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ZFF 2026: Diese Filme wollen wir auf keinen Fall verpassen

ZFF 2026: Diese Filme wollen wir auf keinen Fall verpassen

Grosse Namen, überraschende Geschichten und Stoff für Diskussionen: Die annabelle-Redaktion verrät, auf welche Filme sie sich am Zurich Film Festival besonders freut.

Zürich rollt wieder den grünen Teppich aus: Vom 24. September bis 4. Oktober 2026 findet das 22. Zurich Film Festival statt. In der annabelle-Redaktion studieren wir schon das Programm und hoffen, dass sich möglichst viele Kinobesuche unterbringen lassen. Auf diese Filme freuen wir uns besonders – und verraten euch, warum.

«Gentle Monster»

Regie: Marie Kreutzer

Darum geht es: Lucy (Léa Seydoux) lebt mit ihrer Familie auf dem Land, als plötzlich die Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl vor der Tür steht und die digitalen Geräte ihres Mannes beschlagnahmt und die vermeintliche Harmonie über den Haufen schmeisst. 

Darum freue ich mich auf den Film: Ich mag Filme, die mich zum Nachdenken anregen, die hängen bleiben. Und der hier verspricht Denkanstösse der elementaren Sorte: Wie gut kennen wir die, die wir am besten zu kennen vermeinen? Wie sehr kann man sich in einem geliebten Menschen täuschen? Mit diesen grossen Themen beschäftigt sich der eindringliche Thriller. Am Ende verlässt man den Kinosaal wohl also mit Brummschädel und jeder Menge Gesprächsstoff für den Drink nach dem Film. Und später, mitten in der Nacht, im Bett, das man sich vielleicht mit jemandem teilt, kommt unvermeidbar die ultimative Frage: Wie viel Vertrauen braucht die Liebe? Persönlicher Tipp von Sandra Brun

Spielzeiten: Do. 24. Sep. 21:00 Kinokoni / Do. 1. Okt. 21:00 Corso 2 / So. 4. Okt. 20:30 Arthouse Le Paris

«Ink»

Regie: Danny Boyle

Darum geht es: 1969 übernimmt Rupert Murdoch (Guy Pearce) die angeschlagene britische Zeitung «The Sun» und setzt den ehrgeizigen Larry Lamb (Jack O’Connell) als Chefredaktor ein. Gemeinsam machen sie aus dem Blatt ein sex- und skandalhungriges Massenmedium – und verändern damit die britische Medienlandschaft.

Darum freue ich mich auf den Film: Als Journalistin schaue ich anderen gern beim Blattmachen zu: in «Die Verlegerin» mit Meryl Streep, im Watergate-Klassiker «Die Unbestechlichen» oder zuletzt in der lustigen Serie «The Paper». Bei «Ink» rechne ich allerdings mit erhöhtem Blutdruck. Mich interessiert, wie aus dem Wunsch, eine Zeitung zu machen, die möglichst viele Menschen lesen wollen, ein Geschäft wird, in dem die Wahrheit zunehmend stört. Murdoch hat unsere heutige Wahrheitskrise nicht allein verursacht, aber kräftig an ihren Grundlagen mitgebaut. Deshalb erhoffe ich mir von «Ink» mehr als nostalgisches Redaktionsgewusel mit Zigaretten und Schreibmaschinen. Ich will sehen, wie lange man sich einreden kann, man mache doch bloss eine gute Schlagzeile. Ausserdem spielt meine geliebte Claire Foy eine Journalistin, die sich gegen den zunehmenden Sexismus auflehnt. Persönlicher Tipp von Jacqueline Krause-Blouin

Spielzeiten: Di. 29. Sep. 21:00 Kongresssaal / Do. 1. Okt. 20:15 Kongresssaal / Sa. 3. Okt. 21:00 Corso 1

«Succederà questa notte»

Regie: Nanni Moretti

Darum geht es: Matteo (Louis Garrel) und Greta (Jasmine Trinca) begegnen sich zum ersten Mal auf einem Tennisplatz – wenige Minuten, bevor sie einen anderen heiratet. Es ist der Beginn einer Liebesgeschichte, die sich über 17 Jahre und halb Europa zieht: Immer wieder treffen die beiden aufeinander, immer wieder scheint der richtige Moment gerade vorbei zu sein. Nanni Moretti erzählt in seinem überraschend romantischen Melodram von verpassten Gelegenheiten, Begehren und der Frage, ob eine grosse Liebe auch dann überleben kann, wenn das Timing nie stimmt. Frei nach Erzählungen des israelischen Schriftstellers Eshkol Nevo.

Darum freue ich mich auf den Film: Ich bin so berechenbar wie das Hündchen vor der Salsiccia: Kaum höre ich Tennisplatz, Liebesgeschichte und Louis Garrel, springe ich freudig auf und wedle Richtung Kinositz. Dass Nanni Moretti wieder mit der wunderbar natürlich agierenden Jasmine Trinca dreht, die vor 25 Jahren in seinem «Das Zimmer meines Sohnes» debütierte, berührt mich zudem. Gerade weil der Film nach seiner Premiere im Wettbewerb von Venedig so unterschiedlich besprochen wurde – die einen feiern die zarte, sinnliche Seite, die anderen finden ihn zu sentimental und konstruiert –, will ich wissen, auf welche Seite es mich verschlägt. Persönlicher Tipp von Sarah Lau

Spielzeiten: Fr. 25. Sep. 18:15 Corso 1 / Sa. 26. Sep. 15:15 KINOKONI 1 / Sa. 3. Okt. 18:30 Arthouse Le Paris

«From Inside Out – Die Architektur von Peter Zumthor»

Regie: Wim Wenders

Darum geht es: Um die Arbeit des preisgekrönten Schweizer Architekten Peter Zumthor – und alles drumherum. Wahrnehmung, Gefühle und Herausforderungen. Funktion, Herangehensweise und Begegnungen. Über 14 Jahre begleitete der in seinem Feld gleichermassen erfolgreiche Regisseur Wim Wenders Peter Zumthor mit einer Kamera. Die Dokumentation im Kinosaal führt als 3D-Erlebnis durch ausgewählte Zumthor-Bauten wie die denkmalgeschützte Therme in Vals, das tiefschwarze Zinkminen-Museum in Norwegen oder das im Frühling eröffnete LACMA in Los Angeles.

Darum freue ich mich auf den Film: Ich mochte Zumthor, noch bevor ich wusste, wer Zumthor überhaupt ist. Beziehungsweise fielen mir in meinen jungen Zwanzigern völlig unabhängig voneinander mehrere seiner Architektur-Werke auf, die mich per se nicht wegen ihrer Schönheit inspirieren, sondern wegen ihres ungekünstelten Charakters, der in dieser Schönheit steckt. In weniger kryptischen Worten: Ich mag Formgebung, Materialkomposition und Lichteinfall, weil sie ganz ohne faden Beigeschmack unangestrengt reduziert wirken. Eigentlich würde ich Gebäude für Gebäude ja lieber selbst besichtigen, aber angesichts meines Zeit- und Budgetplans eignet sich die hundertvierzehnminütige Architekturreise im Kino gerade besser. Persönlicher Tipp von Vanessa Vodermayer

Spielzeiten: Sa., 26. Sept., 18:30, Arena Cinemas Sihlcity / So., 27. Sept., 12:30, Kinokoni 1 / Mi., 30. Sept., 18:00, Kinokoni 1 / Fr., 2. Okt, 20:15, Arena Cinemas Sihlcity

«Gardi Hutter. Da Zero»

Regie: Miriam Ernst

Darum geht es: 44 Jahre lang trat Gardi Hutter mit ihrer legendären Bühnenfigur Hanna auf, jetzt wagt sie mit 73 Jahren einen Neuanfang. Dieser Dokumentarfilm erzählt von der Entstehung des neuen Bühnenprogramms «Gardi Zero», mit dem die Pionierin der weiblichen Clownerie derzeit auf Tournee ist.

Darum freue ich mich auf den Film: Ihr Ostschweizer Dialekt weckte in mir immer Heimatgefühle, die Figur der Hanna eine feine Melancholie. Gardi Hutter brachte über vier Jahrzehnte lang in über 44 Ländern die Menschen zum Lachen, zum Weinen und zum Nachdenken. Und sie war die erste Frau überhaupt, die als Clown auf Tour ging. Viel mehr wusste ich nicht über sie, als ich sie in den annabelle-Podcast «Queens» einlud. Dann lernte ich eine Frau kennen, die mich zutiefst beeindruckte: mit ihrer Entschlossenheit und ihrem Scharfsinn.

Im Gespräch lernte ich, was Humor mit dem Tod zu tun hat – und wie weit einen der Trotz bringen kann. Zum Beispiel dahin, dass man sich mit 73 Jahren noch einmal neu erfinden kann. Darum freue ich mich auf ihr neues Bühnenstück und auf dieses filmische Porträt einer grossen Kleinkünstlerin.  Persönlicher Tipp von Barbara Loop

Spielzeiten: Mi., 30. Sept., 18.15 Uhr, Corso 2 / Do., 1. Okt., 13.30 Uhr, Corso 2

«Wicker»

Regie: Eleanor Wilson, Alex Huston Fischer

Darum geht es: Eine unverheiratete Fischerin (Olivia Coleman) steht unter Druck, ihr Jungferndasein zu beenden. Mangels verfügbarer Exemplare gibt sie dem Korbflechter des Dorfes (Peter Dinklage) den Auftrag, ihr einen Mann zu – flechten? basteln? Das Resultat ist ein Wesen aus Korbgeflecht (Alexander Skarsgård, kunstvoll kostümiert), das nicht nur ihre Stellung als respektable (weil verheiratete) Frau sichert, sondern ihr auch grosse sexuelle Freude beschert – sehr zum Missfallen der anderen, unbefriedigt verheirateten Frauen im Dorf.

Darum freue ich mich auf den Film: Zugegeben, Prämisse und Trailer dieses Filmes sind bizarr. Aber was Olivia Coleman angeht, bin ich Jüngerin. Da hält mich auch ein Trailer nicht auf, der sich ausschliesslich um die sexuellen Vorzüge eines stämmigen Weidenruten-Mannes dreht. Wahnwitzig, ja, aber etwas Wahnwitz hat noch keinem Filmfestival geschadet. Ausserdem kommt auch die gesellschaftskritische Komponente nicht zu kurz: Der Film verspricht eine Kritik archaischer Geschlechterrollen und die Geschichte einer Frau, die sich traut, in ihrem Asterix'schen Nest jenseits der Norm zu leben. Ein antipatriarchaler Strohpuppen-Fiebertraum, also. Mit Olivia Coleman! Count me in. Persönlicher Tipp von Naomi Gregoris

Spielzeiten: Mo., 28. Sept., 21.15 Uhr, Kongresshaus (Premium Screening) / Mi., 30. Sept., 18.45 Uhr, Kongresshaus / Fr., 2. Okt., 21.15 Uhr, Kongresshaus

Der Vorverkauf für das ZFF startet heute. Alle Infos gibt es hier.

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