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Warum uns der veränderte Zyklus nach der Corona-Impfung so beschäftigt

Gesundheit

Warum uns der veränderte Zyklus nach der Corona-Impfung so beschäftigt

Die Covid-19-Impfung kann zu einer Veränderung des Menstruationszyklus führen. Woran das liegt und wieso so viel darüber gesprochen wird, erklärt Dr. med. Regine Laser.

«Bei einer Kollegin trat die Menstruation nach der Corona-Impfung 15 Tage früher ein. Eine andere hatte danach knapp einen Monat lang Blutungen», schreibt eine Userin in die Kommentarspalte eines Online-Berichts auf Instagram. Doch nicht nur auf Social Media, auch im eigenen Umfeld berichten geimpfte Freundinnen und Bekannte vermehrt über einen stark verkürzten Zyklus, Zwischenblutungen oder eine verstärkte Menstruation. Von zehn Tagen zwischen der einen und der anderen «Monats»-Blutung. Kaum verwunderlich also, dass solche Meldungen nebst reiner Kuriosität auch Unsicherheiten und Zweifel hervorbringen können. Doch inwiefern – wenn überhaupt – besteht ein Zusammenhang zwischen dem Corona-Vaccine und der Veränderung des Menstruationszyklus? Gynäkologin Dr. med. Regine Laser erklärt, was genau hinter dem Phänomen steckt.

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Dr. Regine Laser, gibt es einen Zusammenhang zwischen der Corona-Impfung und einer Veränderung des weiblichen Zyklus?  
Dr. med. Regine Laser: Jein. Jede Impfung und jeder Infekt kann sich auf den Fortpflanzungsmechanismus auswirken. Das liegt daran, dass es sich bei diesem um eine sogenannte Sekundärfunktion des Körpers handelt. Bevor es überhaupt zum Eisprung kommt, muss alles andere intakt sein. Befindet sich der Körper im Ausnahmezustand, wie etwa in Stresssituationen oder wenn das Immunsystem auf einen Reiz reagiert – beispielsweise nach einer Impfung oder während einer Erkrankung –, werden diese Funktionen als Erstes heruntergefahren. Das sind aber nur temporäre Veränderungen.

Was heisst «temporär»?  
Man muss schlicht warten, bis sich im Körper wieder alles eingependelt hat. Das ist auf die Programmierung unseres Körpers für Steinzeitbedingungen zurückzuführen. Genauer: Diese Reaktion  dient der Überlebenssicherung.

Wie soll man das verstehen?  
Nur eine gesunde, genährte Mutter kann das Kind stillen, tragen, beschützen und versorgen. Somit ist einer Schwangerschaft ein gesunder Allgemeinzustand vorausgesetzt.

Wieso hört man insbesondere bei dieser Impfung gehäuft von solchen «Nebeneffekten»?  
Es entspricht dem heutigen Zeitgeist, bewusst auf den eigenen Zyklus zu achten. Unzählige Apps und Messgeräte ermöglichen es, schon kleinste Abweichungen zu registrieren. Mit deren Hilfe können Frauen ihren Zyklus täglich nachverfolgen. Viele nehmen das auch als Indikator, um die «gesunde» Funktionsweise des restlichen Körpers festzustellen. Tatsächlich ist es aber auch eine mitteleuropäische Luxuserscheinung. Zusätzlich handelt es sich bestimmt auch um eine verzerrte oder verstärkte Selbstwahrnehmung nach der Impfung. Corona ist ein grosses Thema, die Impfung erst seit kurzem auf dem Markt. Wurde man geimpft, hat man – teils auch unbewusst – die Erwartung, dass etwas mit dem eigenen Körper passieren muss.

Was meinen Sie mit Luxuserscheinung? 
Die Zeit, darüber nachzudenken, ob die Periode oder der Eisprung nun zwei bis drei Tage früher oder später eintritt, ob die Blutung verstärkt oder abgeschwächt ist, nimmt sich nur, wer keine Überlebens- oder Existenzängste hat.

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Ist von der Verhütung mit Zykluscomputern während dieser Zeit abzuraten?  
Das Verhüten mit einem Zykluscomputer ist im Grunde nur dann verlässlich, wenn der Zyklus jeden Monat gleich verläuft. Ausserdem erleben etwa fünf Prozent aller Frauen keinen wahrnehmbaren Temperaturanstieg nach dem Eisprung, was Messungen durchaus verfälschen kann. Von daher sollte dabei generell Vorsicht geboten sein. Abweichungen werden oftmals nur rückblickend festgestellt – das ist natürlich problematisch. Um sicherzugehen, greift man im Impfmonat zu zusätzlichen Verhütungsmitteln: wie etwa zum Kondom.
 
Wie steht es um den Kinderwunsch?  
Viele Fachgesellschaften raten dazu, in den ersten ein bis zwei Monaten nach der Impfung auf eine Schwangerschaft zu verzichten. Auch wird für das erste Schwangerschaftstrimester von der Impfung abgeraten. Beides liegt daran, dass schlicht zu wenig Daten darüber vorliegen, welchen Effekt die Impfung in einem so frühen Stadium der Schwangerschaft auf den Embryo haben könnte.

Wieso, was könnte denn schlimmstenfalls passieren?  
Theoretisch kann gar nichts passieren, kein Mechanismus ist denkbar. Aber bevor nicht eine Studie mit frisch Schwangeren durchgeführt wird oder zufällig 10 000 Schwangere vor der 12. Schwangerschaftswoche geimpft werden, die Kinder anschliessend geboren und für unauffällig befunden werden, gibt es keine Impfempfehlung.

Wie kommt es, dass sich Gynäkolog:innen trotz bleibender Unsicherheiten für die Impfung von Schwangeren aussprechen?  
Das liegt daran, dass Schwangere einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, schwer an Covid-19 zu erkranken. Besonders Schwangere mit Zusatzrisiken, wie zum Beispiel Diabetes oder Übergewicht. Deshalb wird die Impfung Schwangeren und auch ihren Partnern oder Mitwohnenden ab dem zweiten Trimester empfohlen. Bisher ist nicht bekannt, ob der Impfschutz möglicherweise gar an die Kinder weitergegeben wird. Was man feststellen musste, war jedoch, dass eine Covid-19-Erkrankung zu Frühgeburten, Mangelentwicklungen und im Weiteren zu bleibenden Schäden bei Neugeborenen führen kann.

Was sagen Sie zum Gerücht, die Covid-19-Impfung mache unfruchtbar? 
Das ist völlig absurd und macht biologisch sowie wissenschaftlich überhaupt keinen Sinn. Das wäre, als ob man behaupten würde, der Verzehr von Früchtemüesli mache impotent.

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Dr. med. Regine Laser ist Ärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Hormonspezialistin mit eigener Praxis in Zürich.

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Angelika

Könnte es sein, dass eine unbemerkte Thrombozytopenie oder Schilddrüsenprobleme zu vermehrt starken Regelblutungen oder Zwischenblutungen führen können nach Impfung?

Last edited 9 days ago by Angelika