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Expertin über XL-Lippen: Das müsst ihr beachten

Beauty

Expertin über XL-Lippen: Das müsst ihr beachten

Volle, rote Lippen wirken gesund und attraktiv. Wieso man dabei den goldenen Schnitt nicht vergessen sollte, erklärt Expertin Natasha Forster.

Wir schnöden so gern über sie, dass uns inzwischen eine Unzahl von despektierlichen Ausdrücken zur Auswahl steht: Entenschnabel, Schlauchbootlippen, Donut-Mund. Googelt man «filler lips gone wrong», eröffnet sich einem eine neunzig Millionen Hits schwere Galerie spektakulärster Gruselbilder. Nebst der Frage, warum Frauen sich so was antun, ist die Frage, wer ihnen so was antut, genauso legitim. Ich bin wohl so eine potenzielle Täterin.

Während unsere medizinische Verantwortung als Ärztinnen ausser Frage steht, kann man diskutieren: Haben wir auch eine Verpflichtung, auf mögliche Geschmacksverstauchungen hinzuweisen? Im Grunde ein klassisches «Don’t go there»-Thema, das eine Flut von Grundsatzdiskussionen über Geschmack, Ästhetik, Schönheit, Freiheit, Individualität lostritt. Unbestritten ist aber, dass aufgespritzte Lippen, ganz unabhängig davon, ob sie ge- oder missfallen, viele von uns irritieren.

Rote Lippen sind überall beliebt

Was ist denn bei den Schlauchbooten so falsch gelaufen? Anatomisch gesehen sind die Lippen ein ovaler, mit Schleimhaut überzogener Muskel mit dem schönen Namen Orbicularis Oris. Rot sind die Lippen, weil die Haut dort dünner ist als die übrige Haut im Gesicht und so das Netzwerk der feinen Blutgefässe hindurchschimmert. Ja, rot sollen sie sein! Da sind wir uns alle unabhängig von Geschlecht, Kultur und sexueller Orientierung einig. Dünne, farblose Lippen waren bespielsweise ein Frühsymptom der Pest und die instinktive Reaktion: «Du bist krank bleib mir fern!» Beziehungsweise: «Das Erbgut deines schlechten Immunsystems ist unserer potentieller Kinder nicht würdig» verbreitete sich so rasch wie das Bakterium selber.

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Gleichermassen einig sind sich transkulturelle Studien, dass um attraktiv und verführerisch zu sein, Lippen in einem harmonischen Verhältnis zu einander und zum restlichen Gesicht stehen müssen. «1:1.6»: Diese Ratio findet man bei fast allem, was in der Natur schön ist und gut funktioniert. Leonardo da Vinci hatte dies erkannt und unter dem Namen «Goldener Schnitt» propagiert. Und hier beginnt eben das Problem mit den Schlauchbooten: Die Oberlippe ist oft gleich breit gespritzt wie die Unterlippe und alles zusammen im Verhältnis zum unteren Gesichtsdrittel einfach zu breit. Natürlich begebe ich mich hier in die Grauzone des Geschmacks. Nichtsdestotrotz zeigen neuropsychologische Studien deutlich, dass wirklich alle Menschen harmonische Verhältnisse à la da Vinci mögen; Frauen wie Männer, egal ob homo-, hetero- oder x-sexuell.

Nicht alle wurden mit Da Vinci’schen Verhältnissen geboren

Fakt ist aber auch, dass nicht alle mit Da Vinci’schen Verhältnissen geboren wurden. Bei denjenigen, die sich solche dennoch wünschen, oder für Da-Vinci-Skeptiker kann Hyaluronsäure, als Filler injiziiert, verlässlich Abhilfe leisten. Und die gute Nachricht für Filler-Fails oder Täterinnen mit Gewissensbissen: die Wirkung ist temporär, typischerweise 9 bis 12 Monate. Dennoch, seid umsichtig. Komplikationen sind keine Fake News! Lasst euch sorgfältig über die medizinischen Aspekte beraten und denkt vorher vielleicht doch kurz an Da Vinci und den Goldenen Schnitt.

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Natasha Forster (43) ist Fachärztin für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie. Sie führt die Klinik Swissparc in Zürich und ist Belegs- und Konsiliarärztin an diversen öffentlichen Spitälern.

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