Laura (39): "Ich fuhr jeden Morgen ins Spital, kehrte jeden Abend ohne Baby heim"
In unserer Rubrik "Bodybuilding" zeigt sich eine Frau nackt und spricht über ihr Verhältnis zu ihrem Körper. Diesmal erzählt Laura (39) von ihrer Frühgeburt.
- Von: Sandra Brun
- Bild: Sara Merz
«Bei einem Schwangerschaftsuntersuch in der dreissigsten Woche stellte mein Gynäkologe einen extrem hohen Blutdruck fest. Ich hatte starke Kopfschmerzen und fühlte mich nicht gut, aber nie hätte ich gedacht, notfallmässig ins Spital geschickt zu werden.
Diagnose: Präeklampsie, auch Schwangerschaftsvergiftung genannt. Ich musste so bald wie möglich mein Kind gebären, um selbst überleben zu können. Sonst würden meine Organe versagen.
Mein Zuhause war noch überhaupt nicht ready, ich selbst auch nicht. Und doch lag ich im Spital und Ärzt:innen wogen ab, wie lange ich noch durchhalten würde, bis sie das Baby definitiv holen müssten. Die Lungen meines Sohnes waren noch nicht ausgereift.
"Er war winzig wie eine Puppe und verbrachte Wochen auf der Neonatologie"
Im Operationssaal zwei Tage später liefen mir die Tränen übers Gesicht, ich war komplett überfordert, hatte nie zuvor solche Angst. Nach dem Kaiserschnitt sah ich meinen Sohn nur für einen kurzen Moment, er musste sofort medizinisch betreut werden. Er wog weniger als anderthalb Kilo, war winzig wie eine Puppe und verbrachte Wochen auf der Neonatologie.
Ich kam auf die Intensivstation und durfte ihn erst am nächsten Tag wieder sehen und erst nach drei Tagen endlich auf meine Brust legen, mit ihm bonden.
Mein Körper erholte sich langsam, ich konnte lange nur vornübergebeugt gehen, wollte mich schützen, fühlte mich wahnsinnig verletzlich. Wochenlang fuhr ich jeden Morgen ins Spital, kehrte jeden Abend ohne Baby heim. Mama zu sein fühlte sich surreal an.
Richtig angekommen bei mir, im Mamasein, bin ich nach einem Jahr. Ich habe die Geschichte aufgearbeitet, verarbeitet, aber die Narbe bleibt.»