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Was uns in Zukunft blüht

Zeitgeist

Was uns in Zukunft blüht

  • Text: Stephanie Hess
  • Foto: Unsplash

Wie sich unser Leben auf dieser Welt entwickelt, scheint so ungewiss wie lang nicht mehr. Vier Szenarien bis 2050.

Wohlstand, Fortschritt und Freiheit – das waren einmal unsere Erwartungen an die Zukunft. Doch die Krisen der letzten Jahre, allen voran die Pandemie, haben das Vertrauen in eine grundsätzlich bessere Zukunft erschüttert. Es ist klar geworden: So, wie wir die Welt heute kennen, wird sie in dreissig Jahren nicht mehr sein. Was kommt auf uns zu? Dieser Frage ging das Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI) in einer Studie nach. Es entwarf vier Szenarien für das Jahr 2050, die allesamt einen düsteren Beigeschmack haben. Sie fussen alle auf aktuellen Trends, Narrativen und Prognosen. Referenzpunkte waren unter anderem Klimawandel, Künstliche Intelligenz (KI), Populismus, die Verdatung der Welt, die Ökonomisierung der Privatsphäre oder der Zuwachs an erneuerbaren Energien.

Kollaps

Das Szenario beschreibt den Niedergang der heutigen Gesellschaft, wie es bereits dem Römischen Reich oder den Maya widerfuhr. «Meist führte ein Zusammenspiel mehrerer Entwicklungen wie klimatischer Veränderungen, ökologischer Überbeanspruchung, Konflikte oder Seuchen dazu», schreibt das GDI. Die Menschen sind in diesem Szenario weitgehend von der Aussenwelt abgeschnitten. Es gibt keine Autoritäten mehr, die eine überregionale politische Entscheidungsmacht besitzen. Lokale Gemeinschaften müssen ihr Zusammenleben selber organisieren und sich mit den lebensnotwendigen Gütern versorgen.

Netto-Null

In dieser Zukunft leben wir in einer Welt, in der kaum Treibhausgase mehr produziert werden. In mancher Hinsicht gleicht diese Welt jener aus dem Kollaps-Szenario. Der internationale Warenfluss ist deutlich reduziert, viele Annehmlichkeiten aus dem Jahr 2021 existieren nicht mehr. Was im Kollaps-Szenario aber durch einen Sachzwang geschah, ist hier eine bewusste gesellschaftliche Entscheidung. Die Einschränkungen basieren auf internationalen Abmachungen, die in einzelnen Ländern unterschiedlich implementiert werden. Mancherorts partizipativ, andernorts diktatorisch.

Gig-Economy-Prekariat

Das herausragende Merkmal dieses Szenarios ist die Arbeitslosigkeit aufgrund der technologischen Entwicklung. Maschinen haben menschliche Arbeit in einem solchen Tempo übernommen, dass weder der Arbeitsmarkt noch der Sozialstaat mithalten können. Der neue Zufluchtsort könnte dann die sogenannte Gig-Economy sein, in der sich die Mehrheit der Menschen als Freelancer von Job zu Job hangelt. Sie stehen dabei in Konkurrenz miteinander wie auch mit Maschinen.

Vollautomatisierter KI-Luxus

Dank Maschinen muss in dieser von Künstlicher Intelligenz bestimmten Welt niemand mehr arbeiten. Anders als im Gig-Economy-Szenario sind die Früchte der Maschinenarbeit nicht nur einer kleinen Elite vorbehalten. Daten, Energie und Ressourcen sind im Überfluss vorhanden. Es gibt keine zwingenden Autoritäten, die einem vorschreiben, was richtig ist. Die grösste Herausforderung liegt in der Sinngebung, die jede für sich selber herstellen muss.

Was auch immer sein mag: Die Skills, die wir – und vor allem unsere Kinder – brauchen, um in diesen Szenarien bestehen zu können, sind laut der GDI-Studie allen voran handwerkliches Können, Programmierkenntnisse, die Fähigkeit, Informationen schnell aufzunehmen und zu vermitteln sowie sich anzupassen – und nicht zuletzt: die Gabe, Fehler einzugestehen und mutig zu sein.

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