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Wo bleibt die Pille für den Mann?

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Wo bleibt die Pille für den Mann?

Es ist sechzig Jahre her, seit die Pille für die Frau auf den Mark gekommen ist. Die Pille für den Mann lässt jedoch immer noch auf sich warten.

Die Forschung schaffte es innert weniger Monate, einen Impfstoff gegen ein unbekanntes Virus zu entwickeln. Doch sechzig Jahre nach Erfindung der Pille für die Frau, warten wir weiterhin sehnsüchtig auf jene für den Mann. Wie kann das sein? Will sich ein Mann vor dem Kinderzeugen schützen, stehen ihm nach wie vor nur Kondome und die Vasektomie, also das Durchtrennen der Samenleiter, zur Verfügung – oder eine Paketbestellung aus Frankreich, wo Unterhosen und Ringe zur natürlichen thermischen Verhütung verkauft werden. Sie bewirken das, was die «Hodenbädeler», ein alternativer Zürcher Männerclub, schon in den 1980er-Jahren erreichen wollten: Durch Zuführen von Wärme produzieren die Hoden keine Spermien mehr.

Geforscht wird aktuell an hormonellen Präparaten wie Gels, Spritzen und Pillen. Daneben tüftelt man an Verfahren wie etwa einem Ventil, das sich Männer in den Samenleiter einsetzen lassen können, oder an einer reversiblen Vasektomie. Marktreif ist bisher nichts davon. Aktuell laufen zwar wieder klinische Studien zu hormonellen Präparaten. Doch Fabian Hennig, der am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universitätsmedizin Mainz zu Zeugungsverhütung und Männlichkeit doktoriert, relativiert: «Es gab bereits zahlreiche klinische Studien. Einige haben gar bewiesen, dass effektive Verhütung möglich ist. Dennoch folgte nicht die entscheidende dritte Studienphase oder sie wurden, wie im Fall der WHO-Studie, vorzeitig abgebrochen.»

«Verhütung wird stark mit Weiblichkeit assoziiert»

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stoppte 2011 eine Studie mit einem hormonellen Präparat, nachdem zehn Prozent der Männern über Antriebslosigkeit oder Gewichtszunahme klagten – also über ganz ähnliche Folgen, die Frauen seit sechzig Jahren in Kauf nehmen.

Es hat also insbesondere gesellschaftliche und finanzielle Gründe, dass wir weiterhin auf die Pille für den Mann warten. Fabian Hennig sagt: «Verhütung wird stark mit Weiblichkeit assoziiert. Das Interesse der Pharma-Industrie ist zudem gering, weil sie gut an der Empfängnisverhütung für Frauen verdient.» Man gehe dort offenbar davon aus, dass Männer die Präparate nicht einnehmen würden – und sich der kostenintensive Entwicklungsaufwand somit nicht rechnet.

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