Royals Doku

Meghan & Harry: Money Can’t Buy Happiness

Text: Annik Hosmann; Foto: GettyImages

Meghan Markle Prince Harry Doc

Seit Tagen werden die Social Media geflutet mit Ausschnitten und Kommentaren zum Dokumentarfilm «Harry & Meghan: an African Journey». Anfang Woche wurde er nun auf Deutsch ausgestrahlt, wir haben ihn gesehen.

«Danke der Nachfrage, nicht viele Leute haben mich gefragt, ob es mir gut geht.» Während für viele Leute die Frage «Wie geht es dir?» normal oder gar eine Floskel ist, ist sie es für Meghan Markle, Duchess of Sussex, nicht. Nach ihrer Befindlichkeit hat sie der britische Journalist Tom Bradby gefragt. Und die Antwort, dass es ihr eben nicht so okay gehe, kursiert seit Tagen im Internet. Vor knapp zwei Wochen tauchten auf Social Media die ersten Ausschnitte aus dem 45-minütigen Dokumentarfilm «Harry & Meghan: an African Journey» auf. Der britische Journalist Tom Bradby, der Harry seit über zwanzig Jahren kennt, hat ihn und seine Ehefrau auf ihrer zehntägigen Afrika-Reise vor einigen Wochen begleitet. Nachdem vor rund zehn Tagen der Film in England erstmals ausgestrahlt wurde, scheinen Meghans Aussagen gefühlt ähnliche Wogen zu werfen wie der Brexit. Am Montag nun war die Dokumentation auch auf Deutsch zu sehen; ausgestrahlt exklusiv von der ARD. Tom Bradby, so sagt er im Vorspann selber, hätte Meghans und Harrys soziales Engagement ihrer Afrika-Reise dokumentieren sollen; doch alles kam etwas anders. Die Geschichte, die Bradby erzählt, ist am Rand die des Einsatzes der Royals für Frauenrechte, gegen Gewalt, für den Umweltschutz, gegen Landminen. Das alles kommt zwar in «Harry & Meghan: an African Journey» auch vor, also: wie sehr sich das Paar für den guten Zweck einsetzt. Die Geschichte, die aber wirklich erzählt wird, ist die des Paares, das unter ständiger Beobachtung steht, die der Paparazzi und die Geschichte des Mannes, der bis heute ihnen die Schuld am Tod seiner Mutter Diana gibt. 

Selber schuld, sagen die einen. Wer all diesen Reichtum hat, all das Geld, all die Privilegien hat sich nicht zu beklagen. Vor allem, wer sich das Leben von den Steuerzahlern finanzieren lässt, soll gefälligst nicht lamentieren, so die Stimmen in England, die sehr laut schreien. Alles PR, Marketing der kalkulierten und kalten Meghan. Sicher, der Dokumentarfilm war eine Strategie, um sich und ihr Engagement zu promoten, vielleicht auch um bewusst Einblicke in ihr Privatleben oder ihre Struggles zu geben. Aber ob dieser Ausgang allerdings wahr ist, ist fraglich.

Mit ein Grund, weshalb der Film die Geschichte erzählt, die er nun erzählt, dürften auch die Klagen von Meghan und Harry gegen drei Boulevardzeitungen gewesen sein. Bradby, der Journalist, spricht Harry auch darauf an. Und dieser antwortet, dass jedes Mal, wenn er einen Kamerablitz seheund das Klicken höre, wieder der Tod seiner Mutter hochkomme. Und nein, er habe ihn nicht verarbeitet, die ganze Tragik um den Tod von Prinzessin Diana sei bis heute eine «schwelende Wunde», so Harry. Was diese ehrlichen Aussagen auch zeigen – und wohl zeigen sollen –, ist: Money can’t buy happiness. Und Harry, der sich schon lang für Initiativen rund um psychische Gesundheit einsetzt, macht dies damit umso deutlicher.

Und dann war da eben noch die meistdiskutierte Szene der Doku. Sie ist eine der letzten im Film, der der Chronologie der Reise folgt: Am Abend vor der Rückkehr nach England spricht Bradby mit Meghan in einem Garten. Sie sprechen von der Reise und wie für sie das letzte Jahr so war. Ihre britischen Freunde hätten sie vor der britischen Boulevardpresse gewarnt, erzählt Meghan. Ja, vielleicht sei sie naiv gewesen, sagt sie weiter. Sie habe sich vorgestellt, dass der Umgang mit der Presse und die Dauerbeobachtung schwierig werden würden – «aber ich dachte, es würde fair werden». Und dann wird sie gefragt, wie es ihr geht. Es sei viel, all die neuen Rollen – Mutter, Ehefrau, Mitglied des Königshauses. Richtig schwierig sei die Art, wie sie die Presse behandelt und über sie schreibt. Sie scheint Tränen in den Augen zu haben, die Lippen sind steif.

Fairness scheint es in den Boulevardmedien, vor allem in den britischen nicht zu geben, wenn es um die royale Familie geht. Und bei aller berechtigten Kritik an den finanziellen Ausgaben der Royals oder den veralteten Traditionen: Was gibt der Presse, Journalisten wie Fotografen, das Recht, eine Person ständig und wegen allem – von Outfits über wie eine Frau ihr Kind trägt bis hin zu privaten Dokumenten (namentlich dem Brief von Meghans Vater) – derart anzugreifen? Und kann man es einem Menschen verübeln, wenn er sich dagegen wehrt? Und kann man es einem Mann, der seine Mutter viel zu jung verlor, verübeln, dass er versucht, seine Frau und sein Kind zu schützen?

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