Werkschau: 5 Künstlerinnen aus der Schweiz zeigen Mode, die ihre Kunst reflektiert
Die Werke von Ariane Vonmoos, Gritli Faulhaber, Jiajia Zhang, Shamiran Istifan und Maya Hottarek treten in einen Dialog mit Runway-Looks. Im Gespräch mit annabelle erzählen die fünf Künstlerinnen aus der Schweiz von ihrem Schaffen, ihren Inspirationsquellen und den Ideen hinter ihren Arbeiten.
- Von: annabelle
- Bilder: Celine Paradis; Redaktion: Noëmi Leonhardt & Tim Tobias Zimmermann; Text: Alexandra Looser
Ariane Vonmoos (38)
Nur auf den ersten Blick wirken die Rosen und Narzissen wie idyllische Stillleben. Hinter den betörenden Blüten in flüchtigen Pinselstrichen verbergen sich immer Momente der Störung. Hier ein alter Ölfleck, dort eine eingestickte Initiale.
Ariane Vonmoos, die an der École cantonale d’art de Lausanne Fotografie sowie bildende Kunst in Zürich studierte, bemalt mit selbst angerührter Eitempera neben Leinwänden auch Stoffe aus Brockenhäusern: Tischdecken, Bettlaken, die mit ihren früheren Geschichten verwoben sind und von Care-Arbeit erzählen.
«Meine Bilder mögen durch ihre vermeintliche Schönheit verführen», sagt die Künstlerin, «sie sollen aber dazu anregen, die gewohnten symbolischen Zuschreibungen zu hinterfragen.» Meist grossformatig, lassen die Werke innehalten. Sie überfrachten, konfrontieren. Insbesondere die lieblichen Rosen sind ambivalent: «Ihre Schönheit überdeckt, wie überzüchtet sie sind und welcher ausbeuterischen Praxis sie entstammen.»
Vom 11. 7. bis 13. 9. im Rahmen der Ausstellung «Kunststipendien der Stadt Zürich 2026» im Helmhaus Zürich
Gritli Faulhaber (35)
Ein altes Gemälde, eine Werbung, ein Screenshot auf dem Handy: «Für meine Malereien arbeite ich mit einem persönlichen Archiv aus historischem, popkulturellem und alltäglichem Bildmaterial», sagt Gritli Faulhaber. Mit verschiedenen Grundierungsmethoden, Farbstudien, einem Spiel aus Formen, Referenzen und Gegenüberstellungen lotet die konzeptuelle Künstlerin, die in Zürich lebt und arbeitet, aus, was Malerei heutzutage noch auszudrücken vermag.
«Malerei ist ein so geschichtsschwangeres Medium – es gibt wahnsinnig viel zu entdecken und neu zu bewerten.» Um der Geschichte der Malerei nachzuspüren, eignet sich Faulhaber die Formensprache verschiedener weiblicher und queerer Künstler:innen an, wie der 1931 verstorbenen dänischen Malerin und Transgender-Pionierin Lili Elbe und ihrer Partnerin, der Künstlerin Gerda Wegener. «Mich interessiert die Geste der Hommage, die Würdigung dieser oft viel zu unbekannten Positionen der Kunstgeschichte.»
Solo-Ausstellung vom 29. 8. bis 26. 11. im Kunsthaus Langenthal (BE)
Jiajia Zhang (45)
Mithilfe unterschiedlicher Medien beleuchten Jiajia Zhangs Installationen Alltägliches. Die in China geborene Künstlerin war sechs Jahre alt, als sie mit ihren Eltern in die Schweiz kam. Sie studierte Architektur an der ETH Zürich, bevor sie sich in New York zur Fotografin und in Zürich zur Künstlerin ausbilden liess.
In ihren Werken greift sie Spuren aus dem öffentlichen und privaten Raum auf und fügt sie zu assoziativen Erzählungen zusammen: Der Serie «How to Spend It» (Seite 93) etwa liegt eine Werbekampagne aus den 1970er-Jahren zugrunde. Neun Collagen zeigen das Model in Bewegung. Auch die Buchstaben der Werbeslogans werden wiederholt und so verschoben, dass die Sprache wie auch die Posen ins Uneindeutige und Absurde kippen.
«Kunst ist Aufmerksamkeit, Beobachtung, Gegenüberstellung», so Zhang, «sie entsteht im Austausch mit den Betrachtenden, deren Blick auf die Welt und die Mitmenschen sich dadurch verändert.»
Jiajia Zhang gewann den diesjährigen Art Vontobel Contemporary Photography Prize. Ausstellung: 5. 6. bis 31. 8. in der Bank Vontobel, Gotthardstrasse 43, Zürich
Shamiran Istifan (38)
«Ich bin meine Kunst», sagt Shamiran Istifan, «meine Objekte sind Verlängerungen meiner selbst, wie Screenshots meiner Poesie.» Ausgangspunkt sind oft ganz banale Dinge: An der Wand hängende Kabel, in deren geschlängelter Form Istifan einen kunstvollen Ausdruck wahrnimmt. In denen sich aber auch kulturelle Codes verbergen, indem sie etwa an Baustellen oder industrielle Orte erinnern.
«Soziale Dynamiken, Machtstrukturen – auch im Alltäglichen – deute ich durch meine multimedialen Installationen um.» Damit will Istifan eingeübte und normierte Wahrnehmungen herausfordern und verschieben. In Baden geboren, wuchs sie mit unterschiedlichen kulturellen Bezugssystemen auf.
Ihre Kindheit in einer diasporisch geprägten Lebensrealität beeinflusst ihr künstlerisches Schaffen. «Ich will mit meiner Kunst aber nicht didaktisch sein, auch wenn ich gesellschaftskritische Themen verhandle.» Playful – spielerisch soll sie sein. Und glamourös. Ganz Istifan selbst.
Solo-Ausstellung vom 12. 6. bis 6. 9. im Aargauer Kunsthaus, Aarau
Maya Hottarek (35)
Wie stehe ich in der Welt, zu meinen Mitmenschen, der Natur, zu mir selbst? «In meinen Werken gehe ich der philosophischen Frage nach den Bedingungen unserer Existenz nach», sagt die im Tessin geborene und in Basel lebende Maya Hottarek. «Durch Kunst kann ich auf eine gesunde Art und Weise daran forschen und Momente der Verortung kreieren.»
Hottareks komplexe Installationen entstehen durch Sound, Keramiken, analoge Fotografien und alternative Drucktechniken wie die Cyanotypie, ein historisches Druckverfahren, das mit Sonnenlicht arbeitet. Beim Werk «Grid Core» (Seite 107) erzeugten die Chemikalien in Reaktion mit dem Sonnenlicht sowie die anschliessende Waschung der Oberfläche einen tiefblauen Fotodruck: Wie zufällig angeordnet werden Vogel, Pflaster, Federn sichtbar – gegliedert durch ein reliefartiges Raster.
Ob diese Struktur den Objekten Halt gibt oder sie einengt? Das überlässt Hottarek dem intuitiven Urteil der Betrachter:innen.
Vom 15. bis 21. 6. im Rahmen der Swiss Art Awards in der Halle 1.1 der Messe Basel