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Die Feministin: Alison Bechdel

Politik

Die Feministin: Alison Bechdel

In unserer Rubrik «Die Feministin» stellen wir Frauen vor, die wir alle kennen sollten – weil sie aus dem Kampf um die Gleichstellung nicht wegzudenken sind. Heute mit Alison Bechdel.

Dass man es auch als Underground-Comiczeichnerin zu so etwas wie Weltruhm bringen kann, beweist Alison Bechdel. Anfang der 1980er-Jahre war die junge, lesbische Künstlerin aus Pennsylvania nach New York gezogen, wo sie sich ein aufregenderes Leben erhoffte, aber erst einmal an mehreren Kunstschulen scheiterte. 1983 erfand sie den Comicstrip «Dykes to Watch Out for» (Lesben, vor denen man sich in Acht nehmen sollte). Er erschien erst in einer feministischen Zeitung und wurde bald auch von anderen Medien abgedruckt. In einem der Strips kam 1985 ein Fragenkatalog zur Beurteilung des Rollenverständnisses von Frauen in Spielfilmen vor – heute bekannt als der Bechdel-Test.

Der Test ist beinahe lächerlich simpel, was vermutlich auch einen Grossteil seines Erfolgs ausmacht. Um einen Film auf stereotype Rollenzuweisungen hin zu überprüfen, so Alison Bechdel, brauche man sich bloss drei Fragen zu stellen: Gibt es mindestens zwei Frauenrollen? Sprechen die Frauen miteinander? Unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann? Lautet die Antwort dreimal Ja, hat der Film den Test bestanden. Sonst nicht.

 

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Auch viele Oscarfilme fallen durch

Das ist natürlich unwissenschaftlich und wird der Komplexität der Materie kaum gerecht. Selbst ein Film, in dem zwei Schauspielerinnen bloss über die Grösse ihrer Silikonimplantate fachsimpeln, würde den Test bestehen. Trotzdem schaffte es Bechdel mit ihrem Comicstrip, den Blick auf eine ebenso triste wie skandalöse Wahrheit zu lenken: Schauspielerinnen und weibliche Erlebniswelten sind im Film gnadenlos unterrepräsentiert – auch in mit Oscars geadelten Klassikern: «Das Leben der anderen» – durchgefallen. «The Truman Show» – durchgefallen. «Fargo» – durchgefallen.

Bis sich die Verhältnisse besserten, sollte es noch drei Jahrzehnte dauern. Erst #MeToo bahnte den Weg für mehr Gleichstellung in der Branche. Heute kreieren Filmemacher wie das Multitalent Ryan Murphy («Ratched») eine Heldinnenrolle nach der anderen und lassen sogar ausgemusterte weibliche Stars in neuem Glanz erstrahlen, die zuvor wegen mangelnder Jugendfrische als Kassengift gegolten hätten. Und Alison Bechdel? Sie veröffentlichte 2006 eine geniale, autobiografische Graphic Novel mit dem Titel «Fun Home», für die sie nochmals weltberühmt wurde.

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