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Rassismus-Debakel: Michelle Hunziker hat leider immer noch nichts verstanden

Marie Hettich
Marie Hettich

Redaktorin

Michelle Hunziker wird gerade für einen rassistischen Fehltritt kritisiert – und will nun mit einem Entschuldigungsvideo die Wogen glätten. Redaktorin Marie Hettich findet: So richtig kapiert hat die Moderatorin immer noch nicht, worum es geht.

Ach, ach, ach, Michelle Hunziker. Da macht sich die Moderatorin in der italienischen TV-Satire-Sendung «Striscia la Notizia» zuerst auf rassistischste Weise über Menschen mit asiatischer Herkunft lustig – und veröffentlicht dann auf Instagram eine Stellungnahme, die alles nur noch schlimmer macht.

Ein kleiner Auszug: «Mir tut es wirklich leid, falls ich irgendwem weh getan habe. Wir leben in Zeiten, in denen Menschen bezüglich ihrer Rechte sehr sensibel geworden sind – und es war sehr naiv von mir, das nicht in Betracht zu ziehen (…) Unsere Welt wird immer inklusiver und ich will davon definitiv ein Teil sein.»

«Mir liegt nichts ferner, als eine Rassistin zu sein»

Und dann sagt die 44-Jährige: «I’m the furthest thing from a racist.» Auf Deutsch etwa: «Nichts läge mir ferner, als eine Rassistin zu sein.» Damit ihre Unschuldsbeteuerung auch wirklich bei allen ankommt, steht zusätzlich in ihrer Insta-Caption: «Ich war schon immer gegen jede Form der Diskriminierung.»

Bei aller Liebe: Bullshit. Erstens ist das schwer zu glauben, wenn man sich noch einmal die TV-Szene von Montagabend in Erinnerung ruft: Da sitzen Michelle Hunziker und der Showmaster Gerry Scotti und witzeln bester Laune darüber, dass Chinesinnen den Buchstaben R nicht aussprechen könnten. Sie kommen so in Fahrt, dass irgendwann beide ihre Augen in die Länge ziehen und Menschen asiatischer Herkunft nachäffen. Dass seit Wochen weltweit über Asian Hate gesprochen wird, macht den Anblick umso verstörender.

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Etwas arg bequem

Zweitens ist die Aussage «Ich bin kein/e Rassist/in» per se problematisch – ganz unabhängig davon, welche Fehltritte man sich schon geleistet hat.  Ob sich jemand rassistisch verhält oder nicht, haben die Betroffenen zu beurteilen. Nur sie kennen ihre Erfahrungswelt und spüren, was weh tut. Und darum geht es.

Beim Thema Sexismus ist das nicht anders – auch da traut man lieber keinem Mann, der stolz von sich behauptet, definitiv kein Sexist zu sein. Damit macht er es sich arg bequem – und er verleugnet, dass Sexismus, genauso wie Rassismus, tief in unseren gesellschaftlichen Strukturen verankert ist. Und damit in uns allen.

Klar rassistisch – oder eben nicht

Zu sagen, man sei nun wirklich keine Rassistin, impliziert zudem, Menschen seien entweder eindeutig rassistisch – oder eben überhaupt nicht. Doch Nazis, die Asylzentren anzünden oder auf Personen mit Migrationsgeschichte einprügeln, sind nur die Spitze vom Eisberg. Es gibt ein riesengrosses Spektrum, das mit so einer Aussage komplett ausser Acht gelassen wird. Das Spektrum, in dem zum Beispiel die ewigen Fragen nach der Herkunft oder alle «War doch bloss ein Witz»-Witze drinstecken.

Wer wirklich, wie Hunziker von sich behauptet, «gegen jede Form der Diskriminierung» ist, kommt nicht drumherum, bei sich selbst anzufangen. Sich einzugestehen, dass man selbst diskriminierende Denkmuster in sich trägt, ob man will oder nicht. Am Ende ihres Videos sagt Michelle Hunziker dann Gott sei dank doch noch etwas Schlaues: «Wir müssen alle dazulernen.» Yep. Und manche offenbar noch ganz schön viel.

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Madelyne Meyer

Ich teile exakt die gleiche Meinung wie Marie Hettich. Niemand ist frei von diskriminierenden Denkmuster. So reflektiert sollte man sein. Schade nur wird nicht auch der Herr in Verantwortung gezogen. Von ihm steht nichts, obwohl er sich auch total daneben benommen hat. Von ihm würde ich auch eine Entschuldigung erwarten. Wieso wird nur Michelle Hunziker kritisiert?

Last edited 21 days ago by Madelyne Meyer
Béatrice

Danke Frau Marie Hettich für die klaren Worte – ein wichtiges Zeichen.