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Nachgerechnet: Die Elternzeit wäre so teuer wie ein Drink

Politik

Nachgerechnet: Die Elternzeit wäre so teuer wie ein Drink

Beim Vaterschaftsurlaub sprach man von einer halben Tasse Kaffee, die er Arbeitnehmende monatlich kosten würde. Und wie ist das bei der Elternzeit, über die im Kanton Zürich am 15. Mai abgestimmt wird? Wir haben nachgerechnet.

423 Millionen Franken würde die Elternzeit kosten, schreibt die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich. Knapp 50 Millionen müssten für die verlängerte Auszeit der Mütter zusätzlich aufgewendet werden. 373 Millionen für die Väter. Eine Riesenstange Geld. Wer soll das bezahlen? Und: Können wir uns das leisten?

Anders als von Gegner:innen bisweilen suggeriert, ist es nicht das Staatsbudget, das für die Elternzeit belastet würde, sondern Firmen und Arbeitnehmende. Wie der Vaterschaftsurlaub, die Mutterschaftsversicherung und der Militärdienst würden die Unternehmen für die Ausfälle frischgebackener Mütter und Väter aus der Erwerbsersatzordnung (EO) entschädigt. Ein Topf, in den Arbeitnehmende und Arbeitgebende zu gleichen Teilen einzahlen.

Vier Café crème in der Dorfbeiz

Mit den Informationen aus dem Abstimmungsbüchlein lässt sich nun ungefähr errechnen, wie viel am Ende auf die einzelnen Arbeitnehmenden entfallen. Teilt man diese 423 Millionen Franken durch die ungefähr 1 Million erwerbstätigen Personen im Kanton Zürich, entfällt pro Kopf ein Betrag von 423 Franken. Der wird zu gleichen Teilen von Firma und Personal getragen. Das macht aufgerundet 212 Franken pro Partei im Jahr. Monatlich also 17.50 Franken, die zusätzlich vom Lohn abgehen. Das wären dann etwa: Zwei Päckli Zigaretten. Ein Big Mac Menü mit Mc Flurry. Zwei frisch entsaftete grüne Smoothies. Ein Negroni in einer Zürcher Bar. Ein Kinoeintritt. Ein Vegi-Mittagsmenü. Vier Café crème in der Dorfbeiz.

Je nachdem, wie viel man selbst verdient, kann einem dieser Betrag nun absolut unbedeutend vorkommen – oder durchaus nicht unbeträchtlich. Letzteres wohl insbesondere auch aus Sicht von Chef:innen kleiner Firmen, die die 17.50 Franken ja für alle Angestellten zusätzlich berappen müssen.

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Das Geld fehlte bis anhin in der Familienkasse

Fakt ist aber, dass diese Kosten, die jetzt auf dem Tisch liegen, nicht völlig neu aufploppen. Sondern schon längst in unterschiedlichsten Formen existieren. Sie werden bisher schlicht von den Eltern selbst getragen: Weil sie unbezahlten Urlaub beziehen, um ihre Familienzeit zu verlängern. Oder weil schon nach 14 Wochen Betreuungskosten anfallen, wenn die Mutter nach der bezahlten Babyzeit wieder in den Job zurückkehrt.

Das Geld fehlte bis anhin halt nicht auf dem Firmenkonto, sondern vor allem in der Familienkasse. Und Fakt ist auch: Arbeitnehmende im Kanton Zürich erhalten landesweit den höchsten Lohn, im Mittel monatlich brutto 7114 Franken.

Mit dieser Zahl im Auge und auch dem Umstand, dass einschneidende, strukturelle Veränderungen nie kostenneutral zu haben sind, lässt sich durchaus sagen: Wir können uns eine Elternzeit leisten. Wenn wir denn wollen.

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