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Was wir Frauen uns von Meghan Markle abschauen können

Zeitgeist

Was wir Frauen uns von Meghan Markle abschauen können

Vielen Frauen stinkt, wie viel Wert sie darauf legen, anderen zu gefallen – das hat unsere grosse Studie «annajetzt» gezeigt. Warum es als Frau Kraft kostet, anzuecken, das zu einem selbstbestimmten Leben aber unbedingt dazugehört, zeigt der Fall Meghan Markle.

Fast fünfzig Prozent der Frauen in der Deutschschweiz finden, sie verbringen zu viel Zeit damit, anderen zu gefallen. Bei den unter 35-Jährigen sind es sogar zwei Drittel. Das hat unsere grosse Frauen-Studie «annajetzt» in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Sotomo ergeben. Und ja, das sind beachtliche Zahlen. Aber überraschend sind sie nicht. Denn die gesellschaftliche Erwartungshaltung an die Frau lautet nach wie vor: Bitte nicht anecken, sonst wirds ungemütlich.

Kein Beispiel hat das in letzter Zeit so gut demonstriert wie die Entrüstung rund um Meghan Markles Gespräch mit Oprah Winfrey. Kaum eine Kommentarspalte kam nach dem Talk ohne Vorwürfe und Beleidigungen aus. Meghan würde sich mit ihrer Opferrolle in den Mittelpunkt drängen, ihr eigenes Wohl über das der anderen stellen (Prinz Philip lag im Spital, Mensch!) und den armen Harry von seiner Familie wegzerren – so der Tenor unzähliger Menschen. Selbst gestandene Journalistinnen und Journalisten liessen sich weltweit zum Meghan-Bashing hinreissen.

Beim kleinsten Mucks droht Gegenwind

Dieser Hass gegen Meghan hat wenig mit Meghan selbst zu tun. Vielmehr bekommt diese Frau gerade auf einer Weltbühne in voller Ladung das ab, was wir alle tagein, tagaus um uns herum beobachten können: Frauen stossen beim kleinsten Mucks auf Gegenwind und gelten als mühsam – während die Männer um sie herum einfach sein dürfen, wie sie sind: kämpferisch oder fügsam, laut oder leise, fleissig oder faul, Teamplayer oder Egoisten.

Die Sozialphilosophin Kate Manne schreibt in ihrem 2017 erschienen und viel beachteten Werk «Die Logik der Misogynie»: «In unserem patriarchalen System werden Frauen als gebende  und fürsorgliche Wesen gedacht.» Frauen – insbesondere Frauen of Color – hätten die Aufgabe, anderen Zuwendung zu schenken, ohne diese für sich selbst einzufordern. Wer von der Rolle «einer aufmerksamen, liebevollen Untergebenen» abweiche, müsse mit «misogynen Ressentiments, Bestrafung und Verdrängung» rechnen. Dies könne von Männern, aber genauso gut von anderen Frauen ausgehen.

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«Wenn Frauen aus der Reihe tanzen, gelten sie als schlechte Frauen»

Sozialphilosophin Kate Manne

Zum Teil nehme das laut Manne «wahnhafte Züge» an – wie in Meghans Fall am Beispiel des Moderators Piers Morgan wunderbar zu beobachten war, der eine regelrechte Obsession entwickelte und keine Möglichkeit ausliess, über die Herzogin herzuziehen. Es passiere häufig, dass «Menschen gegen Frauen, die sie persönlich nicht einmal kennen, einen derart persönlich erscheinenden Groll hegen», schreibt die Philosophin.

Alle Frauen, die als «aufsässig, nachlässig oder aus der Reihe tanzend» wahrgenommen werden – allen voran Feministinnen – würden in unserer Gesellschaft als «schlechte und widerspenstige Frauen» gelten, so Kate Manne. Sobald eine Frau Misogynie anprangere, habe dies noch mehr Misogynie zur Folge. Denn die Aufgabe der Misogynie sei es, «Frauen wieder auf ihren Platz zurückzuzwingen».

Kaum Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben

Warum es gar nicht so einfach ist, diesen Gegenwind in Kauf zu nehmen, beschreibt Kate Manne auch: «Generell möchten Frauen, weil sie dazu sozialisiert werden, besonders liebenswürdig zu sein, den Respekt und die Billigung anderer nicht verlieren.» Doch die Konsequenzen sind bitter. Denn wer die Vorstellungen und Bedürfnisse anderer stets an erste Stelle stellt, hat kaum Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben.

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Verb: (to) meghan markle

Damals, im Januar 2020, als Meghan und Harry bekanntgaben, von ihren royalen Pflichten zurückzutreten, machte die Wortneuschöpfung eines sehr pfiffigen Twitter-Users die Runde. Er erfand das Verb «(to) meghan markle» – mit der Bedeutung: «Sich selbst und die eigene psychische Gesundheit wichtig genug nehmen, um einen Raum / eine Situation / ein Umfeld zu verlassen, in dem das authentische Selbst nicht willkommen ist.»

Dass sich Meghan der ihr zugewiesenen Rolle der passiven, schweigsamen Frau verweigert hat – und das im stockkonservativen Königshaus, als Woman of Color, mit der weltweiten Klatschpresse im Nacken; dass sie sich ihre Stimme zurückerkämpft hat, die ihr genommen wurde; dass sie die Kraft hat, vor der ganzen Welt über Diskriminierung und Suizidgedanken zu sprechen – all das macht sie zu einer feministischen Heldin. Und damit zu einem wunderbaren Vorbild für alle, die sich im Auch-mal-nicht-Gefallen üben möchten.

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Amrein

Bei Meghan kommt mir immer wieder der grosse Verdacht, dass sie eine Narzisstin ist. Sie ist keine Frau die verbindend wirkt oder Frieden stiftet. Macht ist ihr wichtig, Prestige und Geltungsdrang. Wo sie auftaucht gibt es grossen Unfrieden. Ihr Geltungsdrang ist sehr gross und sie ist für mich nicht glaubwürdig in ihren Aussagen. Gelernt habe ich von Meghan, dass man einer Narzisstin weit aus dem Weg gehen sollte. Armer Harry.

Mel

Ist es wirklich narzisstisch, überleben zu wollen? Und darf man sich dafür keine Hilfe suchen? Darf man es nicht aussprechen, dass man im Leben manchmal Hilfe braucht?

Sina

Dann wäre die Welt voller männlicher Narzissten! Hören sich doch soviele Männer gerne selber sprechen und stellen sich ins Scheinwerferlicht, werden dafür sogar bewundert. Werden die Frauen nebst diesen Männern dann jeweils auch bemitleidet?

Daria

Ich teile diese Meinung absolut und bewundere Megan sehr.

Sina

Solange wir Frauen uns untereinander härter und unbarmherziger kritisieren anstatt uns gegenseitig zu beflügeln und zu netzwerken, wird sich wenig ändern. Fähige und weniger fähige Männer haben das erkannt und hiefen sich derweil weiterhin in jede Führungsposition. Sie nehmen sich alle Freiheiten und klopfen sich gegenseitig auf die Schultern. Da können wir viel lernen, wir Frauen!

Gemeinsames Stärken untereinander würde da viel bewegen und uns gemeinsam weiter bringen. Ich freue mich über jede Frau, die aus der Reihe tanzt. Den Mutigen gehört die Welt.

Sole

Ich finde überhaupt nicht, dass sie aus der Reihe tanzt. Sie meint es vielleicht, aber im Grunde ist sie total angepasst, in ihrer eigenen unfreien Welt gefangen; wittert z.B. überall Rassismus und verfällt ihrem Selbstmitleid.

petra

Sehr schlechter Artikel! Soll Meghan Markle Vorbildfunktion haben?Hilfe! Hoffentlich lesen diesen Artikel keine jungen Frauen,die noch Vorbilder suchen,denn hier wird eindeutig das Thema verfehlt! An Meghan Markle sollte sich keine Frau ein Beispiel nehmen.
Wenn man sich von dieser Frau eine Scheibe abschneiden soll,wohin würde das führen?

manuela

Wieso?