlen ablenkt, bevor sie in die Haut eindringen können. Chemische Filter sind Moleküle in der Sonnencrème, welche die UV-Strahlen in der Haut abfangen und sie in harmlose Wärme umwandeln.
Wie sieht für Sie der ideale Sonnenschutz aus?
Möglichst leicht und angenehm in der Anwendung, damit er täglich gern benutzt wird. Er sollte zudem sehr gut verträglich sein, auch für empfindliche Hauttypen, und gleichzeitig umweltfreundlich formuliert.
Worauf muss man bei Sonnenschutzfiltern achten, wenn man sensible Haut hat?
Da empfehle ich mineralische UV-Filter sowie allgemein parfumfreie Formulierungen.
Welche Vor- und Nachteile haben mineralische Sonnenschutzfilter?
Mineralische UV-Filter sind sehr gut verträglich und schützen direkt nach dem Auftragen. Einige Formulierungen enthalten sogenannte Nanopartikel, also sehr kleine Partikel, damit die Crème weniger weisselt und sich angenehmer auftragen lässt. Diese gelten als sicher, werden wissenschaftlich aber weiterhin genau untersucht. Als möglicher Nachteil wird diskutiert, dass mineralische Filter beim Abwaschen in die Umwelt gelangen können. Deshalb wird die Umweltverträglichkeit dieser Inhaltsstoffe laufend bewertet und weiterentwickelt.
Wie lange schützt Sonnencrème tatsächlich?
Theoretisch kann man dies anhand der Eigenschutzzeit der Haut in Minuten und des angegebenen Lichtschutzfaktors LSF – oder englisch SPF für Sun Protection Factor – einer Sonnencrème berechnen, indem man beide Zahlen multipliziert. Abrieb durch Stoff, Schweiss oder Wasser reduziert diese Zeit jedoch, weshalb wiederholtes Auftragen wichtig ist.
Wie viele verschiedene Sonnenschutzfilter gibt es?
In Europa sind 34 Filter zugelassen. Viele sind jedoch nicht mehr im Einsatz, weil sie veraltet sind, schlecht performen oder in Bezug auf Umweltfreundlichkeit oder einen möglichen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt nicht mehr empfehlenswert sind. In den USA sind nur 16 Filter zugelassen.
Es stehen also nicht allen Ländern die gleichen Filter zur Verfügung?
Es sind zumindest nicht in allen Ländern die gleichen Sonnenschutzfilter zugelassen. Jede Region hat eigene Behörden und Sicherheitsbe wertungen, die entscheiden, welche verwendet werden dürfen. Deshalb sind in Europa mehr moderne Filter erlaubt als beispielsweise in den USA. Was nicht zwingend bedeutet, dass Produkte schlechter sind, sie nutzen einfach unterschiedliche Inhaltsstoffe. US-amerikanische Sonnenschutzprodukte sind hinsichtlich des UV-Schutzes zwar sicher und wirksam, berücksichtigen jedoch nicht immer neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zur Toxizität einzelner UV-Filter.
Unlängst stellte sich bei Tests heraus, dass einige Produkte mit falschen LSF-Werten versehen waren, sprich diese effektiv viel tiefer waren als angegeben. Wie kann so etwas passieren?
Der angegebene Lichtschutzfaktor wird unter standardisierten Laborbedingungen gemessen. In der Praxis können Faktoren wie unterschiedliche Auftragungsmengen auf der Haut, die Stabilität der Formulierung sowie unterschiedliche Hautreaktionen der Proband:innen jedoch dazu führen, dass gemessene Werte von den angegebenen abweichen. Bei starken Diskrepanzen ist in der Regel eine vertiefte, unabhängige Prüfung notwendig, um die Ursachen einzuordnen.
Wie kann ich als Konsument:in darauf vertrauen, dass mein Sonnenschutz hält, was er verspricht?
Sonnenschutzmittel werden streng geprüft und müssen gesetzliche Sicherheits- und Wirksamkeitsanforderungen erfüllen. Entscheidend ist jedoch die richtige Anwendung: ausreichende Menge – empfohlen werden etwa vier Esslöffel Sonnencrème für den ganzen Körper – und regelmässiges Auftragen – alle zwei Stunden, vor allem nach dem Baden und Schwitzen. Nur so kann der angegebene Schutz zuverlässig erreicht werden. Zusätzlich empfiehlt sich die Kombination mit weiteren Schutzmassnahmen wie Schatten und Kleidung.
Welche Regulierungen gibt es in der Schweiz für Sonnenschutzfilter?
Für die Schweiz gilt die EU-Kosmetikverordnung. Alle Sonnenschutzmarken müssen diese Vorgaben einhalten, um hier zu verkaufen.
Nach welchen Kriterien wird getestet?
Das Zulassungsverfahren ist sehr aufwendig. Es müssen zahlreiche Tests und Daten beispielsweise zur Ökologie, Toxikologie und Wirksamkeit bei den Behörden eingereicht werden, bevor ein neuer Sonnenschutzfilter zugelassen wird.
Wie entscheiden Sie selbst bei der Herstellung einer Sonnencrème, welchen Sonnenschutzfilter Sie für ein Produkt wählen?
Da spielen viele Faktoren eine Rolle: Ich achte auf das Preis-Leistungs-Verhältnis, auf die Sensorik, das Zusammenwirken mit anderen Filtern und die Einhaltung ökologischer Standards und wähle immer möglichst moderne Filter.
Sind Sonnenschutzfilter teuer?
Ja, sie machen in der Regel etwa fünfzig Prozent der Rohstoffkosten einer Formulierung aus – oder sogar mehr, je nach gefordertem LSF.
Braucht es mehrere Filter in einem Produkt?
Damit man auf einen höheren Lichtschutzfaktor kommt, braucht es mehrere Filter. Zudem werden UVA- und UVB-Filter benötigt, oder im besten Fall Breitbandfilter, welche beide Arten von Strahlen abdecken. UVA-Strahlen dringen tief in die Haut ein und beschleunigen die Hautalterung und können ausserdem Sonnenallergien verursachen und Hautkrebs begünstigen. UVB-Strahlen hingegen erreichen hauptsächlich die oberste Hautschicht und können dort Sonnenbrand auslösen.
Mittlerweile gibt es auch Sonnenschutztabletten. Taugen diese als Alternative zu herkömmlicher Sonnencrème? Falls nicht: Gibt es eine Chance, dass sie so weit entwickelt werden, dass sie diesen Schutz dereinst erreichen?
Nein, Sonnenschutztabletten können die Haut allenfalls ergänzend unterstützen, indem sie beispielsweise durch Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E oder Carotinoide oxidativen Stress durch UV-Strahlung leicht reduzieren und so die Haut gegenüber UV-bedingten Zellschäden etwas widerstandsfähiger machen. Sie ersetzen jedoch keine Sonnencrème, da sie keinen direkten Schutz vor UV-Strahlen auf der Hautoberfläche bieten und somit keinen messbaren Lichtschutzfaktor erreichen.