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Fettaktivistin Melanie Dellenbach: «Als dicke Frau werde ich abgewertet»

Zeitgeist

Fettaktivistin Melanie Dellenbach: «Als dicke Frau werde ich abgewertet»

Melanie Dellenbach, Präsidentin von Body Respect Schweiz, setzt sich für die Entstigmatisierung dicker Menschen ein. Mit Autorin Marah Rikli spricht sie über Vorurteile, verletzende Sprüche und die Verantwortung von Ärzt:innen.

annabelle: Melanie Dellenbach, wir sind beide in den 1980er Jahren geboren. Ich erinnere mich, wie die einzige dicke Person, die ich als Kind im Fernseher sah, «Roseanne» war. Die Schauspielerin Roseanne Barr spielte eine ruppige, dicke Mutter, die viel isst, laut und chaotisch ist. Mich hat dieses Bild geprägt in Bezug auf Vorurteile gegenüber dicken Menschen.
Melanie Dellenbach: Ich erinnere mich an den Film «Arielle», den ich als Kind im Kino schaute. Ursula war die böse Hauptprotagonistin und dick. Natürlich wollte ich nicht wie Ursula, sondern wie Arielle sein – alle wollten wie Arielle sein. Später blieb mir auch die Slimfast-Werbung mit dem Moderatoren Harry Wijnvoord in Erinnerung, es gab einen grossen Promi-Diättrend und auch die Frauenzeitschriften waren voll von Abnehmprogrammen und neuen Diätempfehlungen.

Ich habe meine erste Diät mit 14 Jahren  gemacht – aus einer Frauenzeitschrift. Ich nahm ab und dann wieder zu. Danach folgten sicherlich 30 verschiedene Diäten in meinem Leben, heute diäte ich nicht mehr. Für mich war ab der Primarschule klar, dass dick zu sein etwas Schlechtes ist und ich schlank sein muss als Mädchen, um schön zu sein und gemocht zu werden. Hatten Sie ein gutes Körperbild? 
Nein, ich hatte jahrelang das Gefühl, nicht zu genügen, weil ich dick bin. Ich habe den Fehler immer bei mir gesucht und dachte lange Zeit, ich sei schwach und faul und würde einfach zu wenig Sport machen, zu viel essen. Ich fühlte mich also verantwortlich für die Diskriminierung, die ich erlebte. Ich nahm in der Vorpubertät an Gewicht zu, in der Zeit hörte ich zum Beispiel oft Sätze wie «Du warst so ein hübsches Mädchen.» Das prägt und verletzt. Erst später habe ich realisiert, wie normalisiert Gewichtsdiskriminierung ist.

Inwiefern?
Dicke Menschen werden stigmatisiert, sie gelten als faul, krank und unsportlich und werden unsichtbar gemacht. Es gibt viele Orte, wo Menschen, die dick sind, nicht hingehen, weil sie angestarrt werden, wie etwa im Fitnesscenter. In Kinos oder im Theater, aber auch in Hörsälen an Hochschulen sind die Sitzmöglichkeiten oft schon für schlanke Menschen eng und unbequem. Für dicke Menschen sind solche Orte oft mit Schmerzen verbunden und es kann sein, dass sie deshalb Orte wie das Theater meiden. In Kleiderläden endet das Angebot oft bei Grösse 40/42. Dicke Menschen werden auch im Arbeitsleben benachteiligt: Wie Studien zeigen, erhalten viele von ihnen weniger Lohn und werden weniger befördert.

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«Lehrpersonen trauen dicken Kindern weniger zu»

Wie spüren Kinder Gewichtsdiskriminierung?
Es gibt auch hierzu Studien, die belegen, dass Lehrpersonen dicken Kindern weniger zutrauen und bei gleicher Leistung ein dickes Kind schlechter benoten als ein dünnes Kind. Oft geht die Benachteiligung auch mit Klassismus, der Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft oder Rassismus zusammen. Die Stigmatisierung ist auch im Sportunterricht spürbar: Früher liess man die Kinder Mannschaften wählen, da wurden dicke Kinder oft als Letzte in die Gruppe gewählt.

Haben Sie selbst solche Erfahrungen gemacht?
Für mich waren Sporttage sehr belastend. Heute gibt es zum Glück mehr Bewusstsein für solche Diskriminierung. Die Sportsoziologin Karolin Heckemeyer zum Beispiel sagt, sie würde den Ausdruck  «unsportlich» am liebsten streichen, da daran bestimmte Vorstellungen über sportliche bzw. unsportliche Körper geknüpft sind.

Sie selbst sind Mutter. Erleben Sie Diskriminierung in Bezug auf ihre Mutterrolle als dicke Frau?
Ich erlebe Abwertung und Vorurteile, ja. Ich lebe mit meiner Familie in einer städtischen Wohnung, wir sind gut gebildet. Ich würde uns als nachhaltig lebend und als privilegiert bezeichnen. Als dicke Mutter gelte ich aber als eher weniger gebildet und als nicht fähig, Kinder zu gesunden Menschen zu erziehen.

Nachhaltig und grün leben wird auch oft mit Verzicht, gesund leben und Schlankheit in Verbindung gebracht?
Menschen urteilen schnell über die Moral von dicken Menschen. Dass sie nicht nachhaltig leben, sondern ungesund essen, unsportlich sind und nicht spirituell – zum Beispiel, dass sie kein Yoga machen und nicht meditieren. Und wenn sie es machen, müssen sie stark beweisen, wie gut sie es können. Ist ein Kind dick, herrscht die Meinung vor, die Mütter hätten es schlecht ernährt, es vernachlässigt. Das ist auch ein feministisches Thema. Denn Kinder gelten heute als Ergebnis der Erziehung der Eltern, vor allem der Mütter. Die sozialen Gesundheitsdeterminanten, das bedeutet die gesundheitlichen Einflussfaktoren, zum Beispiel wie marginalisiert eine Familie ist und wie viel Zeit und Geld eine Familie zur Verfügung hat, werden in solchen Diskussionen oft komplett ausser Acht gelassen.

In den Berichterstattungen heisst es oft, Fettleibigkeit sei das grössere Problem als Magersucht.
Der Vergleich ist falsch. Magersucht ist eine psychosomatische Krankheit mit der höchsten Sterblichkeitsrate der psychiatrischen Erkrankungen bei Jugendlichen. Fettleibigkeit hingegen ist zunächst einmal eine Körperform, die anhand von Grösse und Gewicht bestimmt wird. Davon können wir nichts über die Gesundheit oder das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein einer Essstörung aussagen. Viele Journalist:innen vermischen Argumente und recherchieren schlecht.

Inwiefern?
Sie nutzen Body Positivity als Schlagwort und vermischen dann Essstörungen, Selbstliebe, gewichtsinklusive Gesundheitsförderung und Fettaktivismus wild miteinander. Diese Themen haben Überschneidungen, solche Vermischungen sind jedoch nicht hilfreich und verhindern nuancierte Diskussionen. Denn schlussendlich geht es um den Kampf gegen Gewichtsdiskriminierung, für gleiche Rechte und Inklusion.

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«Statt einer Behandlung erhält man in vielen Praxen und Kliniken eine Predigt über das Abnehmen»

Kritiker:innen sagen, dicke Menschen kosten das Gesundheitssystem zu viel. Ist das auch falsch?
Wir sind ein Sozialstaat, daher finde ich das immer ein sehr gefährliches Argument. Warum kosten dicke Menschen? Unter anderem auch, weil dicke Menschen keine gute, adäquate Gesundheitsversorgung bekommen.

Wie zeigt sich das?
Viele Ärzt:innen beschämen und reduzieren alle Beschwerden auf das Gewicht. Statt einer Behandlung erhält man in vielen Praxen und Kliniken eine Predigt über das Abnehmen. Untersuchungen zeigen, dass Ärzt:innen unter anderem mit dicken Menschen weniger Zeit verbringen, sie also schnell und ungenau abhandeln. Dadurch werden viele Krankheiten nicht rechtzeitig erkannt, oder dicke Menschen vermeiden aufgrund der Diskriminierungserfahrungen durch Gesundheitspersonal Untersuchungen, was viele negative Auswirkungen haben kann.

Was braucht es, damit sich die Vorurteile gegenüber dicken Menschen abbauen und sie weniger Diskriminierung erfahren?
Wir brauchen andere Bilder. Sei es in den Medien, in der Werbung oder in Büchern – speziell auch in Lehrmitteln. Dicke Menschen müssen nicht leidend dargestellt werden. Wir können dicke Menschen stattdessen als diversen Teil der Gesellschaft abbilden, der mitten im Leben steht. Es kann genauso dicke wie schlanke Moderator:innen und Sportlehrer:innen, Tänzer:innen oder Models geben. Dicke Menschen können auch wahnsinnig attraktiv sein, es gibt dicke Menschen mit und ohne Behinderungen, dicke People of Color, glückliche dicke Menschen und solche, die Depressionen haben.

Mittlerweile sind Sie sehr erfolgreich mit Ihrem Aktivismus.
Ich habe mehr erreicht, als ich es je für möglich gehalten hätte. Body Respect Schweiz ist inzwischen Mitglied der NGO-Plattform Menschenrechte Schweiz und der Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Schweizer Menschenrechtsorganisationen sind sehr wichtig, gerade auch, da Gewichtsdiskriminierung häufig mit anderen Diskriminierungsformen verknüpft ist. Im letzten Oktober wurde ein Gastbeitrag von Body Respect Schweiz auf humanrights.ch veröffentlicht, womit Informationen zum Thema Gewichtsdiskriminierung auf einer wichtigen Plattform zum Thema Menschenrechte in der Schweiz verfügbar sind. Medizinisches Fachpersonal interessiert sich für meine Arbeit und Politiker:innen sind sensibilisierter.

Sind Sie manchmal auch erschöpft und spielen mit dem Gedanken, aufzuhören?
In diesem Jahr fühle ich deutlich mehr Erschöpfung, weshalb ich mich aktuell im Neinsagen übe. Zu meinem runden Geburtstag wünsche ich mir ein Sabbatical, um hoffentlich langfristig Energie und Motivation zu haben, mich gegen Gewichtsdiskriminierung und für Körperrespekt einsetzen zu können.

Melanie Dellenbach ist Präsidentin von Body Respect Schweiz, hat das Label Yes2Bodies gegründet und ist Aktivistin für Körperrespekt. Die Journalistin Marah Rikli spricht am kommenden Donnerstag, 4. Mai 2023, mit Melanie Dellenbach im Debattierhaus Karl*a der*die Grosse über Gewichtsstigmatisierung, Gewichtsdiskriminierung, Diätkultur und Gesundheitsförderung bei jedem Gewicht.

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Fette linguistik

Es ist schon falsch von Fettsucht zu sprechen. Niemand ist nach fett süchtig oder fett zu sein. Auch dies wird nie hinterfragt.

Kati B

Es ist eine medizinische Definition die Ihre Berechtigung hat. Ob man sie korrekt interpretiert obliegt dem Einzelnen. “unter Fettsucht versteht man massives Übergewicht mit krankhaften Auswirkungen”

Poros

Für mich ist Übergewicht kein körperliches Leiden, sondern Ausdruck eines psychischen Problems. Der Körper spiegelt die Massen toxischer Gedanken im Kopf, die uns den Alltag vergiften. Verurteilungen, Ängste, Missgunst, Hass, auch gegenüber sich selbst kreisen in Dauerschleife durch den Kopf und lassen klares Denken nicht mehr zu. Unser Handleln wird nur noch von unbewussten Reflexen gesteuert, denen wir hilflos ausgeliefert sind. Wer sich irgendwann an das Chaos im Hirn gewöhnt hat, fährt den Hirnstoffwechsel runter und das sind dann die Habituierten, die sich daran gewöhnt haben und nun das, was das Hirn nicht an Energie verbraucht als Körperfett ansetzen. Erst wenn es aus eigener Kraft oder mit Psychotherapie gelingt, das Seelenleben ins Gleichgewicht zu bringen, kann auch das Gewicht wieder normal werden, der Mensch braucht es dann nicht mehr.
Jeder Mensch ist ein von göttlichem Geist erfülltes Wesen, einzigartig und begnadet, und so frei, wie es sein Verstand zulässt. Ihn sauber zu halten ist die oberste Aufgabe und mit eigenverantwortlichem Handeln gelingt es auch, sich davon zu befreien. Die Magen OP ist da keine Option, die schafft nur Platz unterm Zwerchfell und nicht im Kopf.

Mucky

Das von göttlichem Geist erfüllte, einzigartig und begnadete Wesen kann aber auch Adipositas vererbt bekommen, das ist eine lebenslange, chronische Krankheit und hat mit der Psyche nichts zu tun. Und leichtes Übergewicht ist nicht krankhaft, hat eher was mit gutem Essen zu tun und nichts mit toxischen Gedanken im Kopf.

Dick macht Krank

Zwei meiner besten Freunde sind stark übergewichtig und werden auch früh daran sterben, wenn die nicht härter dafür arbeiten. Es ist richtig, dass “Shaming” nichts bringt. Verantwortung müssen die aber trotzdem übernehmen und anstatt die Opferrolle aus zu spielen, nach Hilfe fragen und sich das Leben retten.
Nicht die Gesellschaft ist Schuld an deren Übergewicht. Es waren erst die Eltern und dann sie selber.

Last edited 1 year ago by Dick macht Krank
artur

Menschen die dick/fett bzw unter Fettleibigkeit leiden haben, sind in den meisten Fällen, natürlich gibt es Ausnahmen, dafür selbst verantwortlich. Es ist wie ein Kontostand in dem Mehr eingezahlt wurde wie abgehoben. Das ist die Summe der vielen Entscheidungen die man selbst gemacht hat. Wieso man das gemacht hat ist eine anderes Frage. Es ist nun mal so das mit einem steigenden Körperfettanteil die Risiken für Körper und Geist ansteigen. Definitiv ist das ein schwere Sache abzunehemn, das erforderd Disziplin und viels anders und ist nicht zu vergleichen mit Rauchen oder Trinken, denn man kann mit Rauchen und Trinken aufhören und weiterleben, jedoch mit dem Essen nicht. Deswegen weil es so schwer ist, sagt es einiges über einen Menschen aus, der schlank sein möchte jedoch dick ist, denn die meisten Menschen möchten Schlank sein.

Last edited 1 year ago by artur
Sirod Reiemhol

Ihr Lieben, die ihr euren Körper ziemlich vergrößert habt. Ist das “Übergewicht” erst einmal da
-im Anfang ist es ja nur etwas- lernt man allerdings, damit umzugehen und ist eben “dick”, wie alle anderen Menschen sagen. Diese “Dicken” mögen sich trotzallem -so wie sie sind- und bleiben -hoffentlich- gesund; man sagt ja, dass der Organismus des Körpers, mit zuviel an Gewicht, es nicht leicht hat. Aber man ist eben so, wie man ist! Diese Freiheit darf man auch jedem Menschen zugestehen; nein, keiner hat über den Anderen zu bestimmen wie er auszusehen hat. Wichtig ist immer, dass man sich selber liebt und dann ist alles gut!

Paula

Ob dick oder dünn ist im ersten Schritt egal. Zu dünn ist schädlich und zu dick natürlich auch. Das ist das eigentliche Problem – und wenn dann die “gewichtsbedingten” Krankheiten körperliche aber auch psychische Natur auftreten wird es teuer. Das ist unschön für alle. Trifft aber auch bei anderen Dingen zu, die ungesund sind: rauchen, saufen, Bewegungsmangel, falsche Ernährung – könnte die Reihe noch sehr lange fortsetzen. Bringt aber nix, denn des Menschen Wille ist sein Himmelreich und so soll es ja auch sein. Ansonsten hieße es: verbieten, bestrafen, bespitzeln etc. und das will ich für mich nicht. Also drum Mädels und Buben mit einem größeren Körpergewicht: lebt damit, wenn ihr es wollt und lasst alle anderen doch dumm reden – die haben wahrscheinlich bei sich ein Problem.

habondias

Dick ist nicht gleich Dick, wie viele sind einfach krank und es wird nicht erkannt. Ich z.B. Lip-/Lymphödem ich werde immer dicker werden, Ich habe mich jahrelang kasteit bis ich die Diagnose hatte. Habe Oberarme die nur noch in Herren 3xl T shirts passen, und die Krankenkasse die zahlt die Strickware aber keine Absaugung, die langfristiger hält, die auch die Gelenke entlasten würde – somit den Folgekrankheiten von zu viel Gewicht. Jeder Arzt sagt erst ich soll abnehmen dann könnte ich auch mein Diabetismedikament einstellen – haha – meist sind die selber Dick und wie soll ich abnehmen, wenn meine Fettzellen dass nicht wollen. Habe auch schon über ein Jahr Zuckerfrei gelebt, aber nicht viel geholfen, 16 zu 8 Diät mache ich eigentlich täglich, hilft auch nicht. Was hilft Gewicht wenigstens zu halten – wöchentlich mind. 1h Lympfdrainage.
Ich traue mich nicht einmal in der Öffentlichkeit Eis zu essen oder was anderes – danke dünnes Volk, dass man sich minderwertig fühlt, und auch ihr könnt meist nichts dafür dass ihr so dürr seid! Als Dicke muss man mehr leisten als eine Dünne Frau und erst recht als ein Mann um anerkannt zu werden.

helga

Stellenantritt mit 60 kg 156 cm bei Bank. Durch Bossing Ausstieg nach Burnout erzwungen mit 105 kg bei 156 cm. Vertrauensarzt der Bank fragte mich, warum ich noch nicht an eine Schlauchmagenop gedacht habe. Kam nicht auf die Idee, dass ich Diabetes habe und einen erhöhten Colesterolspiegel wegen des Dauerstress bei der Arbeit.

Mucky

Dauerstress kann zu Übergewicht führen und Diskriminierung durch den Arzt macht nicht schlank.

Olli P.

Wenn man sich als adipöse Person diskriminiert fühlt, dann gibt’s zwei Möglichkeiten:

  1. FdH und mehr Bewegung, dann nimmt man ab.
  2. Ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Dicksein ist kein unabänderliches Schicksal, auch wenn sich viele Menschen das gerne so einreden, weil’s so schön bequem ist und man mit dieser Einstellung nichts an sich selbst und seiner Lebensweise zu ändern braucht.

PS: Ehe ihr jetzt virtuell über mich herzieht: Ich bin inzwischen 59 Jahre alt, habe bei 1,73 m Körpergröße vor zweieinhalb Jahren noch 117,8 kg gewogen, war also definitiv krankhaft adipös und hatte eine Diabetes Typ 2 entwickelt. Inzwischen bin ich nach entsprechender Ernährungsumstellung und mehr Bewegung auf 92 kg runter, Tendenz weiter abnehmend. Sämtliche Blutwerte sind fast wieder normal. Also: Es geht schon, aber es erfordert viel Disziplin und den eisernen Wunsch, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und nicht das Dicksein als von Gott gegeben hinzunehmen und über Dicken-Diskriminierung zu jammern.

Mucky

Adipositas ist eine teils vererbliche, teils erworbene chronische, lebenslange Krankheit. Es gibt dafür weder Medikamente noch adäquate medizinische Therapie. Allenfalls Empfehlungen, ansonsten wird man damit alleingelassen. Die einzige Möglichkeit ist den Kampf mit sich selbst aufzunehmen um gesundheitsgefährdetes Übergewicht zu verlieren und zu halten und das ist alles andere, als einfach. Manche schaffens, andere nicht. Warum ein Mensch adipös ist, ist sehr komplex, das kann man nicht einfach mit FDH und mehr Bewegung abtun. Was in Ihrem Fall geklappt hat, muß nicht für andere passen. Ich kämpfe schon mein halbes Leben um mein neues Gewicht (von125 auf 79) zu halten. Ich überlege gnau, was und wann und wieviel ich etwas esse. Bei Einladungen analysiere ich das Angebotene genau durch, entspannt etwas essen geht nicht. Ich bin 70 und muß genau achten, daß ich genügend lebenswichtige Vitalstoffe zu mir nimm und ich muß mich zum Sport zwingen. Adipositas ist nicht heilbar, der Kampf ist lebenslang. Und ich habe vollstes Verständnis, wenn es jemand nicht schafft, sich dermaßen zu verbiegen, das hat nichts mit Faulheit und Dummheit zu tun. “…sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und nicht das Dicksein von Gott gegeben…usw…”, DAS ist eine diskriminierende Aussage an Menschen, die für ihr Leiden nichts können.

Scherenschleifer

Das ist nicht ein Problem von einer einzelner Person es ist ein gesellschaftliuches Problem wie wir leben und konsumieren. Ich würde Frau Dellenbach einen Coach oder eine instruierte Begleitperson auf Nahrung und Bewegung empfehlen um ihr ideal Gewicht zu erreichen. Es ist ein innerlicher Wille, ich frag mich wie werden Menschen sportsüchtig oder fitnesssüchtig auf der anderen Seite. Frau Dellenbach sollte wissen, dass vor 100Jahren solche Faruen wie sie bei den Männern sehr gefragt waren. Das war eine Art garantierter Wohlstand, Sicherheit sowie Lebensqualität zur dieser Zeitepoche.

Kati B

Es gibt aber schon genetische Veranlagung zu schlechterem Verstoffwechseln von Nahrung die vererbt werden kann. Da Fett in der Bauchregion mit zahlreichen Krankheiten korreliert, ist doch eigentlich klar, dass man dies weder seinen Kinder/Neffen/Nichten wemauchimmer wünscht. Zudem ist man durch die eingeschränkte Bewegung, zumindest ab gewisser Kiloanzahl automatisch beim Gruppensport oder anderen Tätigkeiten die “genormte” Maße voraussetzen disqualifiziert. Es ist okay, dass ein Krankhausbett oder ein Sitz im Flugzeug/Karussel aus Kostengründen an der Durchschnittsnorm orientiert ist. Benachteiligt wird immer jemand, der von der Norm abweicht – egal ob zu klein/groß/dick, die dünnen haben dann einfach eitwas mehr Platz.

Ich persönlich finde Fett schlichtweg nicht sonderlich ästhetisch. Bitte nicht falsch verstehen, es müssen keine Schönheitsideal genormten Körper sein, aber unbewusst sieht es eben nicht grazil aus wenn bei der Bewegung alles schlackert oder herausquillt. Also Fett umhüllt von Haut ist einfach nicht schön zu Betrachten – dies sehen einige Menschen sicher anders. In meiner Familie war niemals jemand dick und ich es schlicht beim Aufwachsen nicht gewohnt (Vorprägung Ästhetisches Empfinden?). Andererseits ist es kuscheliger einen etwas fülligeren Menschen drücken, da dieser eben weicher gepolstert ist. Dennoch würde ich jedem den ich liebe wünschen, dass er/sie möglichst lange gesund und fit für Teilhabe bleiben kann. Grundsätzlich ist jeder für seinen Körper verantwortlich und sollte damit auch in Frieden gelassen werden – ich schaue dann einfach dort hin wo das Auge auch gern verweilt und lasse jedem sein persönliches Dasein.

Und für eine Vielfalt in der Gesellschaft gehören dicke Menschen nicht versteckt und haben Ihre Daseinsberechtigung in den Medien/Woauchimmer. (Ausser vllt. beim Leistungssport, da Widerspruch)

Last edited 1 year ago by Kati B
Matthias

Übergewicht gehört nachweislich zu den größten Gesundheitsrisiken (neben übermäßigem Alkoholkonsum, Rauchen und Bewegungsmangel). Diese Tatsache zu verharmlosen oder gar im Zuge einer Diversity-Philosophie als normal oder gar erstrebenswert darzustellen halte ich für falsch.

Petra

@Fette linguistik Sehr richtig formuliert! Danke.

Dick und undoof

Naja, Fett sein ist nunmal ungesund. Weiss ich weil ich selbst fett bin und die Folgen davon in den Gelenken spüre. Es wird oft abgeschoben auf faulheit und fehlende Disziplin. Oft wird es durch traumata aus früher Kindheit ausgelöst und das peilen halt viele nicht.

Mucky

Richtig! Und einen Menschen schlank mobben geht nicht.

Kosta

Hier wird sehr Einseitig argumentiert. Es ist natürlich nicht gut andere Menschen aufgrund Ihres Körpers zu diskriminieren. Aber bitte normalisiert Übergewicht nicht. Sport und Gesunde Ernährung ist für jeden Menschen wirklich wichtig. Das zeigen eben die Langzeit-Ergebnisse und nicht die kurzfristigen.

Wer sich nicht aufraffen kann gesunde Lebensmittel zu sich zu nehmen, statt auf schlechte zu verzichten. Wer es nicht schafft, diszipliniert, egal ob motiviert oder nicht, trotzdem regelmäßig Sport in sein Leben zu integrieren, der hat ein schwerwiegenderes Problem als sein Übergewicht. Die Psyche. Sich angegriffen zu fühlen dann bei jedem kleinen Spruch, zeigt das geringe Selbstwertgefühl. Eine Therapie kann helfen. Eine Opfermentalität nicht.

Mucky

Egal, ob sich jemand aufraffen kann oder nicht, es hat niemand das Recht einen dicken Menschen auch nur in kleinster Weise zu diskriminieren, das mangelnde Selbstwertgefühl entsteht ja erst durch soetwas! Und anschließend eine Therapie empfehlen, ich fass es nicht!🙈

Lucy

Leider wird hier völlig außer acht gelassen, dass starkes Übergewicht mehr als eine “Körperform” ist, sondern von der WHO als Krankheit eingestuft wird. Ja, die Sterblichkeitsrate mag kurzfristig bei Magersüchtigen höher sein, aber langfristig erhöht Übergewichtig das Risiko für sehr viele Erkrankungen, was das Gesundheitssystem extrem belastet.

GUS

Für mich ist Übergewiocht einfach nur Übergewicht…. zun 98 % sind die Ursachen zu wenig Bewegung und schlechte Ernährung.

Stefanie

Ich denke, niemand findet es gut, wenn Menschen wegen ihres Übergewichts gemobbt werden. Aber der Begriff “übergewichtig” ist schon mal sehr unpräzise. Was meint die Aktivistin damit? 70kg auf eine Körpergröße von 1,60m muss noch nicht ungesund sein. Ab einem gewissen Adipositas Grad ist es das sehr wohl. Das sollte man auch nicht schönreden. Kinder müssen gar nicht dick sein, wenn man sie richtig ernährt und sie sich ausreichend bewegen können. Also ja, natürlich denke ich, dass die Eltern da was falsch machen, wenn sie dicke Kinder haben!
Nur weil man “Body shaming” nicht in Ordnung findet, muss man noch lange nicht so tun, als sei Übergewicht etwas völlig normales und gesundes.