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Die Feministin: Emily Davison

Politik

Die Feministin: Emily Davison

  • Text: Stephanie Hess
  • Bild: ZVG, Grafik: annabelle

In unserer Rubrik «Die Feministin» stellen wir Frauen vor, die wir alle kennen sollten – weil sie aus dem Kampf um Gleichstellung nicht wegzudenken sind. Heute mit Emily Davison.

Diese Frau mit dem übergrossen Hut und der Federboa war keineswegs so damenhaft adrett, wie sie auf den wenigen von ihr existierenden Bildern wirkt. Sondern eine der radikalsten Kämpferinnen der englischen Frauenrechtsbewegung. Sie warf Steine, zündete einen Briefkasten an, warf Fenster des Parlamentsgebäudes ein – und opferte am Ende ihr Leben.

Geboren wurde Emily Davison 1872 in London. Sie studierte Englisch oder Literatur, die Quellen sind sich da uneinig. Ihr Studium beendete sie mit Auszeichnung, ein Diplom erhielt sie jedoch nicht. Oxford vergab zu dieser Zeit keine Abschlüsse an Frauen. Es könnte einer der Gründe gewesen sein, die sie in die Women’s Social and Political Union trieben. Eine militante Organisation der sogenannten Suffragetten, die in England für das Frauenwahlrecht kämpften – ihr Slogan: Taten statt Worte.

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Sieben Wahlrechtsvorlagen wurden damals abgeschmettert. Der Zorn der Suffragetten wuchs – wie auch jener des Staates. Ab 1909 wurden zahlreiche Kämpferinnen inhaftiert, besonders oft Emily Davison. Im Gefängnis trat sie in den Hungerstreik. Das führte zuerst zu ihrer vorzeitigen Entlassung, später zur Zwangsernährung. Um dieser zu entgehen, verbarrikadierte sie sich einmal in ihrer Zelle, woraufhin die Wärter sie mit Wasser fluteten. Unter den Suffragetten formierte sich danach mehr und mehr die Ansicht, dass sie eine Märtyrerin bräuchten. Und die 41-jährige Emily Davison schien beschlossen zu haben, dass sie diese Aufgabe übernehmen würde.

Es war ein sonniger Tag im Juni 1913, als das Epsom Derby stattfand. Emily Davison stand am weissen Zaun, der die Rennbahn begrenzte. Als sich das Pferd des Königs näherte, rannte sie los. Und wurde vom galoppierenden Tier mit voller Wucht erfasst. Fotografen hielten den schrecklichen Moment fest. Ihr schwarzer Rock bäumt sich auf. Ihr Strohhut purzelt über den Rasen.

Sie starb kurz darauf. In ihrem Trauerzug marschierten Tausende mit. Emily Davison wollte Taten vollbringen, statt nur mit Worten zu kämpfen. Ob sie tatsächlich beabsichtigte, auf der Rennbahn zu sterben, ist umstritten. Erst Jahre später begannen ihr Kampf und jener der anderen Suffragetten, Früchte zu tragen: 1928 erhielten die Engländerinnen das vollumfängliche Wahlrecht.

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