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Wir brauchen alle ein bisschen «Ted Lasso» in unserem Leben

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Wir brauchen alle ein bisschen «Ted Lasso» in unserem Leben

Zu den diesjährigen grossen Emmy-Gewinnern gehört die Show «Ted Lasso». Völlig zurecht, findet unsere stv. Chefredaktorin Kerstin Hasse – sie selbst gehört zu den Ted-Fans der ersten Stunde.

«Ich glaube an den Kommunismus», sagt Jason Suedeikis in seiner Rolle als Trainer Ted Lasso in einer Szene der gleichnamigen Serie. «An den Romcommunismus». Er glaube also daran, dass am Ende alles gut ausgehe, wie in einer klassischen Rom Com, einer romantischen Komödie.

Ich glaube auch an den Romcommunismus – und ich glaube daran, dass das filmische Genre der Rom Coms einerseits in den letzten Jahren vollkommen vernachlässigt wurde und andererseits gern unterschätzt wird. Vielleicht weil es zu seicht anmutet oder weil es einfach zu uncool ist, zuzugeben, dass man ein Flair für Romantik – oder gar für seichte Unterhaltung – hat. Dabei ist eine romantische Komödie doch so etwas Grossartiges. Es gibt unzählige Filme, die ich mir anschaue, wenn ich eine Aufmunterung brauche oder wenn ich mich einfach gut fühlen möchte. Zum Beispiel Nora Ephrons Klassiker «When Harry met Sally» oder «You’ve got Mail», Filme wie «Notting Hill», «Never been kissed» oder «Say Anything» – der Film, in dem ein junger John Cusack in einer legendären Szene einen Ghettoblaster in die Höhe stemmt, um seine Liebe zu beeindrucken.

Der ehrliche Optimismus von Ted Lasso ist ansteckend

Eine gute romantische Komödie traut den Zuschauer:innen etwas zu, das Storytelling ist nicht zu flach oder klischiert, die Dialoge sind klug und witzig und die Produktion ist spannend besetzt. Es werden Geschichten erzählt, die einen kurz die Welt rundherum vergessen lassen. All das trifft auf die Serie «Ted Lasso» zu. Und genau deshalb ist diese Serie so erfolgreich. Die erste Folge wurde im Spätsommer 2020 ausgestrahlt und es dauerte nicht lange, bis Jason Sudeikis, der Serienschöpfer, der gleichzeitig auch Produzent, Hauptdarsteller und Drehbuchautor ist, die Herzen von Millionen von Menschen eroberte – und zwar mit dem ansteckenden und ehrlichen Optimismus von Ted Lasso.

Genau dieser positive Blick aufs Leben ist seit dem Anfang dieser furchtbaren und furchteinflössenden Pandemie ein seltenes Gut. Seit anderthalb Jahren leben wir im Ausnahmezustand. Wir lesen von Viren und Sterberaten, analysieren R-Werte und denken über die Verbreitung von Aerosolen nach. Wir sorgen uns um das Wohl unserer Liebsten, wir sitzen zu Hause und versuchen, unsere Beziehungen am Leben zu erhalten und gleichzeitig unsere Jobs zu machen und unsere Freundschaften nicht wegen Impfdiskussionen aufs Spiel zu setzen. Es hängen dunkle Wolken über unseren Köpfen, die Angst wiegt schwer und darunter leidet natürlich unser Wille, das Gute im Leben zu sehen.

Keine blosse Show, sondern ein Vibe

Und dann tritt eine Figur in unsere Leben – ausgerechnet ein weisser Mann im mittleren Alter mit Schnauzer – und es geht uns besser. Gegenüber dem «Guardian» erklärte Sudeikis, dass für ihn «Ted Lasso» keine blosse Show sei, sondern ein Vibe. Und mit diesem Vibe hat er – Mitten in einer Pandemie – den Nerv der Zeit getroffen.

Doch um was geht es denn überhaupt in der Serie? Jason Sudeikis spielt Ted Lasso, einen Mann Mitte 40, der nach Europa reist, um als Fussballtrainer beim AFC Richmond anzuheuern, einem angeschlagenen Premier-League-Club. Der Haken an der Sache: Er hat noch nie als Fussballtrainer gearbeitet, sondern trainierte bis anhin nur American Football. Ein Plan, der zum Scheitern verurteilt scheint, doch genau das passt Lassos neuer Chefin Rebecca Welton ganz gut, denn sie möchte den Club absichtlich ruinieren, um sich an ihrem Mann zu rächen.

Wer nun die Augen rollt und denkt, dass die Serie nur von Egos, Männerfussball und anderen hetereonormativen Klischees handelt, liegt falsch. Ja es geht auch um Fussball, aber der Sport bietet Sudeikis und seinen Kollegen Bill Lawrence, Brendan Hunt und Joe Kelly, die mit ihm die Serie entwickelten, nur eine weitere Ebene, um über das Leben, über Freundschaften, Familie und Liebe nachzudenken. Denn das sind die Themen, um die sich die Serie wirklich dreht. Es geht um den Schmerz, loszulassen, um den Mut, Neuanfänge zu wagen, um die Kraft von Empathie und den Willen, das Gute im Gegenüber zu sehen.

Die Show räumte bei den Emmys ab

Ted ist dabei nur eine von vielen Figuren, die berühren, zum Lachen oder zum Weinen bringen. Vom sturen, ständig fluchenden Stürmer Roy Kent über die Clubchefin Rebecca Walton mit ihrem wunderbar bodenständigen Sidekick Keeley Jones bis hin zum liebevollen Clubchef Leslie Higgins – alle Figuren sind nicht nur fantastisch gezeichnet, sondern auch grossartig besetzt. Der Erfolg der Serie, die bereits für eine dritte Staffel von Apple erneuert wurde, wurde am Montag an den Emmys nochmals bestätigt: In sieben Kategorien räumte die Crew von «Ted Lasso» ab.

Sudeikis betonte bei seiner Dankesrede für den Emmy als bester Hauptdarsteller in einer Comedyserie, dass dies nicht nur ein Preis für ihn sei. Denn als Schauspieler sei man immer nur so gut, wie das Team um sich herum. Und diesem Team ist es gelungen, eine kleine Welt zu erschaffen. Eine Welt mit weniger Zynismus und mehr Empathie. Mehr Humor und weniger Ignoranz. Eine Welt, in der Nettigkeit keine Schwäche ist. Eine Welt, die uns Hoffnung gibt. Hoffnung darauf, dass am Ende eben doch alles gut wird.

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