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Psyche: 3 Frauen über ihre Erfahrungen mit Long Covid

Gesundheit

Psyche: 3 Frauen über ihre Erfahrungen mit Long Covid

  • Text: Marie Hettich
  • Bild: Shutterstuck

Eine neue Studie der Universität Oxford zeigt: Ein Drittel der Menschen, die an Corona erkranken, haben später mit psychischen oder neurologischen Problemen zu kämpfen. Auch drei Frauen aus der annabelle-Community sind betroffen – und berichten Erschreckendes.

Alma (44): «Ich weiss nie, wann mich die Panik überkommt»

Vor etwa einem halben Jahr hatte ich Corona – seitdem habe ich Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren, und ich leide unter starken Stimmungsschwankungen. Meinen Geruchs- und Geschmackssinn habe ich immer noch nicht zurück, was sich ebenfalls sehr stark auf die Psyche auswirkt. Man muss essen, schmeckt aber überhaupt nichts – es ist, als hätte man ständig ein Stück aufgeweichtes Papier im Mund.

Mit den Panikattacken ging es los, nachdem ich zwanzig Tage lang in Quarantäne gewesen war. Die Zeit war sehr belastend für mich: Ich habe niemanden gesehen, war komplett isoliert – mein Mann hat mir jeden Tag das Essen vor die Tür gestellt. Nun muss ich irgendwie einen Umgang mit der Panik finden. Ich weiss nie, wann sie mich das nächste Mal überkommen wird.

Mein damaliger Hausarzt wusste mit meinen Spätfolgen überhaupt nichts anzufangen – ausser einer Packung Antidepressiva hatte er mir nichts anzubieten. Ich habe auch von anderen gehört, dass sie von ihren Ärzten oft im Dunkeln gelassen wurden. Meine neue Hausärztin ist sehr gut – sie sieht mich als Mensch und nimmt mich und meine Beschwerden ernst. Erst jetzt werde ich richtig untersucht, beraten und weiter verwiesen.

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Anonym (35): «Ich bin überhaupt nicht mehr belastbar»

Im April 2020 wurde ich positiv auf Corona getestet. Ich hatte starke Kopf- und Rückenschmerzen, war sehr schwach und mir war ständig schwindelig. Auch mein Geschmacks- und Geruchssinn waren weg. Fieber oder Husten hatte ich hingegen kaum.

Unter Kopf- und Rückenschmerzen leide ich jetzt, ein Jahr später, immer noch. Es gibt bessere und schlechtere Tage – im Schnitt brauche ich jeden dritten Tag ein Schmerzmittel. Am schlimmsten finde ich, dass ich auch jetzt noch konstant müde und antriebslos bin. Abends schaffe ich es nur noch, auf meinem Handy rumzudrücken. Sport ist kaum möglich. Wenn ich joggen gehe, muss ich immer wieder anhalten, weil ich mich so schwach fühle.

Oft habe ich Mühe, einzuschlafen. Nachts werde ich manchmal alle dreissig bis sechzig Minuten wach, obwohl ich komplett erschöpft bin. Jeden Morgen stehe ich gerädert auf. Zudem bin ich empfindlicher geworden – vor allem auf Geräusche reagiere ich allergisch. Ich bin schnell überreizt und überhaupt nicht mehr belastbar. Alles wird mir sofort zu viel.  Wenn wir Freunde treffen, bin ich anschliessend k.o. Mal wieder auf ein Konzert oder in ein Resti zu gehen, finde ich gerade unvorstellbar.

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Franziska (39): «Seit ich Corona hatte, fühle ich mich dümmlich»

Ich arbeite an einer Berufshochschule. Als ich nach meiner Covid-Diagnose im Dezember zum ersten Mal wieder vierzig Prüfungen vor mir liegen hatte, musste ich mir eingestehen: Ich schaffe das nicht. Es war unmöglich für mich, mehrere Seiten am Stück konzentriert durchzulesen – geschweige denn sie zu korrigieren und zu benoten. Während des Fernunterrichts habe ich mich oft, sobald meine Lernenden eine Aufgabe hatten, auf meine Matratze am Boden gelegt und geschlafen. So erschöpft war ich. Meine Hausärztin hat mich daraufhin drei Wochen krankgeschrieben, aber auch nach dieser Zeit war ich nicht auf der Höhe.

Seit ich Corona hatte, fühle ich mich ein bisschen dümmlich. Das klingt so komisch, aber genau so ist es. Ich brauche viel länger, um einen Text zu lesen oder um mich auszudrücken. Psychisch macht das viel mit mir. Es ist hart, wenn man sich plötzlich nicht mehr ganz fühlt wie man selbst. Wenn man bei der Arbeit oder ganz generell im Alltag nicht mehr das leisten kann, was man gewohnt war. Früher hatten wir auch oft Besuch, haben viel gekocht – darauf hätte ich zurzeit gar keine Lust, weil mir die Energie komplett fehlt. So kenne ich mich gar nicht.

Mein Corona-Verlauf war mittelschwer. Ich musste nicht ins Spital, aber ich war sehr lang sehr krank. Ich habe teilweise bis zu zwanzig Stunden geschlafen. Als es mir nach einer Woche immer noch nicht besser ging, hatte ich das Gefühl, ich werde nie mehr wandern oder sonst irgendwie aktiv sein können. Ganz so heftig ist es zwar nicht gekommen, aber ich arbeite noch heute nicht in meinem ursprünglichen Arbeitspensum.

Aktuell bin ich auf der Suche nach einer Psychiaterin, die mir ein neues Arbeitsunfähigkeitszeugnis ausstellt. Aber es ist quasi unmöglich, jemanden zu finden – alle sind ausgelastet. Begleitet werde ich seit einigen Monaten von einer Naturheilärztin. Ausserdem gehe ich zur Akupunktur und mache eine Yogatherapie – und mit meinem Mann habe ich schon seit längerer Zeit eine Paartherapeutin. Das ist definitiv ein zusätzlicher Support.

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Hier gibts mehr Infos zur Studie. Wer psychologische Hilfe sucht, wird auf sanasearch.ch fündig.

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