"Ich hätte gerne den Mut für eigene Filme": 14 Bekenntnisse von Lia von Blarer
Promi-Crushes, prägende Erlebnisse, schlechtes Gewissen: In diesem Fragebogen geben Künstler:innen so einiges preis. Heute mit der Schauspielerin Lia von Blarer.
- Von: Sarah Lau
- Bild: Jessica Mustelier
Etwas, das Sie an sich selbst merkwürdig finden?
Ich bin – seit ich denken kann – sehr ausgeprägt nachtaktiv. Am liebsten arbeite ich ab 21 Uhr abends bis morgens früh um 5. Ich weiss nicht, ob ich merkwürdiger finde, dass ich so ticke, oder dass die komplette westliche Welt so sehr aufs Frühaufstehen fixiert ist.
Was können Sie an Ihrem Job nicht ausstehen?
Die Passivität, in die wir Schauspielenden gedrängt werden. Gewollt werden ist entscheidend, selber wollen nicht so wichtig. Der Ablauf im deutschsprachigen Raum sieht vor, dass Produktion, Casting oder Regie auf Schauspielende zugeht, nicht umgekehrt. Ich habe diesen Beruf aber gewählt, weil ich so viel will und weil ich so viele Interessen habe. Ein Nein nach einem Kennenlernen ist nicht das Problem – aber die Möglichkeit eines Kennenlernens nicht zu haben, ist einfach uninspirierend.
Das prägendste Erlebnis Ihres Lebens?
Meine allererste beste Freundin. Wir haben uns als Vierjährige auf dem Spielplatz kennengelernt. Ich wollte Clown werden und sie hat über meinen Witz gelacht. Seitdem gehen wir zusammen durchs Leben.
Wie viele gute Freund:innen haben Sie?
Ich habe grosses Glück mit den Menschen in meinem Leben. Und ich finde, ein gutes Neu-Kennenlernen fühlt sich immer ein wenig an wie ein langersehntes Wiedersehen. Dadurch, dass ich so viel unterwegs bin, sind meine Bekannt- und Freundschaften ebenfalls in Bewegung. Es gibt aber einen festen Kern, für den ich jederzeit alles stehen und liegen lassen würde.
"Ich verlaufe mich in meinen Gedanken und kippe aus der Zeit, wenn ich allein bin"
Ihre schlechteste Charaktereigenschaft?
Ich verlaufe mich in meinen Gedanken und kippe aus der Zeit, wenn ich allein bin.
In welcher Situation verlieren Sie sofort die Geduld?
Auf den Aufzug zu warten leuchtet mir einfach nicht ein. Ich nehme immer die Treppe.
Eine prominente Person, die Sie unglaublich sexy finden?
Kae Tempest. Was für eine kluge, lyrisch gewaltige, über alle Massen talentierte Person. Kaes Werke in Form von Literatur, Musik und Lyrik sind so poetisch auf den Punkt, dass sie sowohl mein Denken als auch mein Fühlen erweitern.
Wann mussten Sie zum letzten Mal weinen?
Im Kino, beim Film «Staatsschutz» von Faraz Shariat. Für mich kommt hier zusammen, was Filmkunst so einzigartig intensiv macht: Ton, Musik, Bild und Schauspiel verschmelzen zu einem grossen Ganzen, das einem den Atem nimmt. Und einen trotz emotionaler Aufruhr gestärkt aus dem Kinosaal entlässt.
Was würden Sie umsetzen, wenn Sie nur den Mut dazu hätten?
Ich würde mich irgendwo niederlassen, wo es viele Bäume und Hügel gibt. Einen Alltag gestalten, Strassentiere adoptieren und mich regelmässig und verbindlich politisch und sozial engagieren. Und ich würde anfangen, meine eigenen Filme zu machen.
Etwas, das Sie besser können als alle anderen?
Ich bin eine sehr gute Zu-Fuss-Geherin. Durch Berlin zu laufen ist für mich ein eigener Sport, eine Art Hindernislauf aus Menschenmassen, Ampeln und Zeitdruck. Ich sehe mich ja bei Olympia beim leichtathletischen Gehen – allerdings nur auf Kurzstrecke.
"In der Öffentlichkeit zu stehen ist für mich oft ein Cringe-Mount-Everest"
Was nehmen die Leute oft über Sie an, was eigentlich nicht stimmt?
Dass ich gut mit Aufmerksamkeit umgehen kann, weil ich Schauspielerin bin. In der Öffentlichkeit zu stehen, ohne dabei in einer Rolle zu sein, ist für mich aber oft ein Cringe-Mount-Everest.
Etwas, worin sie viel schlechter sind als alle anderen?
Priorisieren. Kann ich nicht. Schlimm.
Was macht Ihnen regelmässig ein schlechtes Gewissen?
Meine To-do-Liste. Und meine Pflanzen.
Wann fühlen Sie sich schön?
Wenn ich mich selbst vergesse und nicht mehr darüber nachdenke, wie ich mich finde, sondern mich durch Diskussionen, Gedanken oder einem guten Schlagabtausch mit anderen verbinde. Am liebsten nachts, am liebsten rauchend an offenen Fenstern und dann geht auf einmal die Sonne auf.
Die neuen SRF-Serie «Blind» mit Lia von Blarer feiert am 27. September Premiere am Zurich Film Festival und startet am selben Tag auf SRF und PlaySRF.