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Fashion

Fashion Weekly: Wie viel Aktivismus verträgt die Mode-Branche?

Barbara Loop
Barbara Loop

Lifestyle-Chefin und Mitglied der Chefredaktion

In unserer Rubrik «Fashion Weekly» schaut dieses Mal Lifestyle-Chefin Barbara Loop zurück auf die Mode-Woche – und versorgt euch mit Gossip, News und den wichtigsten Highlights.

Sind Aktivist:innen die nächsten Topmodels?

Es braucht nun wirklich nicht besonders viel Grips, um herauszufinden, wie schwachsinnig diese Idee ist. Schwerer zu verstehen ist dagegen, warum das bei CBS niemandem aufgefallen ist, bevor der Shitstorm losbrach. Der amerikanische TV-Sender plante nämlich, Ende Oktober eine neue Reality-Show namens «The Activist» auszustrahlen. In dieser Show sollten sechs Kandidat:innen gegeneinander antreten und ihr Geschick als Aktivist:innen unter Beweis stellen. Wollen wir das Klima retten oder uns für People of Color stark machen? Frauenhäuser oder Mental Health? Aussterbende Schildkröten oder hungernde Kinder? Wer hat die besseren Argumente? Die Jury – zusammengesetzt aus Sänger Usher sowie den Schauspielerinnen Julianne Hough und Priyanka Chopra Jonas – hätte dann entschieden, wer am überzeugendsten war und die grösste Reichweite auf Social Media generiert hat. Ein fairer Wettkampf um Aufmerksamkeit und knappe Ressourcen, genau wie bei «America’s Next Topmodel». Anstatt um rare Modeljobs kämpfen die sechs um die Chance, ihr Anliegen am G-20 Gipfel in Rom vorzutragen.

Bevor man also zu den Entscheidungsträger:innen vorgelassen wird, soll man sein Unterhaltungstalent unter Beweis stellen. Ohne Showbiz-Qualität keine Aufmerksamkeit, so die Logik. Wie dringend das Anliegen ist, scheint dabei zweitrangig, entscheidend ist, wie man es verkauft. Was wohl tatsächlich einen Funken Wahrheit birgt, wirkt als Prinzip einer TV-Show doch eher geschmacklos.

Immerhin hat man das Problem erkannt. «Globaler Aktivismus basiert auf Zusammenarbeit und Kooperation, nicht auf Wettbewerb. Wir entschuldigen uns bei den Aktivist:innen, Gastgeber:innen und der grösseren Aktivist:innengemeinschaft – wir haben uns geirrt», liess Global Citizen verlauten. Die weltweit tätige NGO mit Sitz in New York ist als Co-Produzentin am Projekt beteiligt. Man habe mit der Show auf die Leidenschaft, den Ideenreichtum und die vielen Arbeitsstunden hinweisen wollen, die Aktivist:innen für eine gute Sache leisten, erklärten sich die Verantwortlichen bei CBS. Der Sender will das Format nun noch einmal überdenken.

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Die Met-Gala – was bleibt?

Es war der Fashion-Event der Woche, wenn nicht gar des Jahres: Die Met-Gala in New York. annabelle hat die besten Looks und die grössten Fails zusammengetragen. Ausgerechnet ein Look, der am Abend eher wenig zu reden gab, ist nun derjenige, der am längsten zu reden gibt: Das Protest-Kleid von Alexandria Ocasio-Cortez war wohl einfach zu erwartbar, um in die Stilkritik einzugehen. Doch in der Kritik stand der Auftritt der US-Kongressabgeordneten durchaus. AOC trug ein Kleid von Brother Vellies, das in roter Farbe mit «Tax the Rich» beschrieben war. Diese Forderung ist an einem Event, an dem ein einzelnes Ticket 35’000 Dollar kostet, mit den Worten von New York Times-Journalistin Vanessa Friedman gesprochen, ein wahrhaft «kompliziertes Unterfangen».

Während ihre Fans den Auftritt als «simply iconic» bejubelten und den Mut der Politikerin priesen, nannten sie Kritiker:innen heuchlerisch. Wenn sie doch die Reichen so verachte, warum wolle sie dann mit ihnen feiern, fragten sich die einen. Andere kritisierten Ihre Teilnahme an einem Event, vor dessen Türen protestierende Black-Lives-Matter-Aktivist:innen festgenommen wurden. Wieder andere wünschten sich von ihr, dass sie genauso viel Durchsetzungskraft auf dem politischen Parkett an den Tag lege wie auf dem roten Teppich.

Alexandria Ocasio-Cortez ist es gewohnt zu polarisieren und zeigte sich zufrieden mit ihrem Auftritt. «Wir hatten alle ein Gespräch über die Besteuerung der Reichen vor genau den Leuten, die sich dagegen aussprechen». Mission accomplished.

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Neuer Designer bei Kenzo

Der neue Chefdesigner von Kenzo heisst Nigo und ist eine japanische Streetware-Ikone. Er gründete 1993 mit A Bathing Ape einen der ersten Streetwear-Brands Japans, der für seine Camouflage-Prints und Hoodies schnell berühmt wurde. Auf Bape (kurz für A Bathing Ape) folgten die Labels Billionaire Boys Club und Ice Cream, die er mit Sänger Pharrell Williams ins Leben rief. Nigo entwarf für Uniqlo, arbeitete mit seinem jüngsten Label Human Made mit Adidas zusammen – und designete mit Virgil Abloh eine Louis-Vuitton-Herrenkollektion.

Virgil Abloh, der seit Mitte des Jahres als eine Art brandübergreifender Berater beim LVMH-Konzern wirkt, zu dem auch Kenzo gehört, dürfte bei der Ernennung von Nigo nicht ganz unbeteiligt gewesen sein. Abloh bezeichnet Nigo als einen der erste wahren Mentoren, die er in der Mode gehabt hatte.

Nigo tritt die Nachfolge von  Felipe Oliveira Baptista an, der Kenzo im Juni 2021 verlassen hat. Er ist nach dem jüngst an Covid-19 verstorbenen Gründer Kenzo Takada der erste japanische Designer an der Spitze der Marke.

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