Karin (35): "Ich schämte mich. Hüftprothesen sind schliesslich was für alte Leute"
In unserer Rubrik "Bodybuilding" zeigt sich eine Frau nackt und spricht über ihr Verhältnis zu ihrem Körper. Diesmal erzählt Karin (35) von ihrem künstlichen Hüftgelenk.
- Von: Linda Leitner
- Bild: Sara Merz
«Der Hüftschmerz kam aus dem Nichts – erst beim Gehen, dann auch im Liegen. Ich bin gut im Ignorieren, dachte: Ich bin erst 27, das vergeht. Schmerztabletten halfen, aber irgendwann konnte ich kaum mehr eine halbe Stunde gehen. Die Diagnose: Arthrose in der linken Hüfte. Viel zu früh, völlig unerklärlich. Physiotherapie brachte wenig, Sport war fast nicht möglich, von einem künstlichen Gelenk riet man mir ab, weil eine Prothese kein ganzes Leben hält und irgendwann ersetzt werden müsste. Ich resignierte.
Erst als mein Umfeld mahnte, meine Zwanziger nicht zu verschwenden, suchte ich erneut Hilfe. Und dieser Arzt veränderte alles: Ich bekam nicht nur das Go für die künstliche Hüfte, sondern auch die Hoffnung auf mehr Lebensqualität.
"Wie würde sich das Leben mit Prothese anfühlen?"
Aber ich hatte Angst und schämte mich. Eine Prothese ist schliesslich was für alte Leute. Und die OP unwiderrufbar. Wie würde sich das Leben damit anfühlen?
Der Arzt versprach mir den besten Sommer meines Lebens. Nach vier Jahren Schmerzen operierte er mich im Mai. Im Juli bestieg ich einen Berg.
Seither lebe ich schmerzfrei, treibe so viel Sport wie noch nie und habe dieses Jahr sogar ein Yoga-Teacher-Training absolviert. Es macht mich stolz, weil ich mir das lange nicht angemasst hätte: Leute anzuleiten und ein sportliches Vorbild zu sein – dann auch noch mit künstlichem Gelenk. Die Ausbildung war eine schöne Möglichkeit, mich mit meinem Körper auszusöhnen.»