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«Wir Eltern sollten offener über unsere Einsamkeit sprechen»

Familie

«Wir Eltern sollten offener über unsere Einsamkeit sprechen»

In unserer Rubrik «The Mamas and the Papas» kommen Eltern aus der Schweiz zu Wort: Ein ehrlicher Fragebogen über Liebe, Erschöpfung, politische Missstände und Parenting-Hacks. Diesmal mit Maike, Mutter von zwei Kindern.

Vorname: Maike

Alter: 39

Beruf: Ärztin

Kinder: Zwei Kinder (zwei und vier Jahre alt)

Familienstruktur: Ehemann ebenfalls Arzt, beide zu 80 % erwerbstätig (jeder 40 Stunden/ Woche). Sorgearbeit wird versucht gerecht zu teilen; Kinder gehen drei Tage in die Kita, BabysitterInnen kommen regelmässig zum Einsatz

Am alleranstrengendsten im Alltag mit Kindern finde ich … die vielen Situationen der Kinderfeindlichkeit. Wenn ich schon im Zoo schief angeschaut werde, wenn die Kids laut sind … Entschuldige vielmals, dass du nicht in Ruhe die Vögel beobachten kannst!

Eine Sache, die mir in der Erziehung ganz besonders wichtig ist: Resilienz zu fördern

So erschöpft bin ich gerade von 0 bis 10: 8

Unterschätzt habe ich am Elternsein: Die kontinuierliche Reizüberflutung

Eine Anschaffung, die uns das Leben gerettet hat: Das Tragetuch

Der beste Podcast für Eltern: «Beziehungskosmos»

In dieser Situation spüre ich die Liebe zu meinen Kindern immer ganz intensiv: Wenn wir uns so umarmen, dass wir fast verschmelzen

Wenn Geld keine Rolle spielen würde … wären Betreuungseinrichtungen für alle umsonst.

Väter ... unserer Generation brechen vielfach mit Konventionen und bekommen dafür nicht genug Anerkennung.

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«Mental Load ist der Endgegner»

Vereinbarkeit … ist erst dann möglich, wenn mehr Personen in den Führungsetagen und der Politik sind, die selber wirklich Sorgearbeit geleistet haben. Oder so fortschrittlich und weitblickend denken wie meine Chefin, die keine Kinder hat, aber flexibel und mutig genug ist, neue Arbeitszeitmodelle auszuprobieren.

Eine Sache, die uns als Paar extrem hilft: Ein Abend die Woche für uns

Mein schlauster Parenting-Hack: Beim Vorlesen bei der Einschlafbegleitung normal starten und dann immer langsamer und monotoner weiterlesen

Mental Load … ist der Endgegner.

Das bringt mich als Mutter sofort zum Weinen: Nachrichten über Gewalt an Kindern

Eine Sache, die sich familienpolitisch in der Schweiz ganz dringend ändern muss: Dass für Kinder und Familien mehr gesellschaftliche Verantwortung übernommen wird. Ohne Kinder stirbt unsere Gesellschaft – oder um es positiver zu formulieren: Nirgendwo ist Geld besser investiert als in unsere Kinder! Familien so allein zu lassen, ist kurzsichtig gedacht und nicht mehr zeitgemäss. Ein Beispiel: Zu viele Personen können in der Schweiz ihren Beruf nicht mehr ausüben, obwohl sie es wollen, weil sie sich die familienergänzende Betreuung nicht leisten können. Gleichberechtigung ist längst nicht mehr nur eine Idee, über die philosophiert wird, sondern sie wird gelebt – ja, auch in der Schweiz!

Der Begriff Work-Life-Balance … entlockt den meisten von uns nur ein müdes Lächeln, während wir abends um zehn Wäsche aufhängen.

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«Es ist skandalös, dass Mütter in der Schweiz bis zur Geburt erwerbstätig sein sollen»

Das nervt mich an anderen Eltern am meisten: Das Urteilen über andere Eltern. Verschieden gelebte Familien-/ Erziehungsmodelle sollten als Bereicherung und Inspiration angesehen werden. Das Ziel sollte sein, dass es allen gut geht und nicht, dass es alle gleich machen.

Etwas, worüber wir Eltern ehrlicher reden sollten: Unsere Ängste, Scham und Gefühle der Einsamkeit

Eine Sache, die ich über mich selbst gelernt habe, seit ich Mutter bin: Ich bin nicht so belastungsfähig, wie ich dachte. Und das ist in Ordnung.

Eine Sache, die sich in der Arbeitswelt aus Elternsicht dringend ändern muss: Wenn ich nur eins wählen darf: Der Mutterschutz/ Mutterschaftsurlaub. Es ist skandalös, dass Mütter in der Schweiz bis zur Geburt und schon ein paar Monate nach der Geburt wieder erwerbstätig sein sollen. Das ist weder ausreichend Zeit, um sich mental und körperlich auf die Geburt vorzubereiten, noch um sich auf die veränderten Lebensumstände einzustellen und ausreichend körperlich zu heilen.

Eltern in der Schweiz … sind zu erschöpft, um angemessen wütend zu sein.

Die grösste Challenge als Paar, seit wir Eltern sind: Sich immer wieder daran zu erinnern, dass wir ein Team sind

 

Hier findet ihr alle Folgen «The Mamas and the Papas»

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Benoit

Als Papa und Arzt kann ich das alles absolut unterschreiben.