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Weibliche Lust: Warum interessieren sich Frauen weniger für Pornos als Männer?

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Weibliche Lust: Warum interessieren sich Frauen weniger für Pornos als Männer?

57 Prozent der Teilnehmerinnen unserer Studie «annajetzt» gaben an, sich nicht für Pornografie zu interessieren. Wie kann das sein? Paar- und Sexualtherapeutin Heike Melzer erklärt, warum Frauen und Männer anders auf Pornos reagieren.

Alle schauen Pornos. Könnte man meinen. Bei unserer Frauenstudie «annajetzt» gab jedoch mehr als die Hälfte der befragten Frauen an: «Pornografie interessiert mich nicht.» Kann das sein? Eine kleine – nicht repräsentative – Umfrage im Umfeld ergibt schon mal das Gegenteil. Wo liegt also das Problem? Frauen und Männer reagieren anders auf Pornografie, sagt Heike Melzer, Paar- und Sexualtherapeutin aus München. «Männer sind evolutionär darauf getrimmt, ihre Gene breitflächig zu verteilen, und achten vermehrt auf sexuelle optische Reize», so Melzer.

«Was schaue ich mir da eigentlich an?»

Unsere Gehirnstrukturen, in denen die Triebe und Gefühle organisiert werden, reagieren mit Erregung, egal, ob es sich um eine reale oder virtuelle Situation der Pornografie handelt. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen tut sich was im Schritt – nur ist für Frauen die Erregung oftmals nicht mit dem Gezeigten in Einklang zu bringen. «Sie fragen sich: Was schaue ich mir da eigentlich an?», so Melzer. Sie hinterfragen auch mehr, unter welchen Umständen der Porno entstanden ist oder wie die Frau im Film abgebildet wird. Und da ist es dann bei Frau eben schnell vorbei mit der Lust. 36 Prozent der Befragten finden Pornos frauenfeindlich. Mit Erniedrigungen oder offensichtliche Gewalt freunden sich Frauen weniger an als Männer.

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Lieber eine erotische Lektüre

Und: «Wenn man sich mit der Weiblichkeit, die in Pornos gezeigt wird, nicht identifizieren kann und im Alltag eh schon mit Objektifizierung konfrontiert ist, findet man das nicht anziehend.» Laut Heike Melzer greifen Frauen lieber zu Sextoys oder kurbeln die Fantasie mit erotischer Lektüre an. Dazu kommt, dass Frauen einen grösseren Wert auf Emotionen legen als Männer. Und Gefühle spielen in Pornos ja bekanntlich keine grosse Rolle – ganz im Gegensatz zu schriftlichen Ergüssen wie «Fifty Shades of Grey»: Mit Geschichten wie dem BDSM-Bestseller läuft das Kopfkino intensiv, weil die Szenen im Kopfkino unter Eigenregie ausgestaltet werden können.

Also stimmt das Klischee wirklich: Groschenroman statt Luststreifen? Nicht ganz, sagt Melzer. 25 % der Porno-Konsumenten sind Frauen, Tendenz nach oben. Bei Frauen spielen die Ästhetik und Handlungstiefe eine stärkere Rolle als bei Männern: Vor allem Pornos, in denen eine Geschichte erzählt wird, kämen gut an. Und dann gebe es noch Frauen, die auf den «Turbo-Anschieber» stehen: Man schaut sich etwa Gangbang-Sequenzen an, um dann den Vibrator aus dem Nachttisch zu holen. Melzer: «Nur hängen Frauen das nicht unbedingt an die grosse Glocke.» Auch nicht im Rahmen einer Umfrage.

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«annajetzt – Frauen in der Schweiz» ist die grosse Frauenbefragung von annabelle und Sotomo. Über 6200 Frauen zwischen 16 und 89 Jahren haben an der repräsentativen Umfrage teilgenommen

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