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Bella Freud:

Bella Freud: "Wenn du dich im Spiegel nicht wiedererkennst, ist etwas schiefgelaufen!"

Bella Freud hat keine Lust mehr, unsichtbar zu sein. Im Stil-Interview spricht die britische Designerin, Modeikone und Podcasterin über die Macht eines guten Outfits, ihren wichtigsten Styling-Tipp und die Jeans, nach der sie ständig im Internet sucht.

Normalerweise stellt Bella Freud die Fragen: In ihrem Podcast «Fashion Neurosis» spricht sie mit Persönlichkeiten aus Mode, Musik, Kunst und Literatur über Kleidung, Identität und persönliche Neurosen. Dass ausgerechnet die Urenkelin von Sigmund Freud ihre Gäste auf diese Weise durchleuchtet, gehört natürlich zum Charme des Formats.

Doch Bella Freud, Tochter des Malers Lucian Freud, hat sich längst ihren eigenen Namen gemacht. Nach Stationen bei Vivienne Westwood und Romeo Gigli gründete sie 1990 ihr eigenes Label. Bekannt wurde sie mit schmalem Tailoring und Strick – Kultstatus erreichten vor allem ihre mit Slogans versehenen Pullover wie ‹1970› und ‹Ginsberg is God›».

Ihre Entwürfe trugen unter anderem Kate Moss und Alexa Chung. Die 65-jährige Freud spricht mit uns über Kleidung, Selbstzweifel und die Frage, warum Komfort beim Anziehen vielleicht doch gar nicht so wichtig ist.

annabelle: Bella Freud, warum bringt uns ausgerechnet die Frage «Was soll ich anziehen?» so oft ins Grübeln?Bella Freud: Weil in diesem Moment oft Selbstzweifel aufkommen: Wer bin ich? Und wer bin ich bei diesem Anlass? Das kann sich wie eine kleine Krise anfühlen. Kleidung kann sie lösen. Sie ist unsere Verbündete.

Welcher Rat hat Ihren eigenen Stil am stärksten geprägt?«Versteck dich nicht.» Wobei ich mir diesen Rat vielleicht selbst gegeben habe. Ich neigte lange dazu, lieber nicht aufzufallen. Aber unsichtbar möchte ich auch nicht sein. Deshalb denke ich heute: Im Zweifel machen – statt es bleiben zu lassen. Es ist ein Privileg, sich herausputzen und grossartige Kleidung tragen zu können. Und das tue ich immer öfter.

Und welchen Styling-Rat würden Sie selbst weitergeben?Bei Styling-Tipps bin ich vorsichtig. Aber vielleicht diesen: «Wenn du dich im Spiegel nicht wiedererkennst, ist etwas schiefgelaufen. Entweder bist du zu unsichtbar – oder deine Kleidung trägt dich statt umgekehrt.»

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"Komfort sollte beim Zusammenstellen eines Outfits erst ganz am Schluss kommen. Identität ist hingegen alles"

Welche Rolle spielt Komfort für Sie beim Anziehen?Ich erinnere mich, dass Vivienne Westwood einmal sinngemäss sagte, Komfort werde überschätzt. Wer beim Anziehen zuerst an Bequemlichkeit denkt, verpasst womöglich ein Outfit, in dem man sich fantastisch oder sogar mutiger fühlt. Komfort sollte beim Zusammenstellen eines Outfits erst ganz am Schluss kommen. Identität ist hingegen alles.

Was haben Sie durch die Mode über Selbstbewusstsein und Selbstausdruck gelernt?Alles. Sie hat mir gezeigt, dass es kein modisches Rentenalter gibt, keine Grenzen, nur Horizonte. Die Wirkung eines guten Outfits ist kaum zu überschätzen. Es kann einen sogar klüger machen, weil es von der eigenen Befangenheit befreit. Für introvertiertere Menschen wie mich ist Mode ein wunderbares Werkzeug. Durch Kleidung können wir etwas von unserer vielschichtigen Persönlichkeit zeigen, statt einfach nur verschlossen oder distanziert zu wirken.

Wohin wenden Sie sich, wenn Ihnen als Designerin die Ideen ausgehen?Ich kehre zu den Dingen zurück, die mich schon immer interessiert haben: Punkrock, Anita Pallenberg, David Bowie und Cartoons aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. Vor allem aber zum Lesen. Die Bilder, die beim Lesen in meinem Kopf entstehen, wirken auf mich dreidimensionaler als Fotografien oder Gemälde. Je mehr ich mir etwas selbst vorstellen muss, statt es fertig vor mir zu sehen, desto eher bringt es mich auf neue Ideen.

Wie würden Sie Ihren eigenen Stil auf den Punkt bringen?In den Neunzigerjahren habe ich dafür den Ausdruck «gehobene Unangepasstheit» gefunden. Dabei bleibe ich.

Für die aktuelle Zalando-Kampagne standen Sie selbst vor der Kamera. Wie war das für Sie?Mich beeindruckt, wie fantasievoll Zalando seine Kampagnen umsetzt. Vor allem war es grossartig, mit der Regisseurin Melina Matsoukas zu arbeiten und ihr dabei zuzusehen, wie sie diese Bilder einfing.

Bei welcher Suche sind Sie zuletzt in einem Internet-Rabbit-Hole gelandet?Ich suche häufig nach einem bestimmten Jeansmodell von Pepe namens Midonna. Manchmal finde ich bei Ebay noch unverkaufte alte Bestände. Die Jeans sind nicht besonders cool, aber sie stehen mir. Deshalb bin ich ständig auf der Jagd nach ihnen. Und sie dürfen auf keinen Fall Stretch enthalten – ich hasse Stretchjeans.

Wie kaufen Sie ein: spontan oder mit Plan? Und vertrauen Sie Ihrem eigenen Urteil oder fragen Sie erst Freund:innen?Ich verfalle so gut wie nie in einen Kaufrausch. Wenn es doch passiert, habe ich ein klares Ziel und einen Plan. Am meisten Spass macht es mir, jemand anderen beim Einkaufen zu begleiten. Wenn ich für mich selbst suche, gehe ich am liebsten mit einer Freundin, deren Urteil ich vertraue.

Bei welchem Kauf würden Ihre Freundinnen und Freunde sofort sagen: typisch Bella Freud?Sie kennen meine Leidenschaft für Schuhe. Dass ich auch eine Schwäche für schöne Bratpfannen habe, dürfte sie hingegen überraschen.

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