Objektdesigner Gustaf Westman: "Von Grau sollte man die Finger lassen"
Der schwedische Stardesigner Gustaf Westman bringt mit knalligen Farben und verspielten Formen Spass ins Zuhause. Im Interview verrät er, welche Möbel sich wirklich lohnen – und warum Grau für ihn ein Interior-Fail ist.
- Von: Leandra Nef
- Bild: Kate Fatseas
annabelle: Gustaf Westman, welches Möbelstück sollte jeder Mensch besitzen?
Gustaf Westman: Den Stool 60, ein Holzhocker von Alvar Aalto.
Welche Investition in Interior lohnt sich?
Die in einen grossen Tisch. Ich liebe runde Tische, weil man an ihnen so gut diskutieren kann.
Welche Investition lohnt sich nicht?
In die Basics würde ich nicht zu viel investieren. Einfache Teller kann man secondhand kaufen. Das Investment in einen meiner nicht ganz so schlichten Chunky Plates lohnt sich hingegen. (lacht)
Welcher Tisch passt zu jedem Wohnzimmer?
Meine Chunky Tables! Wirklich!
Sollte man eher in Kunst oder Wohnaccessoires investieren?
In Kunst, wenn man schlau, aber langweilig ist, in Wohnaccessoires, wenn man mit etwas mehr Spass durchs Leben geht.
Holzboden oder Teppich?
Holz! Obwohl … Ein Freund von mir hat in seiner Wohnung in London einen Spannteppich, den ich liebe.
Sessel oder Sofa?
Sessel! Ich habe Angst vor zu viel Körperkontakt, so habe ich etwas Privatsphäre.
Welches Sofa wird nie aus der Mode kommen?
Ein Howard-Sofa im typisch englischen Country-House-Stil. Ich mag klassische Sofas, und natürlich müssen sie bequem sein. Ich möchte ein Howard für das Sommerhaus, das ich mir hoffentlich bald kaufe.
Ist das perfekte Arrangement von Wohnaccessoires eine Illusion?
Nein, aber es ist wirklich schwierig, eine Wohnung so einzurichten, dass sie sich wie ein Zuhause anfühlt. Meine Mutter hat dieses Talent. Sie ist extrem gut darin, einzelne Stücke zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen.
Welches Möbelstück sieht nur auf Fotos gut aus, aber nie in Wirklichkeit?
Sowas gibt es nicht. Wenn meine Möbel auf Fotos gut aussehen, weiss ich, dass sie es auch im echten Leben tun. Das ist der Test.
Welches Label empfehlen Sie neben Ihrem eigenen?
Vaarnii aus Finnland.
"Ich mag zweckbefreite Objekte"
Von welchen Wohnaccessoires kann man nie genug haben?
Von Büchern.
Welches Teil ist gerade angesagt, wird aber bald wieder verschwinden?
Ich hab nichts gegen Technologien wie 3D-Druck, aber es gefällt mir nicht, wenn man zu deutlich sieht, dass etwas 3D-gedruckt ist. Ich würde sowas nicht kaufen.
Welche Farbe lässt jedes Zuhause sofort einladend wirken?
Fragen Sie meine Mutter.
Von welcher Farbe sollte man die Finger lassen?
Grau.
Welches Möbelstück sollte man secondhand kaufen?
Ich liebe es, Altes und Neues zu mischen. Darum mag ich auch Kiosk.io; sie kuratieren Designklassiker mit zeitgenössischen Stücken.
Ein Interior-Fail, der Sie wahnsinnig macht?
Wenn alles zu gut zusammenpasst. Wenn die Kissen dieselbe Farbe haben wie die Vorhänge.
Kann man Stil lernen?
Vermutlich kann man alles lernen. Aber manche Menschen haben definitiv ein besseres Gespür dafür.
Haben Sie ein Vorbild, wenn es ums Designen geht?
Alvar Aalto und ein paar alte dänische Herren. Hans J. Wegner, Arne Jacobsen …
Was hat Ihnen Ihre Mutter über Interior beigebracht?
Alles!
Und Ihr Vater?
Wie man einen Hammer benutzt.
Das erste Möbelstück, an das Sie sich erinnern können?
Ich wusste schon als Kind alles über Möbel – ich war besessen von ihnen, habe Bücher über sie gesammelt. Mein Lieblingsstück war die AJ-Leuchte von Arne Jacobsen.
Wie hat sich Ihr Stil im Laufe der Jahre verändert?
Gar nicht mal so sehr. Vielleicht mag ich spassige, zweckbefreite Objekte heute mehr.
Sie dürfen Ihr Leben lang nur noch ein einziges Möbelstück designen – welches wäre es?
Ein Sofa. Zumindest will ich das als Nächstes anpacken.
Welches ist der beste Tipp, den Sie je bekommen haben?
Als ich Architektur studierte, hat mir der schwedische Architekt Johannes Norlander gesteckt, dass es langweilig sei, als Architekt zu arbeiten, und dass sich das niemand antun solle. Also habe ich begonnen, Objekte zu designen.
Gustaf Westman ist vom 4. bis 6. September mit einem Pop-up in Zürich im Kiosk.io zu Gast.