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Die Fashion Weeks sind vorbei: Diese Modetrends kommen im Frühjahr/Sommer 2027

Die Fashion Weeks sind vorbei: Diese Modetrends kommen im Frühjahr/Sommer 2027

Der Modemonat ist vorbei! Während wir unsere geschundenen Füsse kurieren, lassen wir das Gesehene noch einmal Revue passieren lassen und ordnen es für euch ein: Welche Kollektionen stachen heraus? Welche Trends waren in New York, London, Mailand und Paris zu sehen? Und welche Richtung schlägt die Mode im nächsten Frühling/Sommer ein?

Vielleicht ist das Neue dieser Saison gar kein neuer Schnitt. Kein Midi-Rock, kein Kummerbund, keine Farbe, bei der man sofort denkt: Das ist jetzt Mode. Was die Spring/Summer-2027-Kollektionen verbindet, ist vielmehr eine Haltung: Viele Designer:innen wollen uns gerade weniger beeindrucken als Kleidung entwerfen, die wir auch wirklich tragen.

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"Wenn Mode uns nur noch das bietet, was wir ohnehin tragen – wer überrascht uns dann noch mit etwas, von dem wir nicht einmal wussten, dass wir es haben wollen?"

Die Mode wird ruhiger, tragbarer, unkomplizierter. Selbst Häuser, die bisher für Übertreibung, Verformung und Irritation bekannt waren, kommen dem Alltag näher. Endlich, denken die einen. Doch damit stellt sich auch eine unbequeme Frage: Wenn Mode uns nur noch das bietet, was wir ohnehin gern tragen – wer überrascht uns dann noch mit etwas, von dem wir nicht einmal wussten, dass wir es haben wollen?

Dass ausgerechnet Minimalismus einmal so viel Platz in meinem Leben – oder in diesem Text – einnehmen würde, hätte ich nicht gedacht. Doch bei Jil Sander und Calvin Klein schaute ich bei den leisesten Looks am längsten hin. Plötzlich interessierte mich ein kaum fünf Millimeter breiter Sandalenriemen. Eine Naht. Ein Detail, das beinahe wie ein Fehler aussah. Wenn wenig da ist, fällt alles auf.

Langweilig war daran nichts. Einige dieser Looks lösten mehr Fantasie in mir aus als jene, die mit aller Kraft um Aufmerksamkeit kämpften. Vielleicht weil sie mir nicht vorschrieben, was ich an ihnen aufregend finden sollte. Minimalismus heisst schliesslich nicht, einfach Schmuck und Rüschen wegzulassen. Wenn nichts mehr ablenkt, muss jedes Detail stimmen.
Vanessa Friedman, Chefmodekritikerin der «New York Times», beschreibt den heutigen Glamour anhand der Celine-Kollektion treffend: Absolute Eleganz trifft auf absolute Mühelosigkeit. Als hätte man sich im Vorbeigehen etwas übergeworfen und sähe darin zufällig grossartig aus.

Aber nicht jede Zurückhaltung ist auch einfallsreich. Wo wird aus Reduktion Vorsicht? Die neue Zurückhaltung beschränkt sich längst nicht auf minimalistische Häuser. Hodakova, sonst stark konzeptionell, wird tragbarer. Bottega Venetas überzeichnete Proportionen weichen einem zugänglicheren Tailoring. Bei Dior fallen statt massiver Hüftröcke nun Metallic-Jeans auf. Und selbst bei Anrealage, wo Kleidung schon einmal buchstäblich aufgeblasen wurde, musste das grosse technische Spektakel bis zum Schluss warten.

Vielleicht wächst zwischen KI-Bildern, Deepfakes und makellosen Social-Media-Profilen die Sehnsucht nach etwas, das noch echt wirkt. Nach Kleidung, in der man leben kann, statt nur für ein Bild zu posieren. Oder verkauft sich Tragbarkeit schlicht besser? Die nächsten Quartalszahlen kommen bestimmt.

Was sich gut verkauft, bringt die Mode allerdings nicht automatisch weiter. Natürlich brauchen wir Kleidung, die funktioniert. Aber muss Mode immer funktionieren? Wie Kunst darf sie uns irritieren, verführen und gelegentlich vollkommen absurd sein. Sie darf – ja soll! – uns auf Ideen bringen, auf die wir allein nie gekommen wären.

Womöglich geht es diese Saison also weniger um Minimalismus oder Maximalismus als um die Frage, wie viel Risiko Mode noch eingehen will. Wenn selbst Designer:innen, Stylist:innen und Redakteur:innen nur noch auf das setzen, was sich bewährt hat – wer macht uns dann Lust auf das Unerwartete?

Vielleicht braucht Mode gerade weniger Spektakel. Aber bitte nicht weniger Mut.

1. Die neuen 20er

Die 1920er- und 1930er-Jahre feiern ein Comeback, allerdings ohne den Glamour vergangener Zeiten allzu wörtlich zu nehmen. Die Kleider sind lang und fliessend, die Taille ist tief angesetzt, die Silhouetten bleiben schmal und körpernah. Verzierungen werden dezent gehalten, Drapierungen kommen nur vereinzelt zum Einsatz. Gerade diese Zurückhaltung verleiht den historischen Referenzen eine neue Modernität. Weniger Charleston, mehr Gegenwart.

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2. Ein Sommer ohne Hosen

Unsere Autorin schrieb, sie fühle sich in Röcken freier als in Hosen. Prada gibt ihr recht – und blieb damit nicht allein. Zahlreiche weitere Labels schickten knielange Röcke in allen Farben und Mustern über den Laufsteg. Für nächsten Sommer heisst das also: Die Hosen bleiben im Schrank. Sie werden es verkraften.

3. Gelbe Karte

Kaum eine Kollektion kam diese Saison ohne Gelb aus. Bei Hermès übersetzte Nadège Vanhée den Verlauf des Tageslichts in eine Farbpalette, in der Gelb für die Mittagssonne stand. Matthieu Blazy setzte die Farbe gegen Ende seiner Chanel-Kollektion ein. Gelb steht für Wärme, Lebensfreude und Intellekt, kann aber auch warnen und zur Vorsicht mahnen. Wir können die Farbe deuten, wie wir wollen. Übersehen werden wir sie kaum.

4. Oben ohne Funktion

Ein BH ist ein symbolisch aufgeladenes und technisch komplexes Kleidungsstück. Bei Runway-BHs scheint die Stützfunktion allerdings oft zweitrangig. Gezeigt werden sie vor allem an Models mit wenig Oberweite. Wer als Model keine Sample-Grösse trägt, wird sowieso kurzerhand in einen Mantel gepackt. Dabei sollte es diese Saison doch um Tragbarkeit gehen? Umso seltsamer, dass ausgerechnet ein Kleidungsstück, das im Alltag eine konkrete Aufgabe erfüllt, auf dem Laufsteg zum modischen Spielzeug verkommt.

5. Mauve-Lila

Signalgelb war zwar häufiger zu sehen, doch viel interessanter fanden wir das gedämpfte Mauve. Im Sommer besonders schön zu zarten Creme- und Champagnertönen, aber auch zu Grau. Und am allerliebsten hätten wir es als Lippenstiftfarbe. Gesehen bei Jil Sander, Dries Van Noten und Marie Adam-Leenaerdt.

6. Satin Flip

Satinkleider gehören zum Sommer wie kaum ein anderes Kleidungsstück. Kommende Saison bekommen sie jedoch ein überraschendes Detail: eine überlappende Stofflage, die das fliessende Kleid leicht aus dem Gleichgewicht bringt. Ganz im Sinne von Simone Bellottis Jil Sander: eine kleine Irritation, die den Look erst richtig stimmig macht.

7. Tiefe Ausschnitte

Freizügigkeit war diese Saison selten – ausser bei Tom Ford. Hier und da zeigte sich ein seitlicher Cut-out, doch viel reizvoller waren die tiefen Ausschnitte an ansonsten schlichten Looks. Besonders schön: tiefe V-Ausschnitte.

8. Tradition

Florale Stickereien erinnern an Schweizer Trachten, Stoffe bei Julie Kegels an klassische Sennenhemden. Dazu kommen Muster, die ebenso gut das Interieur einer Alphütte schmücken könnten. Nostalgie und Tradition halten Einzug in die Mode, ohne altmodisch zu wirken. Ein bisschen Heimatgefühl, neu interpretiert.

9. Hoher Anspruch

Je höher die Absätze, desto schlechter die Wirtschaft – so die These hinter dem «High Heel Index». Diese Saison blieben die Absätze erstaunlich moderat. Dafür steckte die Raffinesse im Detail. Vielleicht sagt das über die Strategie der Modehäuser mehr aus als über die Konjunktur: In unsicheren Zeiten setzen sie auf Accessoires. Ein Schuh muss dann schon mal eine ganze Kollektion vertreten.

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