Interview

«Man muss sich mit seinem Parfum identifizieren können»

Text: Gina Sergi; Foto: Guerlain

«Man muss sich mit seinem Parfum identifizieren können»
  • Derr Herr der Guerlain-Düfte: Thierry Wasser

Sein Name ist nicht wie der seiner Vorgänger – sein Name ist Wasser. Als erster Parfumeur des Hauses Guerlain, der nicht aus der Familie stammt, hat Thierry Wasser unter anderem den Duft «Mon Guerlain Intense» hergestellt. In unserem Interview lässt der Schweizer uns in die duftende Welt von Guerlain eintauchen.

annabelle: Thierry Wasser, Sie haben Mon Guerlain Intense entwickelt. Was macht den Duft aus?
Thierry Wasser: Der Duft soll eine Ode an die Weiblichkeit sein, er soll sie zelebrieren – ein Tribut von Guerlain an die Frau. Lavendel und Vanille sind die Hauptingredienzien, wie so oft bei Guerlain. Sandelholz und Patchouli unterstützen den Duft mit einer holzigen Note.
 
Angelina Jolie ist das Gesicht des Duftes. Inwiefern passt der Duft zu ihr?
Angelina Jolie engagiert sich rund um die Welt für Menschen. Das Parfum steht für Kraft und Selbstvertrauen. Der intensive Duft soll eine facettenreiche Frau, wie Angelina Jolie sie ist, beschreiben.
 
«Intense» ist bereits der fünfte Flanker von Mon Guerlain. Braucht es bei Düften immer noch eine Variation mehr?
Die Nachfrage nach Neuem ist gross, also ja. «Mon Guerlain» ist zudem ein beliebtes Parfum. Wir bringen mehrere Neuheiten pro Jahr auf den Markt.
 
Wie findet man bei so einer grossen Auswahl sein passendes Parfum?
Das Angebot ist riesig, deshalb sollte man sich bei der Auswahl Zeit nehmen. Wichtig ist, das Parfum auf der Haut zu testen, nicht nur auf einem Papierstreifen – die Haut lebt. Ausserdem bietet Guerlain einen Parfum-Test an, um den perfekten Duft zu finden.
 
Wie funktioniert dieser Test?
Mithilfe einer digitalen und einer professionellen Duftberatung wird man durch die Parfumwelt von Guerlain geführt. Nach wenigen Minuten werden aus 64 Düften drei Parfums vorgeschlagen, die den Duftvorlieben des Testers entsprechen. Der Favorit kann anschliessend in ein ausgewähltes Flacon abgefüllt und mit einer persönlichen Gravur versehen werden.
 
Haben Sie so Ihren perfekten Duft gefunden?
Nein, ich fand meinen Duft, als ich dreizehn Jahre alt war: Alle meine Klassenkameraden hatten damals schon Gesichtsbehaarung. Mein Gesicht hingegen, war immer noch unbehaart und babyglatt. Um mich älter zu fühlen, kaufte ich mir den Duft «L’Habit Rouge» von Guerlain. Seit ich dieses Parfum trage, fühle ich mich wie ein Mann – dieses Parfum bin ich, mein Umfeld assoziiert diesen Duft mit meiner Persönlichkeit. Und das macht meiner Meinung nach einen perfekten Duft aus – man muss sich damit identifizieren können.
 
Haben Sie Tipps zum Auftragen eines Duftes?
Diese Frage amüsiert mich. Es gibt keine Regeln, wie man Parfum auftragen soll. Es geht darum, sich mit dem Duft wohl zu fühlen. Wie und wo er aufgetragen wird, kann jeder für sich selbst entscheiden.
 
Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Nun, meine Arbeit ist vielfältig, denn ich habe eigentlich vier Jobs: Einerseits die Kreation, was eine frustrierende Arbeit sein kann – es gibt keine Regeln und da verliere ich mich schnell in den verschiedenen Düften. Dann gehört das Fabrizieren der Parfums zu meinen Aufgaben. Genauso wie die Medienarbeit. Da ich die Interaktion mit verschiedenen Menschen liebe, gefällt mir auch dieser Teil. Zu guter Letzt gehört das Einkaufen von Materialien zu meinem Beruf. Wahrscheinlich bin ich der einzige Parfumeur, der dies selbst erledigt – was ich gut finde, denn schliesslich verarbeite ich diese Ingredienzien später zu einem fertigen Duft.
 
Wie muss man sich diesen Einkauf vorstellen?
Ich treffe mich mit Bauern und Händlern und schnuppere an den Rohmaterialien. Dann wähle ich diejenigen Materialien aus, die in meinem Kopf am besten zusammenpassen und die intensivsten Düfte haben.
 
Und was machen Sie von all diesen Aufgaben am liebsten?
Ganz klar, Materialien einkaufen. Das ermöglicht es mir, zu reisen und spannende Materialien sowie Menschen kennenzulernen. Ich war dieses Jahr zum Beispiel in Haiti und Indonesien. Dadurch bin ich zwar oft weg von zu Hause, aber das gehört nunmal zu meinem Beruf, den ich gerade wegen seiner Vielfältigkeit so liebe.

 

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