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Eine Feministin, die alle kennen sollten: Sojourner Truth

Politik

Eine Feministin, die alle kennen sollten: Sojourner Truth

  • Text: Alica Wenger
  • Bild: Smithsonian National Museum of African American History and Culture ; Bildbearbeitung: Grafik annabelle

In unserer Rubrik «Die Feministin» stellen wir Frauen vor, die wir alle kennen sollten – weil sie aus dem Kampf um Gleichstellung nicht wegzudenken sind. Heute mit Sojourner Truth.

«Ain’t I a woman?» – «Bin nicht auch ich eine Frau?» soll die New Yorkerin mit dem starren Blick 1851 vor versammelter Menge gefragt haben. Ein Auftritt, der Sojourner Truth landesweite Aufmerksamkeit bescherte und für den sie als Aktivistin gegen Sklaverei und Sexismus in die US-amerikanische Geschichte einging. Auch wenn sich Historiker:innen bis heute um die genaue Wortwahl in Truths Rede streiten, ist ihre Forderung klar: Frauen – weisse, wie auch schwarze – sollen die gleichen Rechte wie Männer erhalten. 1797 wurde Isabella Bomefree in die Sklaverei hineingeboren.

Nach knapp dreissig Jahren der Ausbeutung – ein Jahr vor Befreiung der New Yorker Sklav:innen – entkam sie, mit ihrer jüngsten Tochter im Schlepptau, der Willkür ihres Herren. Zwanzig Dollar war die Freiheit des Mutter-Tochter- Gespannes wert und wurde von der benachbarten Familie Van Wagenen umgehend bezahlt. Kurz darauf verklagte Bomefree den Sklavenhalter für den illegalen Verkauf ihres damals zurückgelassenen Sohnes und gewann als erste schwarze Frau einen Rechtsstreit gegen einen weissen Mann.

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Schon bald galt sie als radikal

Von der Sklaverei befreit, führte angeblich eine göttliche Eingebung die talentierte Rednerin zum Entschluss, Wanderpredigerin zu werden. Selbsternannt als Sojourner Truth – symbolisch für die, die kurz an einem Ort bleibt und die Wahrheit spricht – zog die fünffache Mutter durch das Land, vereinte in ihren Ansprachen abolitionistische sowie feministische Werte und lehrte ehemaligen Sklavinnen das Hauswirtschaften. Mut und Willensstärke brachten Sojourner Truth in angesehene Kreise – eine Audienz bei US-Präsident Abraham Lincoln markierte den Höhepunkt ihres Aktivismus.

Doch selbst innerhalb ihrer Bewegung galt sie schon bald als radikal. Etwa als sie dem Ruf nach dem Stimmrecht für schwarze Männer die Frage entgegenhielt, wo denn die Rechte der Frauen blieben: «Wenn schwarze Männer ihre Rechte erhalten, schwarze Frauen aber nicht, dann werden die schwarzen Männer über die Frauen herrschen und nichts wird besser als zuvor.» Am Morgen des 26. November 1883 verstarb Sojourner Truth – im Wissen, die Abschaffung der Sklaverei in ihrem Land miterlebt zu haben, nicht aber die Einführung des Frauenstimmrechts (1920).

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