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Wie Vivienne Westwood gegen die Modewelt rebellierte

Fashion

Wie Vivienne Westwood gegen die Modewelt rebellierte

Vivienne Westwood kritisierte mit ihrer Mode die Fashion-Welt, sagte dem Establishment den Kampf an und wurde zur Königin des Punk. Nun ist die britische Designerin mit 81 Jahren gestorben.

Die britische Modeschöpferin Vivienne Westwood ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Sie kam 1941 in einem kleinen Dorf in der Nähe von Manchester zur Welt und wuchs mit Eltern auf, die sie ermutigten, ihre Fantasie zu verwirklichen und Neues zu kreieren. Als Teenager zog Westwood mit ihrer Familie nach London. Sie besuchte eine Kunstakademie, verliess diese aber nach einem Semester wieder aus Angst, von ihrer Kunst nicht leben zu können. Stattdessen wurde sie Primarlehrerin und heiratete mit Anfang zwanzig den Werkzeugmacher Derek Westwood (Hochzeitskleid und Schmuck designte sie natürlich selbst). Sie wurde Mutter.

Wenige Jahre später liess sich Westwood scheiden und lernte Malcolm McLaren kennen, selbst ernanntes Genie und Punk – und späterer Manager der Punkband Sex Pistols. Gemeinsam eröffneten die beiden Anfang der Siebzigerjahre ihre erste Boutique in der Londoner King’s Road, die über die Jahre Namen wie «Too fast to live, too young to die» oder «World’s end» trug. Und zeitweise schlicht den Namen «Sex» – was bedeutete, dass nur die ganz Mutigen den Shop überhaupt je betraten.

Prinzessin von einem anderen Planeten

Im Geschäft setzte sich das Konzept fort: Die Mode, die Vivienne dort anbot, war anders als alles, was die Kundschaft bisher kannte. Radikal, individuell und vor allem eine klare Kampfansage an die damalige Flower-Power-Mode. Westwoods Laden wurde zum Treffpunkt von Musiker:innen und Künstler:innen, zum Epizentrum des Punk. Sie arbeitete Kleider aus den Fünfzigerjahren um, kombinierte unterschiedliche Materialien und bedruckte T-Shirts mit provokanten Botschaften. Und war selbst ihr bestes Model: Mit Plastik-Négligés, hochgesteckt-wildem Haar, schwindelerregend hohen Stilettos und provokanten T-Shirt-Slogans fühlte sie sich wie eine Prinzessin von einem anderen Planeten.

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«Sie liess sich von Königsroben inspirieren, provozierte mit der Ablehnung des Establishments»

Punk war für sie weit mehr als Mode. Die Bewegung war politisch, das Ziel die Revolution. Kleider und Musik sollten die Wut der Jugend kanalisieren und einen Wandel herbeiführen. Als dieser nicht kam, zog Westwood enttäuscht weiter, nahm aber ihre revolutionären Ideen mit und stürmte damit Anfang der Achtzigerjahre die Laufstege in London und Paris. Sie liess sich unter anderem von Königsroben zu ihren exzentrischen Entwürfen inspirieren, provozierte ausserdem mit der Ablehnung des Establishments.

Ohne Höschen im Buckingham Palace

Es brauchte einen Moment, bis die Öffentlichkeit ihre Mode ernst zu nehmen begann. Doch ihre Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Sie wurde zum Star der englischen Mode. Und setzte sich mit ihr (und gemeinsam mit ihrem dritten Ehemann Andreas Kronthaler) gegen gesellschaftliche Missstände, für Umwelt- und Klimaschutz und die Stärkung der Demokratie ein. Ausserdem rief sie regelmässig dazu auf, weniger zu konsumieren und Gekauftes länger zu nutzen – auch ihre Kleider.

Den Punk in sich verlor sie dabei nie, Systemkritik blieb einer ihrer Grundpfeiler. Und trotz ihres unkonventionellen Schaffens verlieh die Queen der Moderebellin 1992 den Order of the British Empire. Zur Ehrung im Buckingham Palace erschien sie ohne Höschen. Die Queen war not amused, adelte Westwood 2006 schliesslich aber sogar zur Dame of the British Empire. Die Königin der Punkmode war sie da definitiv schon lange.

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