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OPI-Gründerin Suzi Weiss-Fischmann über Karriere: «Niemand ist eine Superheldin»

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OPI-Gründerin Suzi Weiss-Fischmann über Karriere: «Niemand ist eine Superheldin»

Vor vierzig Jahren gründete Suzi Weiss-Fischmann OPI – heute die weltweit führende Firma für Nagelpflege. Ein Gespräch über Karriere, Küchengeräte und Kinderbetreuung.

Ihre Geschichte liest sich wie eine klassische Tellerwäscher-Karriere: vom Immigrantenmädchen aus Ungarn zur Leiterin des weltweit wichtigsten und grössten Unternehmens seiner Branche. Suzi Weiss-Fischmann (65) ist Co-Gründerin und kreativer Kopf von OPI. Die Erfolgsgeschichte ging vor genau vierzig Jahren in Hollywood los: Gemeinsam mit ihrem Schwager Georg Schaeffer führte sie eine Firma, die Dentalzubehör herstellte.

Die beiden realisierten rasch, dass immer mehr Nagelstudios zu ihrer Kundschaft gehörten – ihre Produkte eigneten sich nämlich vorzüglich für Kunstnägel. Also packten sie die Chance und begannen, ausschliesslich für Nagelstudios zu produzieren. Zuerst verkauften sie Material für künstliche Nägel, bald aber auch Nagellack in allen Farben des Regenbogens. Eine Sensation! Denn bis anhin hatte es den Lack nur in Rosé und Rottönen gegeben.

Mit ihren Destinationskollektionen, die von einem Land oder einer Stadt inspiriert sind und mindestens zweimal pro Jahr um eine neue Destination ergänzt werden, gelingt es Suzi Weiss-Fischmann immer wieder, die Essenz eines Ortes einzufangen. Sie ist auch nach vierzig Jahren noch die kreative Instanz bei OPI – und damit nicht nur für neue Farben verantwortlich, sondern auch für die humorvollen Namen, die in stundenlangen Meetings mit ihrem Team, gepaart mit Essen und Büchern der jeweiligen Destination entstehen.

Einer der ersten Farbtöne hiess «I’m Not Really a Waitress». Der Name beschreibt nicht nur dunkelroten Lack, eine Trendfarbe der frühen Neunziger, sondern auch die Atmosphäre von Los Angeles, wo jede Kellnerin auch eine Schauspielerin ist, die den Durchbruch noch nicht geschafft hat. Über die letzten vier Jahrzehnte folgten zahlreiche weitere Kultfarben: Von «You Don’t Know Jacques!», dem aufsehenerregenden taupefarbenen Klassiker, über «So Hot It Berns», den feuerroten Nagellack aus der Swiss Collection, bis zum rot glitzernden «I’m Really an Actress» aus der Jubiläumskollektion, die den Anfängen von OPI Tribut zollt.

annabelle: Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, würden Sie heute etwas anders machen?
Suzi Weiss-Fischmann: Nein, kein bisschen! Ich liebe es, zur Arbeit zu gehen. All die Erlebnisse, die ich in meinem Leben gehabt habe, machten mich zu dem, was ich heute bin. Als OPI wuchs, wuchs auch ich als Person. Ich kam als Immigrantin in die USA und habe den amerikanischen Traum gelebt. Es war eine grossartige Reise. Und das Beste daran ist, dass wir so viele Menschen auf diese Reise mitnehmen und dadurch viele Leben verändern konnten.

Wie hat sich das Nagelpflege-Geschäft in den letzten vierzig Jahren verändert?
Die grösste Veränderung kam sicherlich durch Social Media. Und OPI war schnell genug, da mitzumachen und auf allen Kanälen präsent zu sein. Wie wir Frauen erreichen, hat sich also stark verändert, und wie schnell wir neue Trends verbreiten und uns mit unseren Kundinnen austauschen können. Zum Glück muss man aber immer noch ins Nagelstudio, um sich die Nägel machen zu lassen. Das lässt sich nicht über Social Media erledigen. Diese persönliche Verbindung zwischen der Nageltechnikerin und der Kundin finde ich grossartig.

Wie war die Kommunikation denn damals, als Sie OPI gegründet haben?
Wir haben uns damals noch persönlich mit den Beauty-Redaktorinnen getroffen, haben Pressemitteilungen und Produkte per Post verschickt. Der menschliche Kontakt stand damals noch viel stärker im Fokus und ich konnte Beziehungen zu Journalistinnen, Kundinnen und Frauen auf der ganzen Welt knüpfen.

Worauf sind Sie am meisten stolz?
Auf diese Beziehungen. Wir haben es als Marke geschafft, eine Verbindung zu den Frauen zu schaffen. Am meisten freut mich die unglaubliche Reaktion auf unsere Marke. Wenn ich jemandem sage, wer ich bin, drehen die Leute durch! Gerade kürzlich sprach ich mit einer jungen Frau in einem Laden und wir kamen irgendwie auf OPI zu sprechen und plötzlich standen alle Verkäuferinnen des Ladens um uns herum! Und das Beste: Sie alle zitierten die Namen ihrer Lieblingsfarben!

Was macht OPI so einzigartig?
Dass wir über den Tellerrand hinausschauen. Wir haben Nagellack neu interpretiert. Nagellack hat plötzlich Spass gemacht, und tut es bis heute. Wir haben uns immer gefragt, wie wir Dinge anders und besser machen können. Haben mit Stars gearbeitet, mit der Filmindustrie, der Musikindustrie, mit Firmen – ich habe beispielsweise mal für einen Küchengerätehersteller Nagellackfarben kreiert. Ein tolles Rot namens «I Don’t Do Dishes», ich finde diese Farbe sollte jede Frau auf ihrem Küchentresen stehen haben.

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«Ich sage immer: Niemand ist eine Superheldin, gönnen Sie sich auch mal eine Pause»

Wie halten Sie es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?
Hilfe ist enorm wichtig. Und ich sage jungen Frauen immer: Niemand ist eine Superheldin, gönnen Sie sich auch mal eine Pause, sie können nicht alles auf einmal tun. Ich hatte das Glück, Unterstützung von meiner Familie zu erhalten, so konnte ich mich bei der Arbeit wirklich auf die Arbeit konzentrieren. Oder engagieren Sie eine Nanny! Und treffen Sie Entscheidungen, setzen Sie Prioritäten. Man muss Dinge aufgeben und das ist in Ordnung. Konzentrieren Sie sich auf das, was für Sie und Ihre Familie am besten funktioniert.

Und welche Karrieretipps können Sie uns geben?
Umgeben Sie sich mit einem Team, das dieselbe Vision hat wie Sie und das Ihnen helfen kann, diese umzusetzen. Als gute Führungsperson realisieren Sie, dass andere Menschen gewisse Dinge besser können als Sie. Lernen loszulassen ist wahnsinnig wichtig. Das war für mich anfangs schwierig, ich bin sehr kompetitiv und ambitioniert. Aber es hat mir dabei geholfen, mich auf meine Aufgaben zu fokussieren und meine Mitarbeiter das tun zu lassen, was sie am besten können.

Wie gehen Sie mit Konkurrenz um?
Konkurrenz ist gut und wichtig, sie hält einen auf Trab. Neue Brands machen unsere Branche interessant und motivieren uns dazu, mit den Neuheiten mitzuhalten. Es ist wichtig zu wissen, was sich um einen herum tut, damit man den anderen einen Schritt voraus sein kann.

Woher kommt Ihre Inspiration für neue Farben?
Ich schaue zuerst auf Trends, lasse mir Bücher aus Paris und Mailand zukommen. Aber mich interessieren nicht nur die Farbtrends, sondern auch gesellschaftliche Trends. Diese beeinflussen meine Kollektionen genauso.

Verraten Sie uns das Erfolgsgeheimnis Ihrer Kollektionen?
Es gibt darin immer eine Bandbreite an Farben: von klassisch über sexy bis mutig. Wir wollen Frauen überall auf der Welt ansprechen. Jede Frau soll in meinen Kollektionen genau die Farbe finden, nach der sie gesucht hat.

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