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Birthday: Drei Frauen erzählen von ihrer Geburt

Familie

Birthday: Drei Frauen erzählen von ihrer Geburt

In der Rubrik «Birthday» sprechen wir mit Frauen aus der Schweiz über die Geburt ihrer Kinder. Über die grossen und kleinen Dramen – und über das grosse Glück.

Natalie Kauer (34) aus Bern über ihre zwei Geburten:

«Als ich schwanger wurde, wusste ich: Ich will ins Geburtshaus. Ich fand ein wunderschönes, in einem alten Bauernhaus. Im Vorfeld habe ich mich intensiv damit befasst, wie man mit Geburtsschmerzen umgehen kann. Dies half mir durch die 16 Stunden, in denen ich bei Kerzenschein meinen Sohn zur Welt brachte. Als er da war, kroch ich auf allen vieren ins Familienzimmer, so entkräftet war ich. Man brachte mir eine Schoggimilch, das tat gut. Doch dann teilte mir die Hebamme mit, dass mein Sohn ins Spital müsse, weil es ihm nicht gut gehe. Es stellte sich heraus, dass es nur ein Infekt war. Die Glücksgefühle jedoch waren verpufft, weil ich gestrandet war, wo ich nie hin wollte: im Spital. Dort landete ich ironischerweise auch bei der zweiten Geburt. Weil die Plazenta zu nah am Gebärkanal lag, bekam ich früh Blutungen. Eine vaginale Geburt war zu riskant. Also: Kaiserschnitt und OP statt Bauernhaus und Kerzen. Es war nicht romantisch, aber im Herzen hat es gestimmt für mich. Der Schlüssel war, dass ich Vertrauen fassen konnte, dass ich mich geöffnet habe. Das rate ich allen. Denn bei Geburten kommt fast immer alles anders als geplant.»

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Mary Sardegno (52) aus Aarau über die Geburt ihres Sohnes Alessio:

«Ich erinnere mich an die Geburt, als wäre sie gestern gewesen, dabei ist sie 15 Jahre her. Es war eine traumatische Erfahrung, auch wegen meines gewalttätigen Mannes. An einem frühen Samstagmorgen begannen die Wehen, zwei Wochen vor Termin. Ich rief die Hirslandenklinik an, man sagte mir, ich solle mich in die Badewanne legen, bis sie regelmässiger würden. Mein Mann schrie mich immer wieder an, weshalb ich noch nicht gepackt hätte. Ich weinte. Ich fühlte mich so allein und hatte Angst. Ich muss heute noch weinen, wenn ich darüber spreche. Erst gegen Abend waren die Wehen regelmässig und wir fuhren in die Klinik. Ich war nur noch Schmerz, er kontrollierte mein ganzes Sein. Mein Mann herrschte mich an, ich solle mal nicht so übertreiben. Während der Geburt sagte ich einmal: «Ich gehe jetzt, ich mach das nicht mehr mit.» Man legte mir eine PDA. Irgendwann sagte der Arzt, dass die Herztöne schlecht seien, er hole das Baby jetzt mit der Zange. Als mein Sohn am Sonntagmorgen endlich zur Welt gekommen war, war ich erschöpft und sehr glücklich. Von seinem Vater trennte ich mich 15 Monate später.»

Anna Müller* (30) über die Geburten von Jesaja (3) und Zipora (8 Monate):

«Wir waren gerade beim Znacht in der grossen WG, in der mein Mann und ich leben, als ich merkte, dass etwas anders ist. Ich hatte bereits 12 Tage übertragen. Dann platzte die Fruchtblase, um Mitternacht fuhren wir ins Geburtshaus. Es schneite. Während der Geburt wusste ich dann intuitiv, was ich brauchte: aus der Badewanne, in die Hocke, mich am Seil halten, das von der Decke hing. Es lief wie am Schnürli, das überraschte mich. Ich er-innere mich an die Wehenpausen, in denen ich zu meinem Mann sagte: ‹Ich weiss gar nicht, warum ich so schreie, es geht mir gut.› Dann begann ich wieder zu schreien. Morgens um 6 Uhr war Jesaja da. Auch meine Tochter Zipora wollte ich in diesem Geburtshaus gebären, eigentlich. An einem Freitag-morgen merkte ich, dass sich Wehen ankündigen. Am Mittag rief ich meinen Mann an. Um 13.55 Uhr war er da. Als er mit den Koffern zum Auto lief, kam das Fruchtwasser auf einen Chlapf, ich merkte: Ich kann nirgends mehr hin. Unter Anweisungen der Hebamme am Handy kam unsere Tochter in unserem Badezimmer um 14.20 Uhr zur Welt.» * Name geändert

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